Baesweiler/Übach-Palenberg - Aufzeichnungen des damaligen Baesweiler Amtsmanns faszinieren

Aufzeichnungen des damaligen Baesweiler Amtsmanns faszinieren

Von: Markus Bienwald
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Spaß beim Lesen: Auch Ubach-Palenbergs Bürgermeister Paul Schmitz-Kröll (l.), der sich samt den Mitarbeitern im Rathaus für die Veröffentlichung des neuen Buches von Reinhold Esser (r.) einsetzt, freut sich über ein weiteres Stück Orts- und Zeitgeschichte. Foto: Markus Bienwald

Baesweiler/Übach-Palenberg. Mehr als nur bewegt war die Geschichte um die Wende zum 20. Jahrhundert bis knapp in die 1950er Jahre hinein. Kaiserzeit, die Weimarer Republik, das Dritte Reich, zwei Weltkriege, eine Weltwirtschaftskrise, Niedergang des Deutschen Reiches, Inflation und noch viel mehr fällt in die Zeit von 1883 bis 1944.

Genau dieses Zeitgeschehen hat der damalige Rentmeister Wilhelm Engelen auf 552 akribisch geführten handschriftlichen Seiten verewigt.

Einen kleinen Blick in die Aufzeichnungen des damaligen Amtmannes der früheren Bürgermeisterei Baesweiler gab es schon 1998. Damals warf der begeisterte Stadtgeschichtler Reinhold Esser sein Augenmerk auf knapp ein Fünftel des Textes. 2008 griff er die Idee wieder auf, nun aber mit dem Ziel, den Gesamttext erstmals gedruckt zu veröffentlichen.

Bei der Neufassung wurden vom Verfasser und seinen Mitarbeitern der Stadtverwaltung Übach-Palenberg verschiedene Begriffe, Lokalitäten und anderes zum besseren Verständnis erläutert. Nicht verlorengegangen ist auch Engelens Ausdrucksweise, seine Satzgestaltung, die in einer gepflegten, nuancierten Sprache mündete.

„Erstaunlich ist, wie aktuell, spannend und manchmal amüsant einem manches erscheint, was vor so langer Zeit niedergeschrieben wurde”, freut sich Reinhold Esser. Doch nicht nur Lokalkolorit stand im Mittelpunkt des Interesses. „Denn dieses ortsgeschichtlich relevante Quellenmaterial darf nicht der Öffentlichkeit vorenthalten bleiben”, unterstreicht der Herausgeber.

Bodenfunde und Rittertum

Durch die damaligen Strukturen der Bürgermeisterei Baesweiler sind die Ausführungen Wilhelm Engelens, der am 3. Dezember 1859 in Geilenkirchen geboren wurde und am 28. April 1949 starb, auch für die Städte Baesweiler und Geilenkirchen sehr interessant.

Und auch die Vielzahl an behandelten Themen ist, neben der beeindruckenden zeitlichen Spanne, großartig: Bodenfunde, Ortsnamen, Rittersitze, die Thorner Zeit, Übach unter der Grundherrschaft der Äbtissin, Bockreiter, die Franzosenzeit, das Geschäftsleben oder auch die Presse in Übach seien nur exemplarisch genannt.

In Archiven gewühlt

„Längere Kapitel sind der Synagogengemeinde Geilenkirchen-Heinsberg-Erkelenz gewidmet, weil Engelen sechs Jahrzehnte lang auch Schriftführer dieser Gemeinde war”, ergänzt der Autor.

Natürlich beleuchtet die Zeitreise auf 349 Druckseiten in einem Anhang mit 42 historischen Bildern auch verschiedene Persönlichkeiten des Orts- und Zeitgeschehens.

Die lange Arbeit des Rentmeisters Engelen untersuchte Reinhold Esser aber nicht nur mit der Lupe in der Hand über den Dokumenten in Sütterlin-Schrift.

Der Historiker, Jahrgang 1933, lernte den Originalautor auch noch zu dessen Lebzeiten kennen. „Er war eine echte Respektsperson”, blickt Esser zurück, „da konnten Kinder schon mal Angst kriegen.”

Doch die Arbeit, die Wilhelm Engelen auch in deutsche und niederländische Archive führte, schlägt ebenso den Bogen zu seinem „modernen Enkel” Reinhold Esser wie die Tätigkeit für die Verwaltung.

Während der Geschichtsforscher 41 Jahre lang bis 1995 in Diensten der Stadtverwaltung Übach-Palenberg stand, versah Wilhelm Engelen 40 Jahre von 1883 bis 1925 seinen Dienst.

Ob Reinhold Esser, der in den zurückliegenden 50 Jahren fast jedes Jahr etwas zur Stadtgeschichte veröffentlichte, noch weiterhin am Thema arbeitet, ließ er auf Nachfrage unserer Zeitung erst einmal offen.

„Aber den jährlichen Verwaltungsbericht, in dieser Form übrigens einzigartig im Kreis Heinsberg”, versichert er, „mache ich gerne weiter.”

Das freut auch den scheidenden Bürgermeister Paul Schmitz-Kröll, der Reinhold Esser für dessen umfangreiche Arbeit als Heimatforscher dankt. „Es hält Leib und Seele zusammen, sich mit der Geschichte der Stadt zu beschäftigen”, ergänzt der Ratsvorsitzende.

Gemeinsam mit seinen Kollegen in der Stadtverwaltung hat er den kompletten Hintergrund - von der Vorbereitung bis zum Gegenlesen, vom Druck bis zur Auslieferung des auf 400 Exemplare limitierten Buches - begleitet.
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