Ausstellung beleuchtet Folgen des Ersten Weltkriegs

Von: fs
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Rundgang zur Eröffnung: Die Leiterin des heimatkundlichen Arbeitskreises, Karin Busch (l.), und Heimatvereinsvorsitzender Toni Ameis (vorne rechts) führten durch die Ausstellung. Foto: Wolfgang Sevenich

Herzogenrath. Unter dem Titel „Der Erste Weltkrieg in Kohlscheid und in der Region“ eröffnete der Heimatverein Kohlscheid in seinen Räumen in der Grundschule Kohlscheid-Mitte eine sehenswerte Ausstellung.

Die Leiterin des Heimatkundlichen Arbeitskreis, Karin Busch, erklärte, warum es zu dieser Ausstellung kam. „Kohlscheid lag im Aufmarschgebiet, wir hatten sofort ein Lazarett zur Verfügung, es gab eine Patronenhülsen-Fabrik im Ort, dazu noch vieles mehr, es gibt zahlreiche Fotos und Informationen in unserem Archiv, die wir einmal einer breiten Öffentlichkeit zeigen möchten.“

Der 2. August 1914 wurde in Kohlscheid zum ersten Mobilmachungstag erklärt. Der Landsturm wurde sofort einberufen. Ab dem 4. August zogen zwei Wochen lang endlose Kolonnen von fremden Soldaten durch Kohlscheid. Sie waren in den Bahnhöfen Kohlscheid und Herzogenrath ausgeladen worden.

Ein endloses Heer von Kavallerie, Husaren, Dragonern, Kürassieren, Artillerie und Fuhrwerken mit Material wälzte sich über die Roermonder Straße. Sie befanden sich auf dem Weg nach Aachen, um von dort über die Grenze nach Belgien zu ziehen und machten in Kohlscheid Station. Schulen und Säle wurden zu Massen-Quartieren umfunktioniert, daher wurden die Schulen geschlossen.

Von der Bevölkerung wurden die Soldaten mit Getränken, belegten Brötchen und Zigaretten versorgt. Sanitäts-Rat Dr. Ingendahl richtete zunächst bei Rehan, Weststraße 93, eine Verbandsstation für die marschierenden Soldaten ein. Sie wurden auch von Kohlscheider Sanitätern versorgt. Der Verkehr zwischen Deutschland und den neu-tralen Niederlanden wurde abgebrochen.

„Das Passieren der Grenzen war in der Folge nur mit Auslands-Pass möglich“, sagte Karin Busch bei der Eröffnung der Ausstellung. Auf der Neustraße zwischen Holz und Pannesheide wurde auf der rechten Seite ein Zaun errichtet, der gerade noch Platz für ein Fuhrwerk bot. Nach Kriegsbeginn änderte sich das Leben der Bevölkerung stark. Lebensmittelverknappung war angesagt, wegen Kohlemangel waren viele Schulen geschlossen.

Es erfolgte der Aufruf, Seife zu sparen, Glocken wurden eingeschmolzen, Gold und Silber mussten abgegeben werden. Übertageanlagen der Grube Langenberg wurden umgebaut und als Kriegsgefangenen Unterkunft benötigt. Der Winter 1917 war sehr streng, die Kleidung der Kinder armselig. Manches Kind kam hungrig zur Schule, wegen Kohlemangel waren Schulen zeitweise geschlossen.

Die Entbehrungen führten zum Beispiel zur Krätze-Epidemie. Zu Beginn des Krieges wurden in den ersten Tagen bereits Verwundete aus Belgien über Aachen und dann zum Markt transportiert, die Straßenbahn brachte sie vom Bahnhof bis zum Markt, von dort wurden sie mit Tragen bis zum Lazarett befördert. Am 15. November1918 kamen die deutschen Soldaten zurück. Gleich anschließend kam französische und belgische Besatzung. Die Belgier zogen bereits 1926 ab, die Franzosen erst 1929. Der Friedensvertrag wurde am 28. Juni 1919 im Spiegelsaal von Versailles abgeschlossen.

Das Fazit des Ersten Weltkrieges für Kohlscheid: 247 Soldaten waren entweder gefallen oder in der Nachkriegszeit an den Folgen gestorben. 94 verheiratete und 134 ledige Soldaten befanden sich beim Waffenstillstand in Gefangenschaft, 370 Kriegsbeschädigte waren zu beklagen, 94 Kriegerwitwen blieben allein, 122 Halbwaisen und 8 Vollwaisen wurden gezählt. Nach Absprache ist eine Besichtigung der Ausstellung weiter möglich.

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