Alsdorf - Auf der Suche nach den Bergbau-Toten

Auf der Suche nach den Bergbau-Toten

Von: Stefan Schaum
Letzte Aktualisierung:
Vollständig aufgelistet: Vero
Vollständig aufgelistet: Veronika Leisten hat die Namen aller Opfer der Bergbauunglücke in Alsdorf erfasst. Gemeinsam mit Bergbaumuseumsvereinsvorsitzendem Josef Kohnen (l.) und dem Alsdorfer Geschichtsvereinsvorsitzenden Rudolf Bast (2.v.r.) hat sie Bürgermeister Alfred Sonders das erste Exemplar ihrer Arbeit überreicht. Foto: Schaum

Alsdorf. Es geht nicht um eine einfache Zahlenkorrektur, nicht um ein paar Namen mehr oder weniger. Es geht ganz allgemein um Würde, um Anerkennung. Darum, die Erinnerung an die Bergbauzeit auch zur Erinnerung an all jene zu machen, die ihn geprägt und teilweise ihr Leben dafür gelassen haben.

Vor gut einem Jahr hatte die ehemalige Alsdorfer Standesbeamtin Veronika Leisten begonnen, die Namen aller Opfer von Bergbauunglücken in der Region aufzulisten. Was Alsdorf betrifft, hat sie ihr Ziel jetzt erreicht - und dabei manches Erstaunliche zutage gefördert.

So weiß sie nun, dass die offiziell vom EBV veröffentlichte Zahl der Opfer des 21. Oktober 1930 nicht stimmt. 271 Tote - diese Zahl gilt bis dato. „Das sind leider acht zu wenig”, sagt Veronika Leisten, die in den vergangenen Monaten mehr als 200 Sterbebücher in den Standesämtern durchforstet hat auf ihrer Suche nach Opfern.

Wo immer als Beruf „Bergmann” angegeben war, hat sie das Sterbedatum notiert und nachgerechnet: „Wenn noch Anfang November 1930 ein Schwerverletzter Bergmann aus Alsdorf im Eschweiler Krankenhaus gestorben ist, dann muss man einfach davon ausgehen, dass auch er ein Opfer dieses Grubenunglücks war und seinen Verletzungen erlegen ist.” So ist sie auf 279 Opfer gekommen. Acht neue Namen, die sie gern der offiziellen Liste hinzugefügt sähe. Es sind die Namen von Peter Dautzenberg, August Stracke, Ludwig Bülles, Richard Barschdorf, Wilhelm Rommler, Wilhelm Heinrich Joseph Mohne, Leonhard Lürkens und Franz Germ.

Große Unterstützung

„Eine neue Recherche aus gebührendem historischen Abstand heraus war einfach überfällig”, sagte Josef Kohnen, Vorsitzender des Alsdorfer Bergbaumuseumsvereins Anna, der die Suche nach den Namen auf den Weg gebracht hatte. „Es ist ja verständlich, dass in den schrecklichen Wirren nach solchen Ereignissen auch Opfer übersehen worden sind.” Veronika Aretz glaubt nicht, dass ihr noch Namen entgangen sind. „Alle Standesbeamten haben mich bisher gern in die alten Bücher schauen lassen”, begrüßt sie die Unterstützung.

So hat sie ihre Listen für die Toten der Gruben Anna und Maria fertiggestellt. Auch die Namen für die Würselener Grube Gouley hat sie beisammen. Weitere sollen folgen. Auch die Namen der Toten der Gruben Nordstern und Adolf in Roda möchte sie auflisten. Vielleicht dehnt sie ihre Suche noch weiter aus. „Es ist mir einfach ein Anliegen, möglichst viele benennen zu können, um an sie zu erinnern.” In einem Vereinsheft möchte der Bergbaumuseumsverein die neuen Listen bald veröffentlichen, in denen auch die Namen von Kindern auftauchen.

Das fand Veronika besonders schlimm: „Ich habe in den Sterbebüchern Menschen entdeckt, die erst 14, 15 Jahre alt waren, als sie bei einem Unglück oder einem Unfall tödlich verunglückten.” Ihre Namen sollen nun dazu dienen, dass ihr Schicksal nicht vergessen wird.
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