Baesweiler Integrationskonzept: „Parallelwelten” verhindern

Von: Silvia Kurth
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Das Potenzial der kulturellen Vielfalt auszuschöpfen: Die Organisationen und Institutionen der Migranten wie die Baesweiler Moschee sollen in die Umsetzung des Konzepts mit eingebunden werden. Foto: Silvia Kurth

Baesweiler. Muslime an der „Nacht der offenen Kirchen” beteiligen, Vereine in Moscheen vorstellen, Bewerbungshilfe im Jugendtreff anbieten: Das sind Bausteine unter vielen für das Zusammenrücken einer multikulturellen Gesellschaft.

Vielfältige Handlungsanweisungen dazu, wie aus dem Nebeneinander von Deutschen und Einwohnern mit Migrationshintergrund ein Zusammenleben werden kann, stecken im Integrationskonzept der Stadt Baesweiler, das jetzt nach einem halben Jahr intensiver Vorarbeiten im Sozialausschuss vorgestellt wurde.

„Das ist keine Auflistung von Wünschen an die Stadtverwaltung. Hier geht es auch um bürgerschaftliches Engagement”, schickte Bülent Arslan, Leiter des Institutes für interkulturelle Management- und Politikberatung (imap) aus Leverkusen, der Präsentation voran.

In den drei Arbeitskreisen „Sprache und Bildung”, „Familie und Soziales”, „Kultur, Freizeit und Religion” wurden nach der ersten, für alle offenen Integrationskonferenz fast 90 praktisch umsetzbare Ideen entwickelt, die sich an fünf Leitzielen orientieren: Abgrenzung und das Leben in „Parallelwelten” verhindern, den Dialog fördern, die Zusammenarbeit zwischen Einheimischen und Zugewanderten voranbringen, respektvoll miteinander umgehen, die interkulturelle Kompetenz stärken - wobei diese Reihenfolge auch die Gewichtung darstellt.

Das Wichtigste also ist es, eine räumliche wie soziale Ghettoisierung zu verhindern.

Ganz große Bedeutung gewinnt dabei das Stadtteilmanagement, das durch ein weiteres großes Projekt der Stadt Baesweiler geschaffen werden soll, durch das Förderprogramm „Soziale Stadt Setterich”.

Gerade in diesem Stadtteil mit seinem sehr hohen Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund könnte auch auf die Vermietungspraxis Einfluss genommen werden, um eine stärkere Bevölkerungsmischung zu erreichen.

Ganz wichtig für die Umsetzung des Konzeptes sei es darüber hinaus, die eigenen Organisationen der Migranten mit einzubinden, wie Arslan betonte. Denn schließlich müssen die Menschen, die es betrifft, auch erreicht werden. Integration steht und fällt mit Sprache.

Elternkompetenzkurse in Kindergärten und frühkindliche Sprachförderung sind einige Stichworte unter vielen, wobei das Erlernen der deutschen Sprache die Muttersprache keineswegs verdrängen soll.

Das Integrationskonzept legt ausdrücklichen Wert darauf, „das Potenzial der kulturellen Vielfalt auszuschöpfen”, sprich eine zweisprachige Erziehung zu fördern.

Vorurteile abbauen: Das ist ein natürliches Ziel eines Integrationskonzeptes, das sich mit relativ leichten Mitteln erreichen lässt, zum Beispiel bei gemeinsamen Fahrradtouren, beim Wandern oder der multikulturellen Gartenarbeit. Gerade das sind Beispiele, bei denen Vereine ins Spiel kommen, deutsche wie Migrantenorganisationen.

Junge Menschen bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz zu unterstützen, Migranten in ehrenamtliche Tätigkeiten wie etwa bei der Feuerwehr einzubinden, Religionsgemeinschaften gegenseitig transparenter zu machen sind weitere Bausteine unter vielen, auf denen eine erfolgreiche Integration fußen könnte. „Es darf nicht die Erwartung entstehen, dass eine bestimmte Stelle in der Stadtverwaltung das alles umsetzt”, betonte Bülant Arslan.

Imap empfiehlt den Aufbau eines Integrationsmanagements, Projektpartnerschaften, den Aufbau eines Multiplikatorennetzwerkes durch die Einbeziehung von Schlüsselpersonen, Stadtteilrunden und ein Monitoringsystems zur Erfolgskontrolle.

„Die erste wichtige Phase ist abgeschlossen. Die Unterstützung der Politik, auch die symbolische, wird eine große Rolle spielen.”
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