Auf den Spuren von Adolf Wamper

Von: ehg
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Spannender Vortrag: Achim Großmann war zu Gast beim Geschichtskreis St. Sebastian. Foto: Dagmar Meyer-Roeger

Würselen. Seit etwa drei Jahren beschäftigt sich der pensionierte Staatssekretär Achim Großmann mit Leben und Werk des am 23. Juni 1901 in Grevenberg geborenen und am 22. Mai 1977 in Essen verstorbenen Bildhauer Adolf Wamper.

Den Anstoß dazu hatte die „Begegnung“ mit dem „Flammenengel“ vor dem Rathaus in Düren auf dem Kaiserplatz gegeben, das an den verheerenden Luftangriff der Alliierten am 16. November 1944 erinnert. Um seinen Ansprüchen und der Person Adolf Wamper gerecht zu werden, ist Großmann nicht nur bereits vorliegenden Quellen nachgegangen. Vielmehr betrieb er noch tiefere Recherchen und stellte dazu einen „massiven Kontakt“ zur Familie her. Bei seiner „Zwischenbilanz“ vor dem Geschichtskreis St. Sebastian stellte er fest: „Aus meiner vorläufigen Sicht war Adolf Wamper ein großer Künstler.“

Sein Vater, ein Grubensteiger, starb bereits 1907 bei einem Unglück in der Grube Voccart in Herzogenrath-Straß. Seine Mutter zog die fünf Söhne alleine auf. Adolf Wamper absolvierte nach der Volksschule eine kaufmännische Lehre und arbeitete anschließend als kaufmännischer Angestellter beim Eschweiler Bergwerksverein. Gleichzeitig nahm er Zeichenunterricht. Seine künstlerische Ausbildung begann er 1923 als Schüler der Handwerker- und Kunstgewerbeschule zu Aachen. Anschließend war er von 1924 bis 1926 Gasthörer an der Technischen Hochschule, wo er vor allem an Kursen von Professor Bernhard Halbreiter und Professor August von Brandis teilnahm.

An der Kunstakademie Düsseldorf wurde der Würselener Schüler von Professor Richard Langer. Bis 1932 lebte er in einem Atelierhaus in Düsseldorf-Stockum. Und begegnete so renommierten zeitgenössischen Künstlern wie Max Pechstein, Lyonel Feininger, Otto Kokoschka und Otto Pankok. Schon während seiner Düsseldorfer Zeit beteiligte sich der junge Bildhauer an verschiedenen öffentlichen Ausschreibungen. 1930 beschickte er eine Ausstellung in Köln mit seinen Exponaten. 1931 folgte eine im Reiffmuseum in Aachen. Dass er in der Welt der Künstler angekommen war, dafür sprachen – so Großmann – auch die vielen Einzelausstellungen. Kurze Studienreisen nach Frankreich mit Ausstellung im Zak-Museum und nach Barcelona fielen in das Jahr 1932. Nach seiner katholischen Trauung mit der Zahnärztin Maria Elisabeth Haak in der Kirche St. Foillan in Aachen siedelte er 1935 nach Berlin über.

Wie Großmann weiter in Wort und Bild darlegte, begann seine Karriere als Schöpfer von Monumentalkunstwerken. Nach seinen öffentlichkeitswirksamen Arbeiten für das Olympiagelände folgten zahlreiche weitere Aufträge. Auch war er an der Umgestaltung der Deutschen Oper in Berlin beteiligt, die 1934 in den Besitz des Deutschen Reiches übergegangen war. Werke von Adolf Wamper waren viermal in der „Großen Kunstausstellung“ zu sehen. Bei einem schweren Bombenangriff im November 1943 wurde Wampers Atelier in Berlin getroffen und seine Werke zerstört. Nachdem auch das Wohnhaus 1944 schwer zerstört worden war, zog das Ehepaar Wamper nach Heepen (heute: Stadt Bielefeld) um.

Obwohl der in Würselen geborene Bildhauer und Zeichner vom aktiven Kriegsdienst freigestellt war – er stand seit August 1944 auf der „Gottbegnadetenliste“ des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda – zog ihn die Wehrmacht noch am 17. März 1945 ein. Rund einen Monat später wurde er von den amerikanischen Truppen gefangen genommen. Er kam in das amerikanische Kriegsgefangenenlager Remagen/Sinzig. Im Juli 1945 entlassen, kehrte er zu seiner Frau nach Bielefeld zurück. Eine Nachbildung der von ihm aus dem Lehm des Gefangenenlagers geschaffenen Madonna steht heute in der Gedenkkapelle in Remagen.

Skulpturen und Zeichnungen

In Bielefeld setzte er seine künstlerische Tätigkeit fort, wobei er weit weg von den Monumentalplastiken zu naturalistischen Ausdrucksformen zurückkehrte und diese weiter entwickelte. Seine erste Ausstellung nach dem Zweiten Weltkrieg fand 1948 mit Skulpturen und Zeichnungen im Bielefelder Kunstsalon Fischer statt. Ende 1948 wurde er als Leiter der Werkgruppe Plastik an die Folkwangschule in Essen berufen. Für die Anstellung musste Wamper ein Entnazifizierungsverfahren durchlaufen. Der Ausschuss stufte ihn trotz der Mitgliedschaft in der NSDAP in die Kategorie 5 als „Entlasteten“ ein. Sein Vertrag als Lehrer mit der Folkwangschule wurde regelmäßig verlängert. Neben Plastiken und Zeichnungen kreierte er über 30 Kunstwerke im öffentlichen Raum, so auch in Düren den „Flammenengel“. Nach seinem Tod geriet er in Vergessenheit. Umso erstaunlicher ist es, wie viele seiner Werke im öffentlichen Raum noch vorhanden sind. Allein in Essen finden sich immer noch 18 Skulpturen von ihm, wovon zwei unter Denkmalschutz stehen.

Mit seinem spannenden Vortrag vor dem Geschichtskreis St. Sebastian wollte Großmann ein „Schlaglicht“ setzen. Die im Netz vorhandenen Angriffe auf Wamper verlangten eine sehr gründliche Auseinandersetzung mit seinem Leben und Werk. Obwohl Großmann mit seinen Recherchen schon weit vorangekommen ist, möchte er derzeit noch keine Veröffentlichung vornehmen.

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