Würselen - Aus dem Helfer wird ein Opfer

Aus dem Helfer wird ein Opfer

Von: Isabelle Hennes
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Jemand, der aufgrund seiner Gr
Jemand, der aufgrund seiner Größe und Statur respekteinflößend wirkt. Heinz-Erich Thoma, Glasermeister aus Würselen, der im vergangenen Jahr auf einer Raststätte zusammengeschlagen wurde. Foto: Hennes

Würselen. Heinz-Erich Thoma ist eigentlich nicht der Typ, mit dem man sich anlegt. Er ist 1,95 Meter groß und bringt 110 Kilogramm auf die Waage. Der 49-Jährige ist Glasermeister und gebürtiger Würselener.

Im vergangenen Jahr musste er die Erfahrung machen, dass sein Erscheinungsbild nicht auf alle Menschen respekteinflößend wirkt. Auf einer Autobahnraststätte in Hamm-Ryhnern wollte er Zivilcourage zeigen: Er schritt in einen Streit ein, bei dem zwei Männer einen dritten schlugen und verfolgten. Mit fatalen Folgen.

Es ist der 8. Mai 2010, als Thoma gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin auf dem Weg zu einem Kundentreffen ist. Auf der Autobahn 2 bei Hamm blinkt in seinem Wagen die Reifendruckanzeige. Sie beschließen, an einer Raststätte anzuhalten und den Druck zu kontrollieren. Seine Lebensgefährtin geht in den kleinen Supermarkt, um Getränke und Eis zu kaufen. Nach der Reifenkontrolle beschließt Thoma, ihr nachzugehen.

Aus dem Raststättengebäude kommt ihm durch die Glastür ein Mann in geduckter Haltung entgegengelaufen, der von zwei anderen Männern verfolgt und beschimpft wird. Als die Männer handgreiflich werden wollen, geht Thoma dazwischen. Aus zehn Metern Entfernung fragt er die Angreifer, ob das Problem nicht verbal zu klären sei. Die Reaktion der Männer kommt prompt: Sie lassen von ihrem Opfer ab, richten ihre Aufmerksamkeit auf Thoma. „Da fielen nur provozierende Halbsätze wie ,Was willst du denn, und schon schlugen sie auf mich ein”, erinnert er sich. Es dauert nicht lange, und Thoma ist von einer Gruppe umgeben, die auf ihn eintritt - auch, als er schon hilflos auf dem Boden liegt. Offenbar sind die beiden Täter nicht alleine unterwegs. „Ich hatte Todesangst. Ich kann mich nur noch daran erinnern, dass viele unterschiedliche Schuhe auf mich eingetreten haben.” Unter den Schuhen habe er nicht nur Männer-, sondern auch Kinder- und Frauenschuhe erkennen können. „Von neun bis 60 Jahre müssen alle aus dieser Gruppe auf mich eingetreten haben.”

Seine Lebensgefährtin kommt ihm zur Hilfe und benutzt die gerade gekaufte Plastikwasserflasche, um ihn zu verteidigen. Die Täter halten einen Moment inne. Die Chance nutzen Thoma und seine Partnerin und suchen Schutz im Raststättengebäude. Der Tankwart, der die Szene beobachtet hatte, verschließt die Tür von innen und ruft die Polizei. Die Täter flüchten nicht, sondern warten, bis die Polizei eintrifft. Die Beamten nehmen ihre Personalien auf.

Thoma hat eine Gehirnerschütterung, Prellungen und eine Platzwunde. „Im Krankenhaus ist festgestellt worden, dass ich Schuhcreme am Kopf hatte von den Tritten”, erzählt er. Seine positive Einstellung zum Leben hat er trotz der schockierenden Erfahrung behalten. Worüber er aber vor allem enttäuscht ist, ist das Vorgehen der Justiz.

Die Anklage lautet gemeinschaftliche schwere Körperverletzung gegen zwei Personen. Thoma war eine Woche arbeitsunfähig und hatte Kosten in Höhe von 3700 Euro. Erst im vergangenen Monat - 18 Monate nach dem Vorfall - hat der Prozess begonnen. Beim ersten Verhandlungstermin am 21. November fehlten zwei Zeugen unentschuldigt. Nun ist die Verhandlung vertagt worden. „Das eigentlich Schlimme ist doch, dass das so lange dauert”, sagt Thoma. Er habe selbst die Initiative ergriffen und sich an die zuständige Oberstaatsanwaltschaft Dortmund gewandt - ohne eine Beschleunigung des Verfahrens zu bewirken. Hoffnung hat er dennoch: „Ich denke, dass ich im Dezember noch etwas hören werde.”

Vor einigen Wochen inszenierte das Jugendamt Alsdorf eine Schlägerei zwischen Jugendlichen, um für Zivilcourage zu werben. Davon hält Thoma wenig. „Natürlich gibt es zu wenig Zivilcourage”, sagt er. Die Polizei müsse mehr Präsenz zeigen, meint er. Aufgrund der gemachten Erfahrung rät er heute jedem, sich in Sicherheit zu bringen und Hilfe zu rufen, anstatt einzugreifen.
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