Auftragsarbeiten auch für die Rothschilds

Von: ehg
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Fachgespräch über die prächtige Monstranz aus St. Sebastian: Kuratorin Dr. Miriam Krautwurst und Werner Sprenker, Urenkel von Goldschmied Reinhold Vasters. Foto/Repro: W. Sevenich
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Goldschmied Reinhold Vasters fertigte eine neugotische Monstranz. Foto/Repro: W. Sevenich

Würselen. Zu den kostbaren liturgischen Geräten der Pfarrkirche St. Sebastian zählt eine neugotische Monstranz, 78,8 Zentimeter hoch, aus Messing, versilbert, vergoldet sowie mit wertvollen Steinen und Emaille verziert. Sie wurde von Goldschmied Reinhold Vasters gefertigt, am 2. Januar 1827 in Erkelenz geboren, am 14. Juni 1909 in Aachen gestorben.

„Interessante und kluge Einsichten“ in dessen Leben und Werk gewährte auf Einladung des Geschichtsvereins jetzt Dr. Miriam Krautwurst , Kuratorin des Angermuseums in Erfurt, auf Basis ihrer Dissertation. Die wertvolle Monstranz war an diesem Abend im Alten Rathaus zu bewundern. Zu Gast war auch ein Urenkel des Goldschmieds, der 70 Jahre nach seinem Tod als Fälscher „entlarvt“ wurde: Werner Sprenker aus Alsdorf.

Reinhold Vasters war der Sohn eines Erkelenzer Schlossers, wurde mit acht Jahren Vollwaise und wuchs bei seinem Onkel auf. In Krefeld wurde er als „Goldarbeiter“ ausgebildet. Seine Fertigkeiten vertiefte er an renommierten Werkstätten in London, Paris und Wien. Einige seiner Gegenstände stellte er auf der Weltausstellung 1851 in London aus und errang für neun in Gold getriebene große Staatswappen den ersten Preis.

Bevor Vasters 1851 nach Aachen zog und in der Mariahilfstraße 17 in einem Renaissance-Gebäude sesshaft wurde, legte er seine Meisterprüfung ab. In Aachen richtete der streng gläubige Katholik zunächst mit Heinrich Joseph Viethen eine „Goldschmiedewerkstatt für kirchliche Gerätschaften“ nahe der Peterskirche ein. Als Vasters‘ Frau bei der Geburt des dritten Kindes starb, sah sich der Frühwitwer gezwungen, hochwertige profane Kunstgegenstände vor allem im Stil des Historismus zu „produzieren“.

Dank seiner exzellenten Fertigkeiten und guten Beobachtungsgabe auf verschiedensten Fachausstellungen, aber auch durch das umfangreiche Literaturstudium entwickelte Vasters den Hang, wertvolle Schmuckstücke im Stil der Gotik und der Renaissance zu fertigen. 23 ausgefallene Exponate stellte Miriam Krautwurst im Bild vor. Dazu zählten eine Tischuhr mit Herkules und Chronos und ein „Christall-Champagnerglas“ aus Bergstein.

Im Stil des 15. Jahrhunderts

Krautwurst: „Es ist kaum zu glauben, dass diese Arbeiten Ende des 19. Jahrhunderts entstanden sind.“ Vasters fertigte unter anderem für Baron Mayer Carl von Rothschild aus Frankfurt eine umfangreiche Silbersammlung im Stile des 15. Jahrhunderts an. Frédéric Spitzer, ein in Wien geborener und in Paris lebender Kunstsammler, der von 1855 bis 1865 in Aachen einen Antiquitätenladen betrieb, vermittelte umfangreiche Auftragsarbeiten für den französischen Zweig der Rothschilds.

Wie sehr Vasters bemüht war, seine Vorbilder zu übertrumpfen, um den Erwartungen seiner Kunden gerecht zu werden, veranschaulichte die Referentin an Beispielen. Vasters habe seine Arbeiten mit gefälschten Tremolierstrichen, künstlichen Altersspuren, Ergänzungen, gefälschten und teilweise unlesbaren Marken behandelt. Vasters war Mitglied der Pfarrgemeinde St. Peter, für die er unter anderem zwei Kelche fertigte und das Inventar überarbeite. Mit 82 Jahren starb Vasters an einem Schlaganfall. Er hinterließ zwei Kinder und acht Enkelkinder.

Ein „Knall“ habe – so sagt Dr. Krautwurst – 70 Jahre nach dem Tod des berühmten Aachener Goldschmieds – die Kunstwelt erschüttert. Ließ sich doch anhand von gefundenen Entwurfszeichnungen im Londoner Victoria & Albert-Museum beweisen, dass zahlreiche dort ausgestellte Exponate des damals kursierenden „Renaissanceschmucks“ und mindestens 45 weitere aus dem New York Metropolitan Museum of Art von ihm gefertigt waren.

Dazu zähle unter anderem die bekannte „Rospigliosi-Schale“ , die man dem Renaissance-Künstler Benvenuto Cellini zugeordnet hatte. Vasters verdiente durch seine Fälschungen ein Vermögen. Noch vor wenigen Jahren brachte im Rahmen einer Auktion bei Christie‘s ein von ihm gefertigter Mini-Tempel mit prächtig gewandeter Königin von Saba einen Rekordpreis von 200.000 Pfund ein. Seine der Fälschung verdächtigten Werke sind in einem Konvolut über 1000 Einzelteile zusammengefasst – wobei weltweit eine bedeutend größere Zahl noch nicht entdeckter Werke bei Privatsammlern oder in Museen verteilt sein dürften.

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