Auch über Umwege stets zur herrlichen Pointe

Von: Elisa Zander
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Sprach- und Intonations-Jongle
Sprach- und Intonations-Jongleur: Konrad Beikircher schaute auf Burg Wilhelmstein über den rheinländischen Tellerrand. Foto: Elisa Zander

Würselen. Die Sache mit der Zeltplane wird Wilhelmstein-Veranstalter Ulli Pesch wohl noch eine Weile verfolgen. „Jetzt habt ihr schon ein neues Dach - da hättet ihr es auch etwas weiter ziehen können”, piesackte Konrad Beikircher beim Anblick von leeren Sitzreihen, auf die sich, aufgrund von fehlendem Regenschutz, kaum ein Zuschauer setzen wollte.

Doch die wenigen, die es dorthin verschlagen hatte, nahmen es leicht und spannten ihre Regenschirme auf. Eine herrliche Gelegenheit für den Kabarettisten, das sich ihm bietende Bild in sein Programm einzubinden.

Und so sinnierte er über Online-Wetterdienste und die verschiedensten Vorhersagen zur gleichen Zeit: „Man weiß mehr als früher, aber unterm Strich kommt dasselbe raus”, resümierte er platt und behielt auf seine unverwechselbare Art Recht.

„Früh sprechen gelernt ...”

Der Adoptiv-Rheinländer versprach für seinen Jubiläums-Besuch, seit 20 Jahren tritt er regelmäßig auf Burg Wilhelmstein auf, eine Sicht über den Tellerrand.

Frei nach Wilhelm Busch, wo es in seiner Bildergeschichte „Plisch und Plum” heißt: „Warum soll ich nicht beim Gehen in die Ferne sehen? Schön ist es auch anderswo, und hier bin ich sowieso”, unternahm Beikircher mit seinem Publikum eine Sprachreise. Und so erzählte er von seiner Kindheit und dem Leben in Südtirol, seiner vom Vater geförderten Sprachfaszination.

„Ich habe sehr früh sprechen gelernt - wie alt mag ich da gewesen sein? So etwa drei Wochen?” Ja, das könne hinkommen, kommentierte Beikircher es aus gewohnt rheinischer Sicht, schließlich handelte es sich an diesem Abend um den elften Teil der rheinischen Trilogie - rheinische Lebensberatung inklusive: „Wenn Sie beim Psychologen gefragt werden, wann ihr Kind den ersten Mehrwörter-Satz gesprochen hat, sagen Sie einfach irgendwas. Egal was, auch Zukunftsdaten, Hauptsache nicht stottern.”

Aber eigentlich wollte Beikircher ja etwas zu Spracheigenheiten erzählen. Und dann legte er los, packte sämtliche Dialekte aus, während er versuchte, klar zu machen, in welch absonderlichen Feinheiten der Unterschied bestehe, in Deutschland ein Frühstücksei zu bestellen.

Unterfranken, Schwaben, Bayern und Hanseaten („Die finden ihren Dialekt auch noch schön! Das sind erwachsene Menschen, das muss man sich mal vorstellen!”) kommen zu Wort mit der Erkenntnis, dass sich nur der Südtiroler raushält, indem er schlicht ein anderes Wort nutzt: „I hätt gern a Gockele.”

Konrad Beikircher ist ein Mann des Wortes, ein Sprachkünstler und Intonations-Jongleur. Bis seine Anekdoten in der Pointe gipfeln, nimmt er viele Umwege, schweift ab, erzählt andere Geschichten - jede auf ihre Weise neu komisch - um am Ende seiner gedrehten Sprachschleife zum Ursprung zurückzukehren.

Hat sich wieder gelohnt ...

Der Wilhelmsteiner Ausflug quer durch Deutschland bewies vor allem eines: Es lässt sich herrlich über den Rheinländer lachen, aber auch über seine Nachbarn aus den übrigen Bundesländern. Es war eine (Sprach-)Reise, die sich für alle Touristen des Abends gelohnt hat.
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