Baesweiler Schulausschuss: Zwei Schultypen in einer Klasse

Von: Margret Nußbaum
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Baesweiler. Eine Reihe von interssanter Fakten sind bei der Sitzung des Schulausschusses in Baesweiler auf den Tisch gelegt worden. Zum Beispiel, dass die Landesregierung für die Nordkreis-Stadt trotz ausreichender Schülerzahlen keine eigene Gesamtschule vorsieht.

Dass das bisherige Hauptschulmodell auf Grund fehlender Anmeldezahlen auslaufen wird. Dass der Traum einer Dependance der Willy-Brandt-Gesamtschule Übach-Palenberg in Baesweiler endgültig ausgeträumt ist.

Neue Regelung

Den Wecker zum Beenden des Traums stellte nicht etwa die Bezirksregierung. Die hätte das Ganze auf Grund des Modellcharakters und der Vorteile für beide Standorte gern umgesetzt. Es war der Rat der Stadt Übach-Palenberg, der diesen Traum durch mehrheitliche Ablehnung des neuen Modells abrupt beendete.

Die einzige Möglichkeit, Schüler mit Hauptschulniveau weiter in Baesweiler zu unterrichten, bestehe in der Umsetzung eines Hauptschulbildungsganges an der Realschule Setterich nach Paragraph 132 c des Schulgesetzes NRW, erklärte Bürgermeister Dr. Willi Linkens. Die von der CDU, der SPD und dem Bündnis 90/Die Grünen auf Landesebene initiierte Gesetzesinitiative beinhaltet, dass Realschulen ab der 7. Klasse die Möglichkeit haben, Kinder zieldifferenziert zu unterrichten.

Der kommissarische Leiter der Realschule Jan Braun stellte das neue Konzept vor: Kinder mit Realschul- oder Hauptschulempfehlung werden in den Klassen 5 und 6 zunächst gemeinsam unterrichtet. Durch äußere und innere Differenzierung innerhalb der Lehrpläne sei es durch den neuen Paragraphen möglich, potenzielle Hauptschüler in äußerer Differenzierung getrennt zu unterrichten, und zwar in den Fächern Englisch, Mathematik und Arbeitslehre. Dies mache ein Drittel des Gesamtunterrichts aus.

Die verbleibenden zwei Drittel würden dann im Unterrichtsverbund mit den Schülern auf Realschulniveau unterrichtet. „Die Unterrichtsinhalte sind dabei gleich“, erklärte Jan Braun. „Es gibt lediglich Abstufungen in den Schwierigkeitsbereichen zwischen Hauptschul- und Realschulniveau, etwa bei Hausaufgaben und Klassenarbeiten.“ Ein Beispiel: Erreicht ein Hauptschüler in einer Klassenarbeit 20 von 40 möglichen Punkten, bekommt er eine bessere Note als ein Realschüler mit dem gleichen Ergebnis.

Der große Vorteil dieser inneren Differenzierung: „Nicht selten machen Kinder noch mal einen Entwicklungssprung und erreichen trotz anfänglicher Hauptschulempfehlung schließlich doch noch Realschulniveau“, weiß Jan Braun aus Erfahrung. Sowohl Sekundar- als auch Gesamtschulen hätten mit dieser Art des Unterrichtens gute Erfahrungen gemacht.

Wege gespart

Für die Umsetzung des Paragraphen 132 c in Baesweiler spreche darüber hinaus, dass Schüler nicht mehr zu Nachbarkommunen wie Alsdorf oder Übach-Palenberg auspendeln müssten, erklärte Linkens.

Die CDU-Fraktion gab ihr einstimmiges Votum für das angestrebte Unterrichtsmodell. Rolf Beckers von Bündnis 90/Die Grünen schloss sich dem Mehrheitsbeschluss aus pragmatischen Gründen an: „Wir stimmen dafür, obwohl wir ursprünglich eine Gesamtschule wollten. Denn wir sind der Überzeugung, dass die Realschule sich mit der Umsetzung des neuen Konzepts auf einem guten Weg befindet“, begründete er die Entscheidung seiner Fraktion.

SPD-Fraktionsvorsitzender Dr. Karl-Josef Strank lehnte – mit Unterstützung seiner beiden Kollegen im Ausschuss – ab. „Ich habe den Paragraphen 132 c des Schulgesetzes einmal als Krücke bezeichnet, und dabei bleibe ich“, sagte Strank. „Ich halte es für ein totes Pferd, das Sie weiter reiten wollen“, wandte er sich an die Kollegen von der CDU und den Bündnisgrünen. „Wir sind der festen Überzeugung, dass es bessere Möglichkeiten gibt.“ Wie diese aussehen könnten, führte Strank allerdings nicht weiter aus. Und auch über die Tatsache, dass ja seine Parteigenossen auf Landesebene das neue Schulgesetz mit initiiert hatten, verlor er kein weiteres Wort.

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