Eschweiler - Ausflug mit dem Hobby-Ornithologen: Welch ein Singen, Pfeife, Tirilieren

Ausflug mit dem Hobby-Ornithologen: Welch ein Singen, Pfeife, Tirilieren

Von: Doris Kinkel-Schlachter
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Durchs Fernglas: Mehr Ausrüstung braucht es nicht, um Vögel zu beobachten. Foto: Doris Kinkel-Schlachter
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Peter Robertz ist Hobby-Ornithologe. Den Hörstift hat er heute nur ausnahmsweise dabei.

Eschweiler. Konzert im Wald: Einzig der Dirigent fehlt. Ein heilloses Durcheinander, Zwitschern, Pfeifen, Trillern – helle, laute, spitze, melodische Töne. Der Frühling singt, und es hört sich wunderschön an. Alle Vögel sind schon da, na ja, fast, weiß Peter Robertz.

Er spielt heute für uns den Dirigenten, oder besser gesagt, den Übersetzer – und sagt, warum die Vögel überhaupt trällern, und wie auch ein Laie sie auseinanderhalten kann.

Obwohl sich der 65-Jährige mit seiner Frau Rita schon seit über drei Jahrzehnten mit der Vogelkunde beschäftigt, kommt er immer wieder ins Staunen. „Da meldet sich die Kohlmeise, sie singt, wie ein Glöckchen klingt“, ist der Hobby-Ornithologe entzückt. Kurz danach trommelt der Buntspecht, die Rotkehlchen sind eifrig, stecken ihre Reviere ab und beeindrucken die Weibchen.

„Das sind die Hauptgründe für den Gesang: Revier und Weibchen“, sagt Peter Robertz. Schon ein bisschen so wie beim Menschen, zwar singen die Herren der Schöpfung nicht um die Wette für ihre Angebetete, doch je besser Mann etwas kann, desto größer sind seine Chancen beim anderen Geschlecht. Die Kommunikation finde über Kontaktrufe statt. Hört man ein „tick-ick-ick-ick“, als würde eine Uhr aufgezogen, oder ein warnendes „tsiiih“, warnt das Rotkehlchen wahrscheinlich vor einem Räuber – schnell abhauen heißt es dann vor allem für die kleineren Piepmätze.

Seit Ende Januar ist der Gesang der ersten Arten zu vernehmen. Beinahe täglich kommen in der Buschmühle neue gefiederte Freunde zum Orchester dazu, kehren die Vögel aus ihrem Winterquartier zurück in heimische Gefilde. „Das geht noch bis Mai so, und Ende Juli hauen die ersten wieder ab in den Süden“, weiß der pensionierte Lehrer.

Bis zu 150 unterschiedliche Vogelarten tummeln sich in unserer Region, und die meisten davon können Rita und Peter Robertz am Gesang, Rufen oder Trommeln erkennen. „Anfangs sind wir natürlich auch durcheinander gekommen, das ist für einen Anfänger schwer. Aber dann pickt man sich eben zunächst drei bis vier heraus und baut mit und mit auf“, erklärt der Vogelkundler. Dieses Mal hat er ein Buch mit Hörstift dabei, um die Vogelstimmen noch ein Stückchen näher zu holen.

„Eine Klangattrappe nehmen wir normalerweise nicht mit, das stört die Vögel. Nur zum Kartieren haben wir sie dabei, zum Beispiel des sehr selten gewordenen Steinkauzes“, erklärt Robertz. Einzige Ausrüstung zur Vogelerkundung ist das Fernglas. Die vorbeiziehenden Nilgänse erkennt man mit bloßem Auge, den Zaunkönig dagegen nur mit starker Vergrößerung. Er ist einer der kleinsten unter den Singvögeln, schmettern kann er dafür umso lauter. Noch kleiner ist nur noch das Sommergoldhähnchen. „Mit dem Korken an einer Weinflasche schrabbeln, daran erkennt man den Gesang des Rotkehlchens“, gibt der Vogelexperte das Wissen seines „Ornithologen-Vaters“ Gerhard Moll weiter.

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