Nordkreis - Auch Nordkreiskommunen prüfen Turnhallendecken

Auch Nordkreiskommunen prüfen Turnhallendecken

Von: Beatrix Oprée
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Gründlicher Check in luftiger Höhe: Wie hier in der Gymnastikhalle des Gymnasiums in Ofden werden in allen Nordkreisstädten die Aufhängungen der Decken in Augenschein genommen. Bisher gibt es nur in Würselen zwei Hallen, in denen nachgebessert werden muss. Foto: R. Jordan

Nordkreis. Der Begriff „Sauerkrautdecke“ ist plötzlich wieder in aller Munde – und dürfte unter den Sportvereinen auch im Nordkreis durchaus für Unruhe gesorgt haben. Der Grund: In einer Turnhalle in Bochum sind schwere Deckenplatten auf den Boden gefallen, zum Glück stand niemand drunter.

Der appetitliche Name kennzeichnet zementgebundene Leichtbauplatten aus langfaseriger Holzwolle, die in den 60er bis 80er Jahren gerne verbaut wurden. Die Krux ist die Art der Befestigung: Dübelschrauben oder diagonal eingeschlagene Nägel sollten es sein. In der betroffenen Bochumer Halle wurden seinerzeit jedoch glatte Nägel vertikal eingeklopft, offenbar weil es schneller ging, so die Vermutungen. Die unsachgemäße Verarbeitung von einst bringt die Verantwortlichen in den Städten und Gemeinden heute ins Schwitzen. Denn das Landesbauministerium hat prompt reagiert und die Kommunen jetzt durch den Erlass „Gefährdung durch unsachgemäße Befestigung von Unterdecken in Turnhallen“ angewiesen, vorsorglich alle Turnhallendecken zu überprüfen.

Elf städtische Hallen gibt es in Würselen. Mit Hochdruck, so sagt der Technische Beigeordnete Till von Hoegen, seien die Prüfer unterwegs, um alle in Augenschein zu nehmen. Jede Verankerung werde einzeln untersucht. „Ich glaube nicht, dass wir stark betroffen sind“, sagte von Hoegen noch am Dienstag. Am Mittwoch steht fest: In zwei kleineren Hallen muss nachgearbeitet werden. Von Hoegen: „Die Maßnahmen im Fall einer senkrechten Vernagelung kann im Extremfall den Austausch der kompletten Decke bedeuten – oder nur eine neue diagonale Vernagelung der Konterlattung.“ Eine neue Verschraubung wird nun wohl ausreichen die am Wochenende erfolgt, so die letzten Prüfergebnisse.

Alsdorf unterhält 18 Turnhallen, nach erster Prüfung hatte sich die Zahl der möglicherweise betroffenen zuletzt auf zwei reduziert, die des Gymnasiums, teilte die Technische Beigeordnete Susanne Lo Cicero-Marenberg am Donnerstag auf Anfrage mit. Auch diese wurden durch die GSG Grund- und Stadtentwicklung sowie die Bauaufsicht und einen Statiker in Augenschein genommen. Lo Cicero: „Wir haben Wert darauf gelegt, alles so schnell wie möglich zu bewerkstelligen, auch um die Abläufe in Schulen und Vereinen, die ja auf die Hallen angewiesen sind, nicht weiter zu stören.“ Die Platten im Gymnasium seien aber so fest montiert gewesen, dass das Prüfteam Schwierigkeiten gehabt habe, die Decke zu öffnen, ohne ein Platte zu zerbrechen. In einer Halle wird am Freitag zur Sicherheit noch ein weiteres Mal geprüft. Ansonsten Entwarnung für Alsdorf.

Sofort gehandelt wurde auch in Herzogenrath: „Wir prüfen sukzessive, wo solche Decken verbaut worden sind“, sagt der Technische Beigeordnete Ragnar Migenda. Hallen prophylaktisch zu schließen, sei vorerst nicht vorgesehen. „Wenn sich allerdings herausstellt, dass eine Halle betroffen ist, wird sie umgehend gesperrt.“ Um dann wenn möglich die Deckenplatten sehr schnell ordnungsgemäß nachschrauben zu lassen. Die Prüfung der insgesamt 13 Turnhallen wird noch in dieser Woche abgeschlossen.

Eigentlich schon schnell Entwarnung gab es in Baesweiler: „Sauerkrautplatten“ waren zwar teilweise auch hier eingebaut worden, wie der Technische Beigeordnete Peter Strauch mitteilt: „Sie sind aber in der Vergangenheit bei Sanierungsmaßnahmen in der Regel durch neue Deckensysteme ersetzt worden.“ Insgesamt unterhält die Stadt acht Turnhallen. Die Dach-/Deckenkonstruktionen der Hallen werden in dreijährigem Turnus von einem Statikbüro kontrolliert, zuletzt im 2014. Strauch: „Die derzeit diskutierte Problematik haben wir zum Anlass genommen, dass Ingenieur-Büro mit einer zusätzlichen Überprüfung der Deckensysteme zu beauftragen. Die Bestandsunterlagen werden derzeit ausgewertet.“ Die Überprüfung vor Ort nehme zwei bis drei Tage in Anspruch. Die Nutzung der jeweiligen Hallen werde lediglich während der Zeit der Untersuchung für ein bis zwei Stunden eingeschränkt sein.

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