Herzogenrath - Ausstellung: Erbauliche Genüsse und Smartphone-Schnappschüsse

Ausstellung: Erbauliche Genüsse und Smartphone-Schnappschüsse

Von: Nina Krüsmann
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Bemerkenswerte Werke: Karl von Monschau (l.), hier mit Professor Dr. Fritz G. Rohde, dem Vorsitzenden des Forums für Kunst und Kultur in der Euregio, stellt derzeit im Eurode-Bahnhof aus. Foto: Nina Krüsmann

Herzogenrath. Überraschend, mit einer gehörigen Portion Humor und absolut ästhetisch kommt die neue Ausstellung im Herzogenrather Forum für Kunst und Kultur daher: Karl von Monschau präsentiert Fotografien in geschnittenen Passepartouts auf grauen Stellwänden, die halbrund aufgebaut sind. Nichts lenkt den Betrachter ab vom Anblick der Aufnahmen aus Papua-Neuguinea.

Diese neue Installation des Künstlers Karl von Monschau, der unter anderem als Gründer und erster Leiter des Neuen Aachener Kunstvereins sowie des BBK Aachen in der Region bestens bekannt ist, trägt den Titel „BVLGVR“.

Die Schau zog bei der Vernissage Künstlerkollegen, Freunde und Besucher aus der ganzen Region an. Eröffnet wurde die Ausstellung zwischen den gusseisernen Säulen in den lichtdurchfluteten Räumen der ehemaligen Bahnhofshalle vom Kunstexperten Professor Dr. Wolfgang Becker. Als merkwürdige, surreale Stillleben bezeichnete Becker die ausgestellten Fotos. Sie seien keine handwerkliche Meisterleistung, was Material und Farbe betreffe.

„Es sind vielmehr nur Schnappschüsse mit einem modernen Smartphone, die präsentiert werden wie klassische Fotografie in der Aufmachung einer Werkschau alter Meister.“ Zu sehen sind Aufnahmen von Eingeborenen in Papua, dem indonesischen Teil Neuguineas. Die Auflage eines jeden Werks beträgt zehn Stück.

Der Titel „BVLGVR“ ist eine humorvolle Anspielung darauf, dass Kunst nicht unbedingt reich macht: „Und so muss Karl weiter Bulgur essen“, schmunzelte Becker. Das türkische Hauptnahrungsmittel ist ein vorgekochter Weizenbrei, gerne angereichert mit Tomaten oder Paprika sowie scharfen Gewürzen. Im Ausstellungstitel wurde das U altlateinisch ersetzt durch V. Da die In-stallation den Prototyp einer fiktiven Ladenkette imaginiert, ist die Assoziation zu einem bekannten Markennamen durchaus gewünscht.

Natürlich konnten die Vernissagegäste die orientalische Weizenspeise auch nebst einem Glas Rotwein verkosten, denn der Künstler hatte eigens eine ganze Palette von Bulgur-Gläschen zubereitet. So erlebten die Gäste einen äußerst erbaulichen Kunstgenuss.

Der Künstler ist für seine ungewöhnlichen, inspirierenden Projekte weithin bekannt und beliebt: 1944 geboren als Karl H. Winter auf Burg Monschau, gründete er 1965 sein erstes Atelier in Aachen. 1980 schuf er den ersten Kunst-Automaten der Welt, 1985 war er Gründungsinitiator für den Neuen Aachener Kunstverein.

Die Raumarbeit „BVLGVR“ knüpft an Karl von Monschaus frühe Installationen an, die er zwischen 1972 und 1983 realisierte. Sie ist der Auftakt für einen Zyklus, der die globale Waren- und Konsumwelt künstlerisch thematisiert und spielerisch hinterfragt. Die Ausstellung „BVLGVR“ im Forum für Kunst und Kultur im Eurode-Bahnhof Herzogenrath, Bahnhofstraße 15, ist dienstags bis samstags von 15 bis 18 Uhr geöffnet.

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