Würselen - Auf einem der schönsten Berge der Welt

Auf einem der schönsten Berge der Welt

Von: Elisa Zander
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Endlich oben - erschöpft: Bli
Endlich oben - erschöpft: Blick nach Südwest auf dem Gipfel der Ama Dablam (6856 m). Nun folgt der heikle Abstieg für Frank Meeßen und die anderen Exkursionsteilnehmer ins Lager drei. Eine weitere Nacht in 6300 Meter Höhe steht bevor.

Würselen. Wenn Frank Meeßen an eine, wenn nicht sogar die aufregendste Reise seines Lebens zurück denkt, legt sich ihm ein verträumtes Lächeln auf das Gesicht. Und dann erzählt er von Nepal, von der dortigen Klosterstadt Tengboche und seinen ersten Blick auf die Ama Dablam, ein 6856 Meter hoher Berg im Mahalangur Himal in der Khumbu-Region des Himalayas.

Beeindruckend sind die ersten Empfindungen, wie Frank Meeßen berichtet. „Es hat etwas Unnahbares.”

Anspruchsvoller Aufstieg

2010 hatte sich der Würselener einer englischen Expeditionsgruppe angeschlossen, um gemeinsam den auch als „Matterhorn Nepals” bezeichneten Berg, der als einer der schönsten der Erde gilt, zu erklimmen. Darüber berichtete er unlängst eindrucksvoll bei einem Vortrag in der Würselener Gaststätte Willi Wille.

Bereits zwei Jahre vor seiner jüngsten großen Expedition hatte Frank Meeßen den Versuch gestartet, die Ama Dablam zu besteigen, scheiterte doch aufgrund von schlechten Wetterverhältnissen - zu viel weicher Schnee im Gipfelbereich - und Zahnschmerzen an seinem Vorhaben. Doch nach ausgiebigen Vorbereitungen bezüglich der körperlichen Fitness und der Besteigungstechnik sollte es Anfang November 2010 so weit sein.

Vor Ort in Kathmandu, der Hauptstadt Nepals, traf sich die Gruppe erstmals, bevor es mit einem Inlandsflug nach Lukla ging; ein Ort, der auf einer Höhe von etwa 2800 Meter oberhalb des Flusstals des Dudh Kosi liegt. Dieser Flug war allein ein Abenteuer für sich. Die 500 Meter kurze Start- und Landebahn ist, mit einer Steigung von 15 Prozent, in den Berg gebaut. Begrenzt von einer Bergwand und einem Abgrund gilt der Flughafen als einer der gefährlichsten der Welt.

Einen viertägigen Fußmarsch legte die Reisegruppe von Lukla zum Basislager auf etwa 4500 Höhenmeter zurück. „Der Höhenunterschied verläuft alternierend”, erklärt Frank Meeßen den langen Aufstieg. Eine Erleichterung war es da schon, dass das Equipment und Gepäck von sogenannten Trägern und Yaks zum Basislager transportiert wurden. Über Namche Basar ging es zum Kloster Tengboche. Der Blick auf die umliegende Bergwelt sei „phantastisch”.

Der Hobby-Bergsteiger lässt die Eindrücke auf sich wirken, dazu gehört auch der Blick auf den etwa fünfzehn Kilometer Luftlinie entfernten Mount Everest. Eine gewisse Unerreichbarkeit werde dann spürbar, meint Meeßen. „Um auf den Mount Everest zu kommen, braucht man zwei Monate Zeit und mindestens 30.000 Euro.”

Diese Rahmenbedingungen machten es schwer, den höchsten Berg der Erde zu besteigen und nicht etwa, weil der Berg an sich eine solche Herausforderung sei, erläutert Meeßen weiter. „Es ist keine große Kunst”, beim der Ama Dablam sei es umgekehrt. Hängegletscher und Lawinengefahr sind nur zwei der Anforderungen, denen sich die Gruppe während ihrer Expedition stellen musste.

Freude und Trauer auf dem Gipfel

Bevor sich die Bergsteiger auf den Weg in das erste Hochlager auf 5700 Höhenmeter machten, hielten buddhistische Mönche eine „Puja”, eine heilige Messe, bei der unter anderem die Eispickel der Bergleute gesegnet werden. Nach zwei weiteren Akklimatisierungs-Camps in 6000 und 6300 Meter Höhe begann das Eisklettern in geeistem Schnee. Gesichert wurden die Bergsteiger durch Fixierungsseile.

„Eigentlich ist das nicht schön, wenn die Region mit Seilen versichert ist”, sagt Frank Meeßen. „Aber wenn die nicht da wären, könnten viele Leute die Ama Dablam nicht besteigen, da sie nicht in der Lage sind, in dieser Höhe selbständig Sicherungen anzubringen.”

Aber auch mit den Fixierungsseilen war der Aufstieg mit dem zwischen 15 und 20 Kilo wiegenden Rucksack schwer. Bis zu 70 Grad Steigung weisen die Bergwände auf, „der Berg verlangt einem alles ab”, vermittelt Frank Meeßen einen Eindruck.

Dann, nach zwanzig Tagen und - nicht zu vergessen - insgesamt zwei Jahren Vorbereitung ist Frank Meeßen am Ziel und steht auf dem Gipfel eines der schönsten Berge der Welt. „Das Gefühl”, erinnert er sich, „hatte ich mir anders vorgestellt.” Gefreut hätte er sich natürlich, „aber die Trauer überwog, weil mein Ziel nun weg war. Die Freude über manchen 4000er in den Westalpen war größer, als dieser spektakuläre Berg.”

Nun muss also ein neues Ziel her, Frank Meeßen hat sich dafür den „Cho Oyu”, ausgeguckt. Der 8188 Meter hohe Berg, ebenfalls im Himalaya gelegen, befindet sich etwa 20 Kilometer vom Mount Everest entfernt und stellt den westlichen Eckpfeiler des Mahalangur Himal im Himalaya-Hauptkamm dar. 2012/2013 will Frank Meeßen diese Herausforderung annehmen. Auch auf die Gefahr hin, sich anschließend ein neues Ziel suchen zu müssen.

Was ihm schließlich im Anschluss immer bleibt, sind die Erinnerungen und überwältigenden Eindrücke, von denen er bis zum nächsten Aufstieg zehrt.
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