Aus dem Ruhestand zurück an den Altar

Von: Annika Kasties
Letzte Aktualisierung:
9834311.jpg
Entspannung im Garten: Seit September hat Pfarrer Paul Schnapp weniger Zeit für die ruhigen Stunden im Grünen. Den Rückzug vom Ruhestand bereut der 68-Jährige dennoch nicht. Foto: Annika Kasties

Alsdorf. So ganz leicht sei ihm die Entscheidung nicht gefallen. „Ehrlich gesagt, habe ich am Anfang etwas gezögert“, gesteht Pfarrer Paul Schnapp. Nach nur zwei Jahren Arbeitspause hat Schnapp seinem wohlverdienten Ruhestand den Rücken gekehrt. Auslöser war die personelle Notlage in der evangelischen Kirchengemeinde Alsdorf.

Denn mit dem Wechsel von Pfarrer Ulrich Eichenberg als Seelsorger in die Justizvollzugsanstalt Aachen zum Jahresanfang wäre der Gemeinde nur noch eine halbe Pfarrstelle geblieben. Zu wenig, um die Gemeindearbeit aufrechtzuerhalten.

Kein Beginn bei Adam und Eva

Abhilfe schafft nun der 68-jährige Schnapp. Seit September unterstützt er mit einer Drittel-Stelle Pfarrerin Elisabeth Peltner in Alsdorf. Bereut habe er seinen Rückzug vom Ruhestand bisher nicht. Nur die regelmäßigen Theaterbesuche, für die er in den vergangenen zwei Jahren endlich Zeit gefunden habe, die vermisse er schon.

Komplett neu war das Alsdorfer Gemeindeleben für Schnapp, der bis zu seinem Ruhestand Anfang 2012 als Krankenhaus- und Altenheimseelsorger in Düsseldorf tätig war, nicht. Da er von 1983 bis 1996 eine Pfarrstelle in der Nachbargemeinde Hoengen-Broichweiden inne hatte, konnte er auf einem reichen Erfahrungsschatz aufbauen. „Ich kannte die Verhältnisse ganz gut und musste so nicht bei Adam und Eva anfangen. Nur die Straßennamen, die musste ich wieder neu suchen“, lacht der zweifache Vater und bald fünffache Opa.

Bei all dem positiven Charisma, das der Alsdorfer Pfarrer ausstrahlt, ist ihm der ernste Hintergrund seiner erneut aufgenommenen Pfarrers-Tätigkeit deutlich bewusst. Während seiner Zeit in Düsseldorf begleitete er schon einmal eine Gemeinde, die aufgrund finanzieller Schwierigkeiten zwei von drei Kirchen schließen musste. Auch aus dieser Erfahrung schöpfte der Theologe die Motivation, in Alsdorf auszuhelfen. „Bei meiner Entscheidung spielte ein Stück Dankbarkeit dafür mit, dass wir das damals in Düsseldorf so gut geschafft haben. Und die Erkenntnis, dass man die Alsdorfer in ihrem Trauerprozess nach zwei geschlossenen Kirchen und dem Verlust von Pfarrer Ulrich Eichenberg nicht alleine lassen kann.“

Engagement zeitlich begrenzt

Schnapps Aufgabenbereich konzentriert sich vor allem auf die Trauerarbeit und die Ökumene. Jeden zweiten Samstag leitet er das Trauercafé im Luthersaal unter der Martin-Luther-Kirche. Auch der Kontakt zur katholischen Kirche sei für ihn immer schon ein persönliches Anliegen gewesen. Darüber hinaus besucht Schnapp alle Gemeindemitglieder, die älter als 85 Jahre alt sind, anlässlich ihres Geburtstages. „Den älteren Gemeindemitgliedern ist es leider oft nicht mehr möglich, selbst den Gottesdienst aufzusuchen“, erklärt der Pfarrer.

Seine Erfahrungen in Alsdorf seien bisher durchweg positiv gewesen. „Die Gemeinde ist wirklich unglaublich dankbar. Ich werde überall freundlich aufgenommen. Das ist sehr schön“, betont der Pfarrer.

Auch wenn ihm die Arbeit weiterhin Spaß mache und es ihm gesundheitlich gut gehe, hat Schnapp sein außerplanmäßiges Engagement in Alsdorf zeitlich begrenzt. Spätestens Ende 2016 soll Schluss sein. Dann wäre er 70 Jahre alt – Zeit, den Ruhestand dauerhaft zu genießen. Und wieder regelmäßig ins Theater zu gehen.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert