Aus Streichhölzern wird Kaminbesteck

Von: Anja Klingbeil
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Der Blick ins Puppenhaus ist wie der Blick in eine andere Welt: Das fasziniert Rosemarie Sieber immer wieder aufs Neue. Foto: Anja Klingbeil

Herzogenrath. Verrückt? Vielleicht ein wenig. Detailverliebt? Auf alle Fälle! „Ich werde schon ab und an komisch angesehen, als wenn ich schon verkalkt wäre, nur weil ich Puppenhäuser baue”, sagt Wilma Milion. Aber dass einige Leute sie für ein wenig exzentrisch halten, damit kann sie ganz gut leben.

Gemeinsam mit Rosemarie Siebert und deren Schwiegertochter Christiane Siebert hat es die gebürtige Niederländerin immerhin geschafft, eine Ausstellung rund um ihr außergewöhnliches Hobby auf Burg Rode auf die Beine zu stellen.

Die kleinen Miniaturwelten sind ein Fundus an pfiffigen Ideen. Improvisiert. Sicher. Aber das macht den Charme der Kreationen aus. „Wir arbeiten mit ganz günstigen Mitteln. Machen das meiste selber”, erzählt Rosemarie Siebert.

Leere Toilettenpapierrollen etwa: Die eignen sich wunderbar, um daraus kleine Stühle, Schränke oder Sofas zu machen. Hübsch bezogen mit einem rosa Blütenstoff, wird so aus einer einfachen Papprolle ein kleines Kunstwerk im viktorianischen Stil.

Jede Szene hat eine Geschichte

„Aus Streichhölzern lässt sich das schönste Kaminbesteck entwerfen”, sagt Wilma Milion. Und zu jeder ihren Puppenstuben hat Wilma Milion eine kleine Geschichte zu erzählen: „Das hier ist zum Beispiel ein altes Klassenzimmer.

Da sitzen reiche und arme Kinder gemeinsam in dem Raum. Und der Peter, der ist in die Lehrerin verliebt.” In diesem Fall haben Puppen - die sind ausnahmsweise gekauft - auf den Bänken Platz genommen. „Ich mag die Häuser eigentlich lieber ohne Puppen, weil sie von den ganzen Details und Kleinigkeiten ablenken”, sagt Wilma Milion.

Der Details gibt es jede Menge. Aus einem einfach weißen Schraubdeckel einer Wasserflasche hat Wilma Milion eine Vogeltränke im Mini-Format gezaubert.

Darauf hat sich eine kleine weiße Taube niedergelassen, die gerade ihren Durst stillt. Eingebettet ist diese idyllische Gartenszene im Übrigen nicht in einem der vielen Puppenhäuser, die sich in Wilma Milions Haus finden, sondern in einer aussortierten blechernen Keksdose.

„Ich finde, wenn man dann den Deckel aufmacht, ist das immer ein Aha-Erlebnis”, freut sich Wilma Milion. Alles ist im Maßstab 1:12 hergestellt. Für die winzigen Details arbeiten die Hobbykünstlerinnen nicht selten mit einer Lupe. „Das Beste an den Puppenhäusern ist, dass wir wirklich alles selber machen”, da sind sich Wilma Milion und Rosemarie Siebert einig.

Ein antiker Reisekoffer, in dem sich ein komplettes Puppenhaus verbirgt, ist der ganze Stolz von Rosemarie Siebert. „Ich habe vom Keller bis zum Speicher alles voll gestellt mit Puppenhäusern und kleineren szenischen Darstellungen”, erzählt sie.

Dabei hat alles ganz harmlos angefangen: Vor 20 Jahre hat ihre jüngste Tochter ihr eine Puppenstube gebaut. Dann hat Rosemarie Siebert damit begonnen, Möbel dafür anzufertigen.

„Wenn man einmal damit anfängt, macht das schon ein wenig süchtig. Man kommt nicht mehr davon los”, sagt Rosemarie Siebert. Doch damit nicht genug: Sie fertigt auch noch selber Puppen an und näht Teddybären nach eigenen Entwürfen.

Mehrere Stunden am Abend sitzen die Damen an ihrem Arbeitsplatz, die Dekupiersäge eingeschaltet, um Holz zu schneiden. Denn mittlerweile werden nicht nur die Möbel selbst hergestellt. Auch die Häuser an sich werden in Eigenarbeit entworfen.

„Wir schauen halt abends einfach kein Fernsehen, sondern basteln an unseren Puppenhäusern. Das ist doch auch nichts anderes, als die Männer, die mit ihren Eisenbahnen spielen”, sagt Wilma Milion. Und ihre handwerklichen Fähigkeiten, die sie sich mittlerweile angeeignet hat, kann sie sonst auch gut gebrauchen: „Ich habe drei Männer im Haus, aber wenn irgendwas repariert werden muss, dann bin ich an der Reihe.”
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