Barbarakapelle: Team vom Bau ist im Schnitt 77 Jahre alt

Von: mabie
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Jeder Handgriff muss sitzen: Während Polier Michael Wijnands den Betonfluss selbst kontrolliert, herrscht auf dem Baugerüst der Barbarakapelle rege Betriebsamkeit. Foto: Markus Bienwald

Alsdorf. Geöffnet wird die Schatzkiste erst am 4. September. Bis dahin bleiben die viereinhalb Kubikmeter Beton, die Donnerstagfrüh in die Kuppel der künftigen Barbarakapelle am Energeticon gepumpt wurden, weitgehend unsichtbar.

Nur ein wenig der grauen Bausubstanz suppt hier und da aus, sorgt im Inneren der Kapelle für eine Atmosphäre wie in einer Tropfsteinhöhle. Weithin sichtbar hingegen ist hingegen der außergewöhnliche Bau, in dem die originale Barbara-Figur, die den Kumpels auf Zeche Anna unter Tage als Schutzpatronin diente, bald wieder einen Platz finden soll. Nach dem Beginn der Bauarbeiten im August 2011, stellt das Gießen der abschließenden Kuppel mit rund zweieinhalb Metern Bauhöhe einen entscheidenden Schritt in Richtung Fertigstellung dar. „Jetzt fehlt nur noch der aufgesetzte Lichtschacht“, freute sich Josef Kohnen vom Bergbaumuseumsverein, „dann feiern wir im Oktober Richtfest“.

Ein hoch kompliziertes Bauwerk haben die größtenteils freiwilligen Baumeister in bisher 87 148 exakt aufgelisteten Arbeitsstunden da auf Kiel gelegt. Wer einmal während der Bauphase einen Blick in den Innenraum werfen konnte, sah einen Wald aus Holz und Metall, Schalungen hier, Stützstreben da, ein scheinbar undurchdringliches Wirrwarr. Hinter dem Ganzen steckt eine sehr ausgeklügelte Architektur, die sich zum einen perfekt an die künftige Kuppelstruktur schmiegt. Und zum anderen sorgt sie dafür, dass Baufirmen, die einen Blick auf die Pläne warfen, unisono eine Ausführung ablehnten. Also packten die Männer vom Verein Bergbaumuseum Anna, die von Ein-Euro-Jobbern unterstützt werden, beim bislang über 70.000 Euro teuren Bau selbst an.

Josef Kohnen, der von allen als Polier geschätzte Michael Wijnands, Fritz Schaffrath, Herbert Büsching, Peter Cardaun, Karl-Peter Schröder, Leo Widdeler, Josef Göbbels, Andreas Bach, Hartmut Krämer, Peter Kohnen, Fritz Ebbert und Philipp Vohn wurden so von Ruheständlern wieder zu fleißigen Bauhandwerkern, die pro Woche viele Stunden ehrenamtlich mit dem Bau verbringen. Versorgt unter anderem durch Inge Zöller und Brigitte Zoglowek, die sich täglich um das leibliche Wohl der Erbauer kümmern, ist die Baustelle mittlerweile ein echter Besuchermagnet. „Wir zählen oft mehr als 15 Besucher pro Tag“, sagt Kohnen und weiß auch, dass manche auch einfach nur hier lang fahren, um den Baufortschritt zu sehen.

Doch nicht nur Handwerk und Bau sind besonders am Barbara-Bau. „Das Durchschnittsalter liegt bei 77 Jahren“, umschreibt Harald Richter, Geschäftsführer des Energeticon nur eine Besonderheit der Truppe. Die andere liegt wohl in der Baukunst, denn die geballte Erfahrung der Männer machte das Gebilde erst möglich. Und sie macht auch Änderungen der Baupläne problemlos umsetzbar. „Der Lichtschacht wird nur 2,50 Meter statt drei Meter lang“, berichtet Michael Wijnands schulterzuckend. „Sonst passt das Ganze nicht“, weiß er, und führt selbst noch eine Weile den Betonpumpschlauch nach, bis der sehr dünne Betonmix komplett in die Schalung geflossen ist. Vor Blasen im Beton brauchen die Bauherren keine Angst zu haben, dafür ist die Mischung dünn genug. Dennoch wird es eine spannende Angelegenheit, wenn sie am Mittwoch, 4. September, die Schale des Betonbaus wie eine Nuss langsam knacken und die Kapelle enthüllen. Und auch dann werden sicherlich viele Schaulustige dabei sein wollen.

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