Bahnunterführung saniert: Finger weg, Wildpinkler und Schmierer!

Von: Karl Stüber
Letzte Aktualisierung:
Alter Zustand: Von Graffiti ko
Alter Zustand: Von Graffiti konnte man nicht sprechen. Schmierereien, darunter auch Rechtsradikales, sowie beißender Uringestank waren „Markenzeichen” der Unterführung vor der nun erfolgten Grundsanierung.

Alsdorf. „Na, hoffentlich bleibt das so”, sagt ein älterer Herr, der mit schnellem Schritt die Fußgängerunterführung zwischen Industrie- und Viehaustraße durchquert. „Die Nacht ist das Problem. Da kommen sie”, ruft er noch Bürgermeister Alfred Sonders zu.

„Es kommt ja nun auch auf Euch Anwohner an, die Augen offen zu halten und die Polizei zu rufen, wenn was passiert”, entgegnet der.

Gemeint sind Gestalten, welche die Wände beschmieren, oft mit rechtsradikalen Aussagen und Symbolen, Müll hinterlassen oder das Abschlagen von Wasser, landläufig Pinkeln genannt, ausgiebig üben. Bis vor kurzem bot die Querung unter der reaktivierten Bahnstrecke deshalb ein trauriges Bild.

Zudem war der Beton arg in Mitleidenschaft gezogen. Aber die unterirdische Verknüpfung hat an Bedeutung gewonnen, nicht nur für Schulkinder, die nun nächste Woche auf einen ansprechenden Schulweg hoffen dürfen, sondern gerade durch die Erschließung per Euregiobahn. Die Zahl der Nutzer dürfte nun steigen.

60.000 Euro hat die Sanierung der Anlage gekostet. Die Arbeiten wurden unter der Regie des Eigenbetriebs Technische Dienste organisiert. Laut Bauleiter Wilfried Erkens wurden innerhalb von fünf Wochen lose Wandstücke entfernt, Beton und Armierung per Sandstrahl gereinigt, Korrosionsschutz auf die Metallteile aufgebracht, die Löcher geschlossen und die Wand neu beschichtet bzw. versiegelt. Geländer und Handläufe wurden ersetzt.

Dann schlug die Stunde der organisierten Sprayer, die auf der freundlichen hellblauen im Bereich Richtung Industriestraße im positiven Sinne „zuschlugen”. Mareike Grewe vom Eigenbetrieb Technische Dienste betreute die Graffiti-Aktion.

Das Ergebnis: Am Zugang Viehaustraße waren die beiden Aachener Graffiti-Künstler „Lazy65” und „Wise76” gemäß dem vorgegebenen Slogan „Hand in Hand statt fremd und feindlich” gestalterisch tätig, um gegenüber der rechtsradikalen Klientel bewusst mehr als nur ein Zeichen zu setzen, wie Bürgermeister Sonders erklärt. „Im Blumenrath gibt es offensichtlich eine Gruppe von Irren”, zürnt er beim Ortstermin, „die sich durch entsprechende Aufkleber und Schmierereien hervortun wollen.”

Nun sind statt dessen freundlich helle und warme Töne mit kindgerechten Figuren und Alsdorfer Motiven zu sehen, die durch Textbausteine des Slogans gegen Rechts ergänzt werden.

Auch die beiden Künstler haben sich auf einem Schild mit ihren Namen, die in der Szene als Markenzeichen gelten, „verewigt”. Wirklich verewigt? Droht nicht, dass das Ganze wieder übersprüht wird? Wohl nicht von echten Graffiti-Künstlern, wie Streetworker Hartmut Krombholz meint. Die Erfahrungen, die man mit der am Anna-Park gestalteten Wand und dem verzierten Toilettenhäuschen im Umfeld gemacht hat, zeigen, dass die Szene untereinander Respekt hat.

Der in Alsdorf aufgewachsene „Wise 76” bedankt sich ausdrücklich bei der Stadt Alsdorf, die regelmäßig solche Graffiti-Aktionen unterstützt. Und in der Unterführung wird eine weitere folgen. Im Mittelteil sollen in den Herbstferien Jugendliche unter Anleitung aktiv werden - als Lückenschluss zu weiteren schon aufgebrachten Werken.

Dabei werden sie auf einen Teil der 260 Farbspraydosen zurückgreifen können, die für das aktuelle Projekt angeschafft worden waren Rund 100 davon sind noch übrig. Wenn das mal reicht.
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