Ausstellung: Beeindruckende Porträts präsentiert

Von: Margret Nußbaum
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Hülya Wetzels ist in Deutschland geboren und hat in Baesweiler längst Wurzeln geschlagen. Saniye Kol und Günter Pesler haben viele Zuwanderer interviewt und werden beim Sommerfest im Haus Setterich eine sehenswerte Ausstellung präsentieren. Foto: Margret Nußbaum
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Hülya Wetzels ist in Deutschland geboren und hat in Baesweiler längst Wurzeln geschlagen. Saniye Kol und Günter Pesler haben viele Zuwanderer interviewt und werden beim Sommerfest im Haus Setterich eine sehenswerte Ausstellung präsentieren. Foto: Margret Nußbaum

Baesweiler. Sie besuchte das Baesweiler Gymnasium und absolvierte anschließend eine Ausbildung zur Erzieherin. Das Abitur holte sie auf dem zweiten Bildungsweg am Euregio-Kolleg nach und ist mittlerweile Besitzerin einer Mode-Boutique.

Hülya Wetzels: typisches Beispiel einer Erfolgsgeschichte, die viele Zuwanderer der zweiten und dritten Generation geschrieben haben. Die tüchtige Geschäftsfrau gehört zu den Menschen, die Saniye Kol, Dipl.-Sozialpädagogin und Leiterin der Integrationsagentur des DRK im Haus Setterich, sowie der Geschäftsführer des Baesweiler Geschichtsvereins Günter Pesler interviewt und fotografiert haben.

Die Zeitzeugenberichte und Bilder sind Bestandteil einer Ausstellung beim Sommerfest des Geschichtsvereins und der Baesweiler Tafel am Samstag, 27. August, von 11 bis 17 Uhr im Haus Setterich, Emil-Mayrisch-Straße 20.

Geschichten, die fesseln, aber auch betroffen machen. Manche Leute hätten kurzfristig ihren Interview-Termin abgesagt. Die Fremdenfeindlichkeit, geschürt durch Pegida-Demonstrationen, habe sie ängstlich gemacht, erklärt Saniye Kol. Migration sei alles andere als eine Zeiterscheinung des 21. Jahrhunderts, hat Günter Pesler recherchiert. Er verweist auf die Vielzahl von Heimatvertriebenen und Kriegsflüchtlingen, die nach dem Zweiten Weltkrieg zu uns kamen.

Arnold Beer, Jahrgang 1937, stammt aus Niederschlesien, das damals zum Deutschen Reich gehörte. Das Leben der Familie änderte sich schlagartig, als das Gebiet unter polnische Verwaltung gestellt wurde.

„Wir waren deren Willkür völlig ausgeliefert“, erinnert sich Arnold Beer im Interview und erzählt ein Beispiel: „Ich schob mein Fahrrad die Straße entlang. Einige deutsche Freunde begleiteten mich. Da kamen polnische Militärpolizisten, schlugen uns mit Gummiknüppeln nieder, warfen mein Rad auf die Straße und fuhren mehrfach mit ihrem Militärjeep darüber. Dann forderten sie uns auf, nie wieder Deutsch zu sprechen.“

Ende der 1950-er Jahre gelang Arnold Beer die Flucht. Er landete im Aachener Revier. Doch die unschönen Erinnerungen an Polen holten ihn auch hier ein: „Die Menschen auf der Arbeit ließen mich spüren, das ich aus dem Osten kam und nannten mich Polacke.“

Obwohl es ihm in seiner polnischen Heimat nicht leicht gemacht wurde, fühlt Arnold Beer sich ihr immer noch verbunden: „Ich kann meine kulturelle Identität nicht einfach abstreifen.“ Die Mehrzahl der von Saniye Kol und Günter Pesler befragten Zuwanderer pendeln mittlerweile zwischen ihren beiden Heimatländern.

Ein typisches Beispiel: Fatma Eker, geboren 1949 in der Türkei, kam im Alter von 25 Jahren nach Deutschland und lebt seitdem in Setterich. „Wir hofften, hier in wenigen Jahren so viel Geld zu verdienen, dass es für ein Haus in der Türkei und einen Traktor reichen würde. Gern hätten wir dort Land bewirtschaftet“, erzählt sie.

Doch es kam anders. Ihr Mann starb nach schwerer Krankheit. Dass sie kaum Deutsch spricht, bedauert Fatma Eker zutiefst. Deshalb ist es ihr umso wichtiger, dass ihre Kinder und Enkel die deutsche Sprache erlernen. Sechs Monate verbringt sie in Baesweiler bei ihren Kindern und Enkeln, und im Sommerhalbjahr übersiedelt sie in die Türkei. Hülya Wetzels verleugnet ihre türkischen Wurzeln keineswegs. „Doch Deutschland ist meine Heimat. Hier habe ich Wurzeln geschlagen“, sagt sie.

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