Bäckerinnen lieben verführerische Düfte

Von: Heike Eisenmenger
Letzte Aktualisierung:
backen_kurz_bu
Wie das duftet! Gesundheitsberaterin Andrea Oswald-Forth (Mitte) lässt Heike Knoch (r.) und Ursula von Bülow am frisch gemahlenen Koriander schnuppern. Foto: Heike Eisenmenger

Herzogenrath. Der Duft des frisch gemahlenen Korianders ist überwältigend. Immer wieder schnuppern die Frauen daran. „Das so genannte Flocken hat die ätherischen Öle im Koriander freigesetzt”, sagt Gesundheitsberaterin Andrea Oswald-Forth.

Sie kennt sich gut aus damit. Des öfteren hat sie im Frauenkommunikationszentrum im Herzogenrather Bahnhof Kurse rund ums Thema Vollwertkost angeboten.

Nun ist das Backen an der Reihe. Fünf Frauen haben sich für den „Backkurs für Eigenbrötler” interessiert. Sie wollen lernen, wie man gesundes Brot zubereitet. Der Ofen steht diesmal bei Andrea Oswald-Forth daheim, denn in solch einer kleinen Runde kann man es sich auch dort gemütlich machen. Die Küche der Gesundheitsberaterin ist insgesamt ein Ort der konzentrierten Wohlgerüche. Dort duftet es nicht nur nach frischem Koriander, sondern auch nach frisch gebackenem Brot, nach Oliven und Tomaten.

Bloß kein Weißbrot

Ein Weißbrotteig käme dort niemals in den Backofen. „In weißem Mehl sind keinerlei Vitalstoffe enthalten”, sagt Oswad-Forth. Dass weißes Mehl kaum Nutzen für den Körper habe, liege daran, dass die äußere Schale des Korns, in der die Mineralstoffe und Vitamine stecken, entfernt werden.

Die Auswirkung von Fertignahrung, die statt Vitalstoffen meist Beigaben wie Geschmacksverstärker enthält, sehe man tagtäglich auf den Straßen. „Die Menschen werden immer dicker. Übergewicht ist ein Problem, das in allen Gesellschaftsschichten anzutreffen ist.”

Sie bricht daher eine Lanze für die Vollwertkost, die durchaus günstig sein kann. „Es ist ein Ammenmärchen, dass gesundes Essen teuer ist. Von unserem selbst gebackenen Brot isst man zwei Scheiben. Bei Weißbrot braucht man aber die doppelte Menge, um satt zu werden.” Allerdings sei Vollwertbrot nur dann preiswert, wenn man bereit sei, sich selbst an den Backofen zu stellen.

Die fünf Damen sind es, zumindest an diesem Abend. Die Zutaten hatte die Gesundheitsberaterin in einem Bio-Versandhandel bestellt. Ihr Tipp: „Immer gleich mehrere Brote backen und den Großteil einfrieren. So lohnt sich der Aufwand - und vor allem sorgt es für Abwechslung auf dem Frühstückstisch.”

Um die Vitalstoffe so weit wie möglich zu erhalten - durch die Lagerung gehen wertvolle Inhaltsstoffe verloren - wird kein fertiges Mehl verwendet, sondern das Getreide erst kurz vor der Verarbeitung gemahlen. Kursteilnehmerin Gudrun Stiedenroth ist eigens aus Kelmis gekommen, um Anregungen für die Vollwertküche mitzunehmen.

Die 50-Jährige bestreicht ein ums andere Vollkorn-Brötchen mit einer Sahne-Ei-Tinktur, drückt Bio-Rosinen in die kleinen Teigkugeln. Derweil knetet Maren Meis einen Teig und formt aus der Masse kleine Hörnchen. Im Brotbacken ist die 46-Jährige nicht unerfahren. „Mich interessiert vor allem der Aspekt, gesundes Brot zu backen. Ich finde, dass es gut schmeckt und dass es Spaß macht, sein Brot selbst herzustellen.”

Spaß macht es auch

Spaß ist ein nicht unerheblicher Faktor an diesem Abend: Zwischen Ausrollen und Mahlen wird geklönt, gescherzt und gelacht. Auf dem Tisch steht eine große Schüssel mit Sauerteig, der für das ostfriesische Schwarzbrot benötigt wird. „Stellt gleich eine größere Menge Sauerteig her und friert ihn portionsweise ein, dann habt Ihr bei Bedarf immer frischen Sauerteig zur Hand.

Wenn der Sauerteig im Kühlschrank aufbewahrt wird, dann denkt dran, dass er weiterquillt. Das gibt ruckzuck eine Riesensauerei im Kühlschrank”, warnt die Kursleiterin. Das Rezept für den Sauerteig ist simpel: 500 Gramm Roggen werden mit einem halben Liter lauwarmen Wasser und einer kleingehakten Zwiebel vermengt, drei Tage muss die Mischung dann an einem warmen Ort stehen.

Andrea Oswald-Forth verarbeitet aber nicht nur Roggen, Buchweizen und Dinkel, sondern auch alte Getreidesorten wie zum Beispiel Kamut. Kamut ist das ägyptischen Wort für Weizen. „Ich arbeite deswegen so gerne mit alten Sorten, weil sie hervorragende Backeigenschaften haben.” Der Nachteil ist allerdings, dass alte Getreidesorten nur in kleinen Mengen angebaut werden - das macht sie recht teuer.

Zwischen Vollwert-Rosinenbrötchen und ostfriesischem Schwarzbrot bekommen die Teilnehmerinnen noch Informationen aufgetischt, um sich auch im Beschilderungsdschungel der Vollwertkost zurechtzufinden. Auf Mehlverpackungen sind etwa Zahlen angegeben, die Auskunft über die Qualität des Mehls geben. „Die Typenzahl des Mehls gibt in Milligramm an, wie viel Vitalstoffe in 100 Gramm enthalten sind. Hat Mehl die Typenzahl 405, heißt das, dass in 100 Gramm nur 405 Milligramm Mineralstoffe drin sind.” Je größer also die Zahl, desto mehr Vitalstoffe sind enthalten.

Dann schrillt die Backofenuhr, das Brot ist fertig. Und kaum geht die Klappe des Ofens auf, duftet es schon wieder sehr verführerisch. Das Probieren ist an einem solchen Abend daher ein Muss - und eine leckere Belohnung für die Mühe.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert