Ausbildung: Der Mensch ist wichtig, nicht sein Zeugnis

Von: Lars Odenkirchen
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Sichtlich motiviert: Mit viel Elan macht sich Denny Geilen (r.) an die Arbeit. Sein Meister Jürgen Kress (2.v.r.) und die übrigen Besucher schauen dabei aufmerksam zu. Foto: Lars Odenkirchen

Würselen. In den Augen von Georg Lompa wäre es wohl nicht das Schlechteste, wenn sich mehr Unternehmer ein Vorbild an Jürgen Kress nähmen. Schon seit Anfang dieses Jahres stehen der Vorsitzende der Würselener Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung (MIT) der CDU, Heide Schäfers, die Stadtverbandsvorsitzende der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA) und der Kfz-Elektrik-Meister Jürgen Kress miteinander in Kontakt.

Lompa und Schäfers interessierten sich vor allem für das vorbildliche soziale Engagement des Unternehmers. Nun nutzten sie einige personelle Veränderungen in Kress Betrieb, um der Werkstatt noch einmal einen Besuch abzustatten.

Dabei erwartete die beiden Besucher, die zudem noch Marita Krauthausen von der CDA mitgebracht hatten, ein neues Gesicht: Das von Denny Geilen, der in Kress Betrieb ein Einstiegsqualifizierungsjahr absolviert und danach dort seine Ausbildung beginnen wird.

„Nach dem ersten Treffen haben wir gemeinsam überlegt, wie wir die Arbeit von Herrn Kress unterstützen können”, meinte Lompa. Heide Schäfers baute schließlich den Kontakt zur Arge auf, die sich wiederum schnell an Jürgen Kress wendete. Kress sprach schließlich mit den Arge-Mitarbeitern über den zu dieser Zeit arbeitssuchenden Denny Geilen und beschloss, dem 17-Jährigen eine Chance zu geben - eine Entscheidung, die er nicht bereut hat.

„Bei uns war gerade eine Stelle frei geworden, weil unser Azubi nicht gut ins Team passte und weg wollte. Die Chemie stimmte einfach nicht”, erzählt Kress. Einfach auf die Straße gesetzt wurde der junge Mann aber nicht - Kress baute den Kontakt zu einem anderen Kfz-Betrieb auf, dort setzt der ehemalige Mitarbeiter nun seine Ausbildung fort.

Ein anderer Bewerber, der bei Kress ein Praktikum absolvierte, kam mit Autos nicht gut zurecht. „Er hatte Probleme einen Reifen zu wechseln, war aber dafür sehr interessiert an gärtnerischen Tätigkeiten. Er hatte Lust, unsere Beete zu verschönern”, meint Kress.

Die Schlussfolgerung war für den engagierten Unternehmer einfach: Er selbst bot dem jungen Mann keine Lehrstelle an, vermittelte ihn aber an einen Gärtnereibetrieb, wo der potentielle Azubi seine Talente nun dank Kress Engagement besser ausleben kann. Für den Meister ist dieser Einsatz selbstverständlich: „Kontakte hat doch jeder. Mit ein paar Minuten kann man da schon viel bewegen. Das tut keinem weh.”

Von der frei gewordenen Stelle profitierte schließlich Denny Geilen, der mit seinem Lebenslauf einige Probleme bei der Ausbildungsplatzsuche hatte. „Nach meinem Hauptschulabschluss habe ich meinen 10b Abschluss nicht geschafft und die berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen abgebrochen.” Davon wollte Kress bei Geilens Einstellung allerdings nichts wissen. „Ich will erst den Menschen kennenlernen, danach seine Geschichte. Ich habe Denny hier zum Praktikum angenommen und ihm gesagt, dass ich auch sein Zeugnis gar nicht sehen will.” Darüber war der 17-Jährige froh, „denn in Mathe stand ich nicht gerade 3.”

Andere Betriebe winkten wegen des schlechten Zeugnisses ab, doch Kress wollte sich lieber von den praktischen Qualitäten des Hauptschülers ein Bild machen. „Ich mache mir selbst einen Eindruck. Wenn die Chemie stimmt, erklären die Leute dann ganz von allein, was bisher in ihrem Leben nicht so gut gelaufen ist.” Die besseren Schulnoten, da ist Kress sicher, kommen von ganz allein: „Das sieht man schon in Mathe. Wer weiß, dass man Mathe braucht, um Dinge am Auto zu berechnen, geht mit einer ganz anderen Motivation an die Sache ran. Man muss wissen, warum man es lernt.”

Georg Lompa imponiert diese Haltung: „Ureigenstes Interesse der Unternehmer ist die Gewinnung von Nachwuchskräften, wobei sehr oft nur nach dem so genannten perfekten Bewerber Ausschau gehalten wird. Herr Kress geht einen gänzlich anderen Weg, indem er nicht nach solchen scheinbaren Juwelen Ausschau hält, sondern nach Rohdiamanten, aus denen sich etwas machen lässt.”

Der neue Azubi selbst hat jedenfalls schon verinnerlicht, worauf es ankommt: „Ich weiß jetzt, dass ich in der Berufsschule nicht fehlen darf, damit leg´ ich mich nur selbst rein.” Dass er mit seinen neuen Kollegen und seinem „lockeren Chef” glänzend klarkommt, tut da sein Übriges: „Meine Familie war natürlich froh, und auch bei den Freunden kam die Lehrstelle gut an. Man sieht: Es läuft!”
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