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Auseinandersetzung eskaliert: 19-Jähriger schwer verletzt

Von: Beatrix Oprée
Letzte Aktualisierung:
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Die Wunde über dem Auge ist genäht: Heute muss Benjamin B. wieder ins Klinikum. Zwei Metallplatten werden ihm eingesetzt, um Brüche der Gesichtsknochen zu stabilisieren. Foto: Beatrix Oprée

Alsdorf. „So eine eiskalte Brutalität habe ich noch nie erlebt! Mir war richtig übel danach ...“ Die Augenzeugin (Name der Redaktion bekannt) ist noch immer erschüttert, als sie unserer Zeitung schildert, was sie am Montagmorgen kurz nach 8 Uhr auf ihrem Weg zur Arbeit auf der Pestalozzistraße zu sehen bekam.

„Das war nicht einfach eine Rangelei unter Jugendlichen, sondern Brutalität ohne Ende: Ein Junge lag auf dem Boden, ein anderer hielt ihn fest und ein Dritter schlug mit voller Wucht auf ihn ein!“ Bevor die Zeugin den Tatort erreichte, sah sie, dass auch schon eine andere Frau und zwei Mitarbeiter der Müllabfuhr auf das Geschehen aufmerksam geworden waren, beherzt einschritten und die Kontrahenten trennten.

„Willst Du Stress?“

Benjamin B. (19) war der Junge, der auf dem Boden gelegen hatte. Er flüchtete sich blutverschmiert in einen nahe gelegenen Kiosk. Gleich mehrere Zeugen alarmierten die Polizei. Und den Rettungsdienst, der den Schwerverletzten schließlich ins Klinikum brachte, wo seine Verletzungen behandelt wurden. Neben einer Platzwunde über dem Auge diagnostizierten die Ärzte Brüche des Joch- und des Nasenbeins. Am Donnerstag wird Benjamin operiert, es werden ihm zur Fixierung zwei Metallplatten eingesetzt.

Wie es zu der Auseinandersetzung gekommen ist? Seine Freundin habe er zur Schule gebracht, berichtet Benjamin. Und da sei man auf seine Ex-Freundin gestoßen. Einen Wortwechsel habe es gegeben. Plötzlich habe sich der 17-jährige A. dazu gesellt.

„Willst Du Stress?“, habe der gefragt. Benjamin habe dies verneint, auch mit Verweis darauf, keine Zeit zu haben. A. habe ihn dann aufgefordert, das Ganze an anderer Stelle zu „klären“. Warum er darauf einging, weiß Benjamin im Nachhinein selbst nicht mehr. „Ich dachte halt, wir reden in Ruhe über alles“, sagt er, „ein fataler Fehler“. A. habe ihn nämlich hinter eine Mauer gezogen, am Kragen gepackt und die Faust zum Schlag erhoben.

Benjamin habe daraufhin sein Pfefferspray gezückt und deutlich angekündigt, dies auch zu benutzen. Aber A. habe trotzdem zugeschlagen. Mit den Worten „Ich hab‘ Dich gewarnt“, habe Benjamin ihm das Reizgas in die Augen gesprüht. A. habe schreiend die Flucht ergriffen. Benjamin sei zu seiner Freundin zurückgekehrt, um sich zu verabschieden.

Der Schulgong sei zu hören gewesen, und plötzlich sei alles ganz schnell gegangen: „Da ist er“, habe jemand gerufen, erinnert sich Benjamin. A. und dessen mittlerweile in Kenntnis gesetzter Bruder seien auf ihn zugestürmt, um ihn nochmals zu fordern. „Ich habe keine Zeit für diesen Mist“, habe Benjamin noch gesagt, „ich muss zur Arbeit!“ Doch die erregten Brüder hätten nicht locker gelassen.

Benjamin trat die Flucht an. Rund 100 Meter weiter, in Höhe der Eichendorffstraße, hatten ihn seine Verfolger eingeholt. Benjamin habe wiederum sein Pfefferspray benutzt. Doch die Brüder hätten ihn gepackt, im Gerangel sei man zu Boden gestürzt. Wie weitere Zeugen aussagten, sei Benjamin dann mit Faustschlägen und Fußtritten malträtiert worden.

Dass es vor der Schule zu einer verbalen Auseinandersetzung gekommen sei, im Zuge derer Pfefferspray verwendet wurde, dass ein älterer Bruder hinzugekommen sei, weiter Pfefferspray versprüht wurde, es eine Schlägerei gab, bei der ein Geschädigter geschlagen und getreten wurde – so zusammengefasst liest sich der Vorfall später im Polizeiprotokoll.

Beide Parteien haben Anzeige erstattet. Auseinandersetzungen wie diese ziehen oft eine mühevolle Beweisführung nach sich, sagt auch Polizeisprecher Paul Kemen. Eine Vielzahl an Zeugen wird zu hören sein. Wer Hinweise geben könne, soll sich bei der Polizei in Alsdorf melden.

So habe etwa hinter dem Müllwagen eine Autoschlange gestanden, erinnert sich Benjamin. Vielleicht habe ja einer der Pkw-Fahrer etwas beobachtet?

Ihm und auch seinem Vater, der auf Facebook bereits einen Suchaufruf gestartet hat, ist wichtig, festzustellen, dass das Pfefferspray erst benutzt worden sei, nachdem der Kontrahent die Faust erhoben hatte. „Dafür haben sich mittlerweile schon mehrere Zeugen gemeldet“, sagt der Vater. Warum Benjamin überhaupt ein solches Spray bei sich hatte? „Weil ich in Alsdorf schon einmal bedroht worden bin.“

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