Baesweiler Malerin arbeitet Emotionen heraus

Von: Margret Nußbaum
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Besonderheiten auf der Spur: Magda Imm lässt sich beim Malen ihrer Frauengesichter von mannigfaltigen Farben und Formen inspirieren. Foto: Margret Nußbaum

Baesweiler. Gesichter faszinieren sie. Sie studiert deren Konturen, spürt Besonderheiten auf, liest regelrecht in ihnen und zieht aus ihren Beobachtungen Schlüsse. „Vor allem in Frauengesichtern erkenne ich eine enorme Bandbreite an Emotionen“, erklärt die Baesweiler Malerin und Kieferorthopädin Dr. Magda Imm.

Was Gesichter auszudrücken vermögen, bringt sie in künstlerisch außergewöhnlicher Weise zum Ausdruck. Hunderte hat sie im Laufe von über 40 Jahren auf die Leinwand gebannt – vorwiegend mit Aquarell-Stiften, aber auch mit Tusche und Ölfarben.

Die Freude an der Malerei entdeckte Magda Imm bereits in jungen Jahren. Als Jugendliche absolvierte sie an einer Bukarester Kunstschule eine zweijährige Ausbildung in Bildenden Künsten und Kunstgeschichte. Seit ihrem 15. Lebensjahr lebt sie in Deutschland. „Kind, lerne was, von dem du leben kannst“, riet ihre Mutter der künstlerisch begabten Tochter, als diese sich in Düsseldorf an den Straßenmalereien junger Nachwuchskünstler nicht satt sehen konnte.

Der mütterliche Rat trug Früchte. Magda studierte Zahnmedizin und arbeitet seit 32 Jahren mit ihrem Mann Christoph in der gemeinsamen Praxis für Zahnheilkunde und Kieferorthopädie.

Den Ausgleich zum Studieren und späteren Arbeiten als Kieferorthopädin fand sie in der Malerei. „Ich konnte dabei schon immer wunderbar entspannen“, sagt Imm. „Das Malen war und ist für mich ein wichtiges Ventil zum Abbau von Stress.“

Wie Künstler sich gegenseitig inspirieren können, zeigen Werke großer Maler, die vor 128 Jahren in Worpswede eine Künstlerkolonie gründeten – darunter Otto Modersohn und seine Frau Paula Modersohn-Becker – eine Künstlerin, die Magda Imm besonders fasziniert. „Ihre Entschiedenheit, mit der sie ihre Vorstellungen entgegen dem damaligen Zeitgeist in der Kunst durchgesetzt hat, beeindrucken mich sehr“, erklärt sie.

In ihrer eigenen Geschichte drängen sich Parallelen geradezu auf. Denn auch Magda Imm erlebte einen dieser glücklichen Zufälle, wie das Leben sie zuweilen beschert. Sie stellte ihre Bilder in Instagram ein, einem kostenlosen Online-Dienst zum Teilen von Fotos und Videos.

Im Juni 2016 fielen diese dem Fotografen und Medienkünstler Hans-Georg Matick aus Laubach bei Gießen auf. Seit 17 Jahren beschäftigt er sich mit experimenteller Fotografie, 3D-Animationen und Videoproduktionen. Am Computer bearbeitet er seine Bilder, macht daraus Collagen, visualisiert in ästhetisch ansprechender Weise eigene Gedanken und Vorstellungen. Dabei bezieht er Lichtquellen ein, konstruiert Quader und andere Bildkörper. Im großflächigen Weiß der Werke von Magda Imm erkannte der Künstler einen großzügigen Interpretationsfreiraum, den die Malerin dem Betrachter lässt.

Dies ist der Beginn eines künstlerischen Experiments, das in einer sich gegenseitig ergänzenden Zusammenarbeit mündet. Magda Imm postet ein Gemälde, das Maticks Fotografie interpretiert. Matick antwortet mit einer sensiblen digitalen Synthese, die die Originale beider Künstler zu einem eigenständigen synergetischen Werk verschmilzt.

Es ist faszinierend zu erfahren, was schon bald daraus entsteht: Die beiden Künstler liefern sich über zwei Monate – immer noch anonym – einen inspirativen Bilderwettstreit aus fotografischen Vorgaben und zeichnerischen Antworten.

Im August 2016 treffen sich Imm und Matick zum ersten Mal und beschließen, ihren künstlerischen Dialog zu veröffentlichen und durch Integration von Licht sowie Videoprojektionen kreativ zu erweitern. So wird aus Imm und Matick schließlich Imm & Matick. Die Synergie aus Farben, Licht und Musik ist faszinierend.

Ihr neues Kunstkonzept unter dem Namen „new faces – das dritte Gesicht“ stellt das Künstlerduo aktuell im Frankfurter Presse-Club aus. Zu sehen sind 51 Acryldrucke – 32 davon integriert in Lichtquader. Die Ausstellung, die noch bis zum 30. Juni 2017 dauert, gewährt Einblicke in die außergewöhnliche Entstehungsgeschichte dieser grandiosen Kunstverschmelzung.

Weitere Ausstellungen wird es in Hamburg, Berlin, Potsdam, Laubach, Köln und Frankfurt geben.

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