Baesweiler - Auch im Ruhestand wird weiter gespielt

Auch im Ruhestand wird weiter gespielt

Von: Sigi Malinowski
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Ausbilder und Freund: Nikola Jelic erreichte hohes Ansehen bei „seinen“ Lehrlingen. Foto: Sigi Malinowski

Baesweiler. Es ist das Alsdorf der frühen 60er Jahre. Nikola, ein Junge mit Migrationshintergrund, steht in der „Weltauswahl“. Der zwölfjährige Kroate bolzt mit Knaben aus Spanien, Italien, Ungarn und anderen Nationalitäten gegen die Weidingers, Körbers, Schröders, Schneiders, Leesmeisters aus Kellersberg. Da auf dem Stolperrasen vor den Baracken zwischen Bahndamm und bebauter Maquawiese, dem neuen Kellersberg.

Heute steht der Penny-Markt und ein Fitness-Studio dort. Nichts erinnert mehr an die hölzernen Behelfsheime, in denen die Gastarbeiter mit ihren Kindern ihre erste Heimat hatten. Nikola Jelic, der davon träumte, mal ein guter Fußballer zu werden, hat dort nicht gewohnt. Er kam nur immer zu den jungen Fußballern. Sein Zuhause, seine Familie, das war Schaufenberg.

In diesen Jahren, als die Zeche noch Arbeit und Brot für zigtausende Menschen hatte, konnte sich Nikola Jelic (geboren am 17. März 1952) überhaupt nicht vorstellen, dass er mal Tennis spielen – und später auch lehren – würde. „Nö, Tennis war damals sehr elitär. Da habe ich als Arbeitersohn noch nicht mal dran gedacht“, jagte er lieber dem Lederball nach. Die Zeit brachte ihn über den SV Schwarz-Weiß Neuweiler zu Rhenania Alsdorf. Dort, in „Schoofebersch“, entwickelte sich der Kicker Jelic zu einem allseits brauchbaren Sportskameraden, zu einem zuverlässigen Mitspieler.

Als er im Alter von 26 Jahren fester Bestandteil der Bezirksliga-Fußballmannschaft von Rhenania war, schaute der gelernte Monteur an der Anlage des damaligen Tennisclubs Grün-Weiß Alsdorf zu. Und irgendwie packte es den jungen Mann. Obwohl die Kameraden lästerten: „Was, Du und das versnobte Tennis?“ Er ging auf Tuchfühlung. „Weil Tennis eine Faszination ist.“ Ja, und nun war er dabei. Als die großen Stars des Weißen Sports noch Borg, McEnroe oder Connors hießen.

Damals ließ er sich im gerade gebauten Sportforum am Eingang Mariadorfs weiter ausbilden. Dann holte ihn Ferdinand „Ferry“ Portscheller, der Zahnarzt aus Busch, zum TC Rot-Weiß Alsdorf. 20 Jahre war Nikola Jelic dort hauptamtlicher Trainer. Er arbeitete sich bis zur B-Lizenz durch, baute Turniere wie den „Dreco-Cup“ und andere reizvolle Wettbewerbe für Senioren-Spieler auf. Zudem errang Nikola Jelic („Ich habe nur einen Volksschulabschluss, bin aber sehr stolz auf das Erreichte.“) hohes Ansehen in der Sparte Tennis. Sowohl als Spieler, als auch in der Funktion des Ausbilders. Nun steht er mit seinen 65 Jahren an der Schwelle zum Ruhestand. Nachdem er die letzten 13 Jahre hauptamtlicher Trainer beim Baesweiler TC war.

„Im zarten Alter von 52 habe ich mich entschlossen, nach Baesweiler zu gehen und hier auch etwas aufzubauen“. Auch hier leistete Jelic Trainerarbeit vom Feinsten. Knabenmannschaften brachte er in die Regionalliga, außerdem formte er nicht mehr zählbare Kreis- und Bezirksmeister. „Ich habe mich stets mit Kindern und Senioren abgegeben. Das hat immer Spaß gemacht und ich glaube auch nicht, dass ich das von heute auf morgen ganz sein lassen kann.“ Also wird der Ruheständler auch nach seiner „Pensionierung“ – als Nachfolger verpflichtete der Baesweiler TC die Tennisakademie Tomas Behrend – „der schönsten und sinnvollsten Freizeitbeschäftigung nachgehen. Wenn es geht, bis ins hohe Alter“. Und das nicht nur in Baesweiler. Auch Alsdorf wird er seinen „Sohn“, der mit fünf Jahren aus dem kroatischen Lika in die Bergbaustadt kam – weiter am Netz arbeiten und ausbilden sehen. Nur eben nicht mehr als Hauptamtler.

Sein Arbeitgeber, der BTC feiert übrigens am Freitag, 6. Oktober, den Saisonabschluss und ehrt dabei seine Vereinsmeister. Garantiert wird auch dort Jelic bei den Siegern dabei sein.

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