Würselen - Aufführungen im Pfarrheim: „Hüttenzauber“ ist feinster Theaterspaß

Aufführungen im Pfarrheim: „Hüttenzauber“ ist feinster Theaterspaß

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Ein bisschen Trost von der Ehefrau Birgit (gespielt von Anna Mathieu) tut doch jedem Gemahl – hier gespielt von Pascal Seifert – gut. Allerdings musste sich der hypochondrische Siegfried auch oft genug von Birgit schelten lassen.

Würselen. „What a wonderful world“, tastet Musiker Thorsten Krause ganz weich am Klavier. Loungemusik, die auf einen sanften Einstieg des Theaterstücks „Hüttenzauber“ tippen lässt. Von wegen. Der Vorhang ist noch gar nicht geöffnet, da ist es mit der heilen, wunderbaren Welt schon getan.

Das Ehepaar Gross streitet sich zwischen den Zuschauerreihen in den Saal hinein. Man sieht die beiden Winterurlauber noch gar nicht so richtig im Halbdunkel. Aber man hört, wie sie sich fetzen. „Siiiiiegfriiiiied“, kreischt Birgit Gross, gespielt von Anna Mathieu. Immer dann wird’s sehr temperamentvoll, wenn der Herr Gemahl mal wieder seine hypochondrischen Zwänge erkennen und seine Ängste heraus lässt, denn Siegfried Gross (Pascal Seifert) und seine Ehefrau haben sich im Winterwald irgendwie verlaufen. Die taffe und überhaupt nicht auf den Mund gefallene Birgit ist mit ihrer Mimik der erste Hochgenuss im noch jungen Theaterstück, das das Ensemble „Bühnenreif“ im Pfarrheim St. Lucia an zwei Tagen – plus dritter Extravorstellung als Preview – aufführt.

Ein eingespieltes Team

Schon eine Stunde, bevor es losgeht, bilden sich Schlangen an der Kasse. Bühnenreif steht für professionelle Leistungen auf den Brettern, für ein eingespieltes Team und für ganz viel Humor. Der entwickelt sich schon weit vor der Aufführung wie von selbst. Einsingen heißt es so etwa gegen 18.45 Uhr. Eine dreiviertel Stunde vor Beginn des zweieinhalb Stunden dauernden Theaterspaßes. Von Lampenfieber ist keine Spur zu bemerken. Mit ansteckender Leichtigkeit nehmen sich die zehn Darsteller im Obergeschoss des Gebäudes an die Hände, tanzen zwischendurch mal ein paar Hip-Hop-Schritte oder flachsen sich gegenseitig an.

Andrea Kirsch, sie wird wenig später die Touristin Sandrine Cerise mimen, verrät, „nö, ich sehe niemanden bei uns, der nervös ist“. Vielleicht ist es gerade das, was dem Spiel des Ensembles eine ganz individuelle Note gibt. Die Gelassenheit, mit der alle ihre Aufgaben angehen. Da werden kurz vor Beginn noch die Haare mit einer Zahnbürste drapiert, ein Schwätzchen mit Bekannten im Zuschauerraum geführt, ein bisschen untereinander gealbert.

Und als Siegfried und Birgit dann vor der (immer noch verhangenen Bühne) angekommen sind, gibt’s ein knappes Viertelstündchen die ersten Attacken auf die Zwerchfelle, mit kontinuierlicher Steigerung in den nächsten 2,5 Stunden Nettospielzeit. Ruhe und Romantik hatten Sigi und Birgit gesucht. Um das fade Eheleben etwas aufzupeppen. So stellt sich Birgit das jedenfalls vor. Doch Siegfried hat ganz andere Probleme.

Der Staub macht ihm zu schaffen, er kränkelt zunehmend und Birgit hatte sich eigentlich anderes gewünscht, als mit dem Staubwedel durch die Hütte zu rauschen. Und dann überschlagen sich die Ereignisse: Revierförster Matthias Senner (Martin Tremöhlen) kippt plötzlich um. Ist er tot? Ja, aber nur vermeintlich. Birgits Bruder Kurti Schmieder (Marcel Simons), ausgewiesenes Schlitzohr, schlägt versehentlich auf seinen zusammenbrechenden Schwager ein, dann kommen auch noch Unternehmer Rolf Kaiser (Wilfried Bonn) und seine Sekretärin Sabine Trost (Verena Leenders). Kaiser sticht der Hafer, die arbeitsbeflissene und kurzsichtige Sabine hat aber ganz andere Interessen.

Der „Hüttenzauber“ ist spätestens komplett, als Flitterwöchner Volker Müller (Tomas Eikermann) und seine junge Frau Silvia (Kathrin Goertz) noch dazustoßen und Unternehmergattin Verena Kaiser (Angela Müller) Unruhe stiften oder vermeiden möchten. Am Ende klärt sich natürlich alles auf. Eine Leiche? Ach nein! Versuchter Totoschlag, aber nicht doch! Eheprobleme? Iwo! Das Theater ist im besten Wortsinn vorbei. Der Applaus noch lange nicht. Glücklich, wer Karten für diese beiden Kostbarkeiten der Laienspielkunst bekam. Denn bis zur 18. Vorstellung dauert es ein Jahr. Dafür würde sich der eine oder andere symbolisch schon jetzt in die Schlange stellen.

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