Alsdorf - Aus Schachtelsätzen und Schellack werden Bilder

Aus Schachtelsätzen und Schellack werden Bilder

Von: Daniel Gerhards
Letzte Aktualisierung:
Künstler und Werk: Inspiratio
Künstler und Werk: Inspiration für seine Bilder zieht Erich Krian bevorzugt aus Büchern von António Lobo Antunes. Foto: Daniel Gerhards

Alsdorf. Hochklassige Kunstwerke und tiefe Einblicke in den Arbeitsprozess des Dortmunder Künstlers Erich Krian gab es jüngst bei der Vernissage der Ausstellung „Das Kiemenflimmern dieser Sätze”.

Der Alsdorfer Kunstverein zeigt Werke des Malers bis Freitag, 18. November, in der Galerie der Stadtbücherei.

Zur Einführung in die Ausstellung haben Angela Silberberg-Schön, Leiterin der Stadtbücherei, und Franz-Josef Kochs, Vorsitzender des Alsdorfer Kunstvereins, kurze Textpassagen des portugiesischen Schriftstellers António Lobo Antunes vorgelesen. Viele seiner Bildtitel stellt Krian aus Satzfragmenten zusammen, die in Antunes Büchern vorkommen. Krian bezeichnet diese Satzpassagen als „entliehene Momente”, die er seinen bildlichen Äußerungen hinzufüge.

Erstmal durchblicken

Um sich etwas bei Antunes zu leihen, müsse man allerdings erstmal durchblicken. „Der Autor bildet lange, verschachtelte Sätze, die die Handlung nicht voranbringen, aber voller Stimmung und Atmosphäre sind”, sagte Silberberg-Schön. Sie bezeichnete die teils sechs bis sieben Seiten langen Sätze als „verschachtelte Impressionen”. Freilich kann der Künstler angesichts einer solchen Textstruktur nur Fragmente aus dem Zusammenhang reißen. „Ich lasse den Zusammenhang des Buches außen vor. Mich interessiert das Jonglieren mit der Sprache”, sagte Krian. Die Stellen, die er als Titel für seine Bilder benutze, habe er „irgendwann mal beim Lesen unterstrichen. Einen Sinn ergeben sie allerdings erst gemeinsam mit dem Bild. Dann entsteht eine Ganzheit, die so stehenbleiben kann.” Kochs stellte fest, dass die „Textteile durch das Herausnehmen noch surrealer werden, als sie ohnehin schon sind”.

Zur Einführung berichtete Kochs von seinen Gedanken zur Ausstellung: Der Titel „Das Kiemenflimmern diese Sätze” birgt für ihn einen starken Gegensatz. „Auf der einen Seite ist da der erahnte Eindruck des Flimmerns. Dem steht das feststehende Faktum des Satzes gegenüber.” Kochs interpretierte es so, dass es dem Maler um den Ausdruck innerer Befindlichkeiten und Gefühle gehe. Das erklärte Krian selbst sachlicher. Er beschrieb, dass er beim Arbeiten stets eine emotionale und eine rationale Seite erkenne. Das Rationale diene dabei immer dazu, dass Emotionale zu überprüfen. Krian verwendet beim Arbeiten unter anderem Unterbodenschutz, Schellack und Ölspachtel. „Das sind keine prädestinierten Künstlermaterialien”, erklärte Krian. „Aber es sind Materialien.”
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