Bardenberger Vereine erinnern an Opfer von Krieg und Terror

Von: ehg
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Gedenkfeier zum Volkstrauertag: Im Namen der Interessengemeinschaft der Bardenberger Ortsvereine legten Hilde-Marie Bergrath und der Vorsitzende des Heimatvereins, Thomas Havers, einen Kranz nieder. Die Ehrenwache hielten Mitglieder der freiwilligen Feuerwehr. Foto: W. Sevenich

Würselen. Der Heimatverein Bardenberg hatte für die Interessen-Gemeinschaft Ortsvereine zur Gedenkfeier am Volkstrauertag eingeladen.

Am Ehrenmal an der Dorfstraße, wo ein Kranz niedergelegt wurde, begrüßte Vorsitzender Thomas Havers die mit Fahnenabordnungen vertretenen Vereine, aber auch interessierte Bürgerinnen und Bürger. Hatte man im vergangenen Jahr das Augenmerk auf die vielen Gefallenen der letzten Kriege im 19. und 20. Jahrhundert gelegt, so richtete man in 2015 den Blick auf die Zivilbevölkerung, die ebenfalls unsägliches Leid erfahren hatte.

„Die Bilder vergesse ich nie“

Die Gedenkrede hielt die 2. Vorsitzende des Heimatvereins, Hilde-Marie Bergrath. Wie sie ausführte, musste die Bardenberger Zivilbevölkerung in der Zeit von September bis Oktober 1944 vornehmlich in eigenen Kellern, im Keller des Krankenhauses oder in den Luftschutzstollen an der Burg und unterhalb der Talstraße während des Beschusses und der Invasion ausharren.

Zu Wort kommen ließ sie zwei Zeitzeugen, zunächst zitierte sie aus einem Brief von Kaplan Heinrich Mönks, der mit seiner Schwester Adele in Bardenberg lebte. Er schrieb die folgenden Zeilen am 27. September 1944 „unter dem Brüllen der Geschütze“ an seinen Bruder: „... Seit dem 15. September nachmittags fliegen die Granaten Tag und Nacht in unser liebes Bardenberg. Ich kann Dir nicht schildern, wie ich den Sterbenden, zerrissenen und zerschundenen Menschen beistehe. Die Bilder vergesse ich nie.“

Und weiter: „Vielen Soldaten habe ich die Augen zugedrückt, aber auch vielen Kindern, diesen blutenden, weinenden und unschuldigen Menschen.“

Ebenfalls zitierte die Rednerin aus einem Brief ihres Vaters, des Arztes Dr. Nacken: „Tag und Nacht stehen wir am Operationstisch im Keller des Krankenhauses. 30 bis 40 Operationen Tag und Nacht fordern all unsere Kräften. Mein treuer Begleiter, Kaplan Mönks, sorgt für Licht im Operationssaal. Stundenlang und mit letzter Kraft tritt er sein Fahrrad vor dem Kellerfenster, um mit Hilfe des Dynamos Licht für meine Operationen zu erzeugen. Er wechselt sich ab mit unserer Hebamme, Schwester Christel Prinz.“

Und weiter heißt es beim Bardenberger Arzt: „Ein neunjähriger Junge starb gestern unter meinen Händen, nachdem er von Granaten zerrissen worden war. Unsagbares Leid erleben wir jede Minuten. Wie lange wir noch durchhalten können, wissen wir nicht. Unser Wille zu helfen ist aber nach wie vor ungebrochen.“ Hilde-Marie Bergrath lenkte den Fokus auch auf die Millionen Menschen in Nah und Fern weltweit, die heute ein ähnliches Schicksal täglich durchleiden müssen, die ausgebombt in Kellern sitzen und nicht wissen, was der nächste Tag bringt.

Denn leider seien Kriege und Bürgerkriege in weiten Teilen der Erde sowie die damit verbunden Gräuel und Ängste auch 70 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs nicht überwunden. Dazu lieferten die grausamen Terroranschläge in Paris von Freitag unrühmliche und grausame Beispiele, wie Vorsitzender Havers am Ende der Gedenkstunde mahne. Hilde-Marie Bergraths Appell, „den Frieden in unseren Breiten nicht leichtfertig aufs Spiel zu setzen“.

Die Feier zum Gedenken an die Opfer des Heimatortes durch Krieg und Gewalt wurde musikalisch umrahmt durch Darbietungen einer Bläsergruppe, des Männergesangvereins „Orphea“ und des Trommler- und Pfeiferkorps Bardenberg.

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