Nordkreis - Aufbau einer Leichtbauhalle Anfang Mai

Aufbau einer Leichtbauhalle Anfang Mai

Von: Beatrix Oprée
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Möchte auf alle Entwicklungen vorbereitet sein: Jürgen Venohr, Fachbereichsleiter in Herzogenrath. Foto: M. Bienwald

Nordkreis. Der Dominoeffekt bei den Grenzschließungen auf dem Balkan lässt die Flüchtlingszahlen in Deutschland sinken: Die als Unterkünfte genutzten Turnhallen wieder ihrem ursprünglichen Zweck zuführen, möchte und kann die Stadt Herzogenrath vorerst jedoch nicht.

„Wir haben nach wie vor keine Prognosen, weder vom Land noch vom Bund“, sagt Jürgen Venohr, Fachbereichsleiter Bürgerdienste. Also bleibe nur, die Zahlen von 2015 auch auf 2016 zu applizieren.

Rund 880 Menschen erwartet

So geht die Verwaltung für das laufende Jahr weiterhin von rund 880 aufzunehmenden Flüchtlingen aus. Wenn auch die Anmietung privaten Wohnraums für zugewiesene Flüchtlinge im Verhältnis zur Nutzung städtischer Immobilien erheblich gesteigert wurde, so stehe dennoch nicht genügend Raum zur Verfügung, um allen erwarteten Zuweisungen gerecht zu werden. Zum Jahreswechsel hatte die Stadt bereits mit der Belegung der Turnhalle am Stadion Geilenkirchener Straße reagiert, in der derzeit 17 dauerhaft zugewiesene Flüchtlinge leben.

In den Turnhallen an der Waidmühl respektive an der Bardenberger Straße betreibt das Land derzeit noch Notunterkünfte. Zurzeit sind hier 54 beziehungsweise 95 Menschen untergebracht. Venohr: „Wenn das Land seine Notunterkünfte wie angekündigt zum 30. April aufhebt, werden wir als Stadt diese frei gewordenen Plätze nutzen müssen.“ Auch der eingerichteten Infrastruktur wegen. Zusätzlich soll auf dem Sportplatz an der Waidmühl eine winterfeste Leichtbauhalle errichtet werden, die zwar 200 Personen fassen könnte, in der aber maximal 150 untergebracht werden sollen. Die Vorbereitungen laufen, Ende April, Anfang Mai ist der Aufbau geplant.

Mit Blick auf die Entwicklung der Flüchtlingszahlen im vergangenen Jahr wäre der nächste Schritt dann die Umnutzung der Turnhalle an der Kircheichstraße. Womit insgesamt 460 Plätze zur Verfügung stünden, so Venohr, was bis August/September vorhalte. Parallel gelte es, weiteren privaten Wohnraum anzumieten.

Neben den europaweiten Unwägbarkeiten in Sachen Grenzentwicklung, gibt es auch noch Anpassungen auf dem Sektor der Zuweisungen innerhalb des Landes. So hatte die Bezirksregierung im Februar mitgeteilt, dass neun große kreisfreie Städte ihre Aufnahmequoten nicht erfüllt hätten. Weswegen im vergangenen Monat nur Zuweisungen dorthin erfolgten. Venohr: „Bürgermeister Christoph von den Driesch (CDU) hat am Montag im Gespräch beim Innenminister erfahren, dass immer noch fünf große Städte ihr Soll nicht erfüllt haben.“

Natürlich, so sagt Venohr, könne man nun meinen, Herzogenrath handele bei der weiteren Nutzung von Turnhallen im vorauseilenden Gehorsam – „aber wir als Kommune müssen die Probleme am Ende der Kette immer lösen!“ Da gelte es Vorsorge zu treffen.

In Baesweiler konnten zugewiesene Flüchtlinge bisher noch in städtischen Liegenschaften und angemieteten Wohnungen untergebracht werden, sagt der Erste Beigeordnete Frank Brunner auf Anfrage. Einzig die Lessingturnhalle werde von der Städteregion noch für die Erstaufnahme von Flüchtlingen genutzt, 108 Menschen sind dort zurzeit untergekommen.

Hinsichtlich weiterer Zuweisungen „sieht es so aus, dass wir derzeit noch genügend Kapazitäten für eine gewisse Zeit haben“, sagt Brunner. Doch wenn die Zahlen wieder so anziehen wie Ende vergangenen Jahres, müsse auch Baesweiler gegebenenfalls „andere Kapazitäten“ nutzen. Brunner mit Blick auf die europaweite Flüchtlingspolitik: „Das kann sich monatlich ändern. Im Moment kann niemand etwas Belastbares sagen.“

Die Stadt Würselen musste bisher noch nicht auf Turnhallen zurückgreifen, „wir standen Ende letzten Jahres kurz davor, konnten es aber noch abwenden“, sagt Werner Birmanns, Erster Beigeordneter. Als Notunterkunft des Landes hatte die ehemalige Schule am Helleter Feldchen gedient, die nunmehr von der Stadt zur vorläufigen Unterbringung zugewiesener Flüchtlinge genutzt wird. Rund 60 Menschen leben dort zurzeit. Angemietet hat die Stadt auch einen Bürokomplex an der St.-Jobser-Straße, bei dem es noch bauordnungsrechtliche Probleme gab. Rund 60 Menschen sollen hier einziehen. Mit rund 50 Bewohnern fast voll ist die ebenfalls angemietete Immobilie an der Burgstraße.

Die restlichen Flüchtlinge, so Birmanns, leben in Häusern, die zum größten Teil gekauft worden sind. Ein paar wohnen zudem noch im Obdachlosenheim Neustraße, etliche überdies in Hotels. Auch wenn die Zahl der zugewiesenen Flüchtlinge zurzeit stagniere, sagt Birmanns, „sind wir aber nicht so blauäugig zu glauben, dass dies so bleibt“. Prophylaktisch kaufe die Stadt daher geeignete Immobilien hinzu, begünstigt durch die derzeitigen Null-Prozent-Zinsen für Kommunen.

Nach dem 30. April, so bestätigt Detlef Funken, Sprecher der Städteregion Aachen, sollen die Notunterkünfte des Landes in den Turnhallen der Berufskollegs generell geräumt werden. Diese Marschrichtung habe die Bezirksregierung unlängst noch bestätigt. Wie lange dann die Rückbauten in den ursprünglichen Zustand dauere, darüber soll es Ende kommender Woche Klarheit geben.

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