Baesweiler Tafel zieht ins Haus Götting

Von: Stefan Schaum
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Prüfender Blick: Tafel-Vorsitzender Willy Feldeisen sieht hier und da noch Bedarf für Handwerker. Die griechisch inspirierte Wandmalderei im alten Haus Götting soll aber erhalten bleiben. Foto: Stefan Schaum

Baesweiler. Die Bierreklame draußen vor der Tür kommt in den nächsten Tagen runter. Das Schild hat längst ausgedient, aus den Zapfhähnen im alten Haus Götting fließt schon seit Jahren nichts mehr raus. Hin und wieder hatte Ursula Stückmann das Lokal zwar noch mal für private Feiern vermietet, aber meist blieb es in den Räumen dunkel.

2011 hatte der letzte Pächter hingeworfen. Nun gibt es einen neuen Mieter, der zwar die imposante, holzverkleidete Theke gar nicht braucht, dafür aber viel Platz: Die Baesweiler Tafel wird zum Dezember mit der Lebensmittelausgabe an der Jülicher Straße 94 starten.

Damit wird ein nahezu nahtloser Ortswechsel möglich. Wie berichtet, muss die Tafel das evangelische Gemeindehaus in Setterich verlassen, weil dessen Unterhalt für die Setterich-Siersdorfer Gemeinde finanziell nicht mehr tragbar ist. Den Mietvertrag mit der Tafel hatte sie zum 31. September gekündigt – aber eine Übergangsfrist gewährt, die nun von der Tafel genutzt wird, bis die Handwerker mit ihren Arbeiten im Haus Götting durch sind. Die Lampen müssen dort zum Teil erneuert werden, auch ein wenig frische Farbe braucht es hier und da. Wobei „Schmuckstückchen“, wie eine bunte Darstellung griechischer Götter, die ein ehemaliger Pächter an eine Wand pinseln ließ, erhalten bleiben sollen.

„Das Bild find‘ ich gar nicht so schlecht“, sagt der Baesweiler Tafel-Vorsitzende Willy Feldeisen, der seit Donnerstag den Schlüssel zu den neuen Tafel-Räumen in Händen hat. „Da stellen wir ein paar Regale vor“, meint er und deutet dann zum Raum hinter einer großen Falttür, „da hinten kommt dann das Lager hin“. Kühlschränke und viel anderes Mobiliar muss dazu von Setterich nach Baesweiler geschafft werden. „Es ist gut möglich, dass wir deshalb die Essensausgabe zwei Wochen lang schließen müssen“, sagt Feldeisen, vermutlich im November soll das der Fall sein. Spätestens Anfang Dezember soll es dann an der Jülicher Straße losgehen. Zentral gelegen, aber auch wieder nicht zu zentral. Soll heißen: Gut erreichbar für die Kunden der Tafel aber nicht so nah an den Einkaufsstraßen, dass dort die Händler angesichts von Warteschlangen womöglich die Nasen rümpfen. Wobei: Die dürfte es vor der Tür gar nicht geben, denn drinnen ist richtig viel Platz .

Gut 255 Quadratmeter stehen der Tafel künftig zur Verfügung, derzeit sind es knapp 180. Auch das Mobiliar im Haus Götting kann die Ausgabestelle nutzen – und Tische und Stühle gibt es dort reichlich. „Hier haben wir locker neunzig Sitzplätze für die Kunden“, sagt Feldeisen, „das ist richtig komfortabel“. Dieser Wartebereich wird vorne eingerichtet, im ehemaligen Saal sollen dann die Lebensmittel ausgegeben werden. Eine gute Lösung, findet Feldeisen. Alles auf einer Ebene, trotzdem unterschiedliche Bereiche, und hinten über den Hof können die Lebensmittel bequem reingetragen werden, die die Supermärkte der Tafel überlassen. Bislang müssen die Waren in Setterich erst mal über eine Rutsche in den Keller befördert werden. Wehmut schwingt angesichts des Umzugs dennoch mit. Schließlich war die Tafel lange Zeit in Setterich beheimatet, seit ihrer Gründung im Juli 2006.

„Wir sind sehr dankbar, dass wir so viele Jahre bleiben konnten“, sagt Feldeisen. Er ist zuversichtlich, dass der Umzug der Tafel für die derzeitigen Kunden – rund 160 Bedarfsgemeinschaften unterstützt die Tafel, pro Woche werden Lebensmittel für gut 800 Menschen ausgegeben – nicht zum Problem wird. „Wir ziehen aus Settericher Sicht ja nicht so weit weg und sind auch an der Jülicher Straße gut erreichbar.“ Er erwartet sogar, dass künftig noch mehr kommen. „Womöglich entdecken uns jetzt erst Menschen aus Baesweiler, die als Kunden in Frage kommen, bislang aber nicht den Weg zu uns fanden.“ Negative Reaktionen? Hat er bislang nicht erfahren. In den nächsten Wochen sollen die bisherigen Kunden noch einmal gezielt informiert werden, Infozettel – auch in mehreren Sprachen – will Feldeisen verteilen mit genauer Beschreibung der künftigen Adresse.

Die Teamer ziehen in jedem Fall mit. Und zwar alle. Gut 30 sind es aktuell. Damit ist Willy Feldeisen schon mal ein dicker Stein vom Herzen gefallen. „Die Ehrenamtler haben mir gleich gesagt, dass sie die Tafel auch am neuen Ort unterstützen werden.“ Dieser Ort war übrigens der einzige, den der Vorstand der Tafel sich angeschaut hatte. Feldeisen: „Als es sich herumsprach, dass wir umziehen müssen, haben mir viele gesagt: ‚Frag doch mal im Haus Götting‘.“ Lang überlegen musste Ursula Stückmann nicht, ob sie der Tafel einen Mietvertrag ausstellt – mit Option auf zunächst einmal fünf Jahre. Sie selbst stand in dieser Wirtschaft viele Jahre lang hinter der Theke, von 1955 bis 1973. „Damals hatten wir ein richtig gutes Tanzgeschäft, samstags und sonntags spielten hier Kapellen.“ Eine schöne Zeit, sagt sie.

Anschließend wechselten dann häufig diejenigen, die den Laden in Schwung halten wollten. Dass zuletzt gar kein Leben mehr drin war, findet sie traurig. Umso mehr freut sie sich nun darüber, dass von der neuen Nutzung so viele Menschen profitieren. „Wenn man so etwas Gutes unterstützen kann“, findet Ursula Stückmann, „dann sollte man das auch tun.“

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