Siersdorf - Auch das Land fährt aufs Testzentrum ab

Auch das Land fährt aufs Testzentrum ab

Von: Antonius Wolters
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Siersdorf. Die entscheidende E-Mail erreichte am Mittwoch um 18.16 Uhr ihren Adressaten: Mit der elektronischen Post erteilt das NRW-Wirtschaftsministerium der Automotive Center for Industry GmbH (ACI) die Genehmigung, vorzeitig mit dem Bau der Automobilteststrecke im Siersdorfer Industriepark Emil Mayrisch (Ipem) zu beginnen.

Für ACI-Geschäftsführer Dr. Achim Ahn, der das Projekt von den Anfängen 2004 an begleitet, war es das Signal, die Ausschreibung des ersten Bauabschnitts auf den Weg zu bringen. Damit steht einem Baubeginn Ende Juni nichts mehr im Wege.

„Wir haben lange um das Projekt gerungen. Gemeinsam mit unserem Partner RWTH Aachen wird aus dem Kreis Düren ein Hightech-Standort”, ist nach der frohen Kunde auch Landrat Wolfgang Spelthahn ein mittlerer Felsbrocken vom Herzen gefallen.

So werden beide Partner in allernächster Zukunft eine gemeinsame Betreibergesellschaft gründen. Das Automotive Testing Center (ATC) wird nach Fertigstellung die Teststrecke an Institute und externe Firmen vermieten.

Während die RWTH ihren Eigenanteil in Höhe von insgesamt drei Millionen Euro für den Bau des ersten Bauabschnitts einbringt, steuert der Kreis das Grundstück und die Vorlaufkosten des Projektes in Höhe von knapp zwei Millionen Euro bei.

„Die Kosten bleiben werthaltig”, betont Landrat Spelthahn, dass der bisherige Aufwand auf diese Weise kapitalisiert wird. Zu klären seien nur noch Details wie die prozentuale Höhe der jeweiligen Anteile und die Frage, wer den ATC-Aufsichtsrat führt.

Wichtig für den Start ist der erste Bauabschnitt, den das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) als Voraussetzung für das Projekt „Galileo above” verlangt, dessen technische Infrastruktur allein in Siersdorf mit rund 6,8 Millionen Euro gefördert wird.

Der rund drei Millionen Euro teure Einstieg in die Testanlage umfasst im Wesentlichen die rund 45.000 Quadratmeter große Dynamikfläche mit einem Durchmesser von etwa 200 Metern plus Zufahrt. Das riesige Asphalt-Areal bietet ausreichend Platz für Verkehrssimulationen aller Art, die im normalen Straßenverkehr kaum gefahrlos möglich wären. Diese Möglichkeit wird vor allem benötigt, wenn die sechs Signalgeber im Umfeld des Testzentrums einsatzbereit sind, die die Satelliten des europäischen Navigationssystems Galileo simulieren sollen.

Da es von baulicher Seite her sehr wetterabhängig sei, die Dynamikfläche anzulegen, rechnet Dr. Ahn damit, dass der erste Abschnitt bis Ende August/Anfang September fertiggestellt ist. Zudem ist der Projektentwickler guten Mutes, dass aus dem Wirtschaftsministerium bereits in den nächsten Wochen ein weiterer Bewilligungsbescheid eintrifft. Das Land wolle nämlich, so war es auch von Landrat Spelthahn zu hören, den zweiten Bauabschnitt mit gut zehn Millionen Euro fördern. Um diese Förderung nicht zu gefährden, musste formal das „grüne Licht” aus dem Wirtschaftsministerium für den vorzeitigen Baubeginn der Maßnahme abgewartet werden.

Da gegenüber dem ursprünglich geplanten Testareal viel mehr Platz benötigt wird, ist für den zweiten Bauabschnitt zusätzlicher Grunderwerb notwendg, der noch in diesem Jahr erfolgen soll und bereits abgestimmt sei. Parallel dazu werden die notwendigen Bauleitverfahren für Abschnitt zwei fortgeführt. Dr. Ahn ist zuversichtlich, dass dessen Bau im Frühsommer 2010 beginnen kann. „2011 ist dann alles fertig.”

Dann stehen mit Bremsstrecke, Steigungshügel, Handlingkurs und Schlechtwegstrecke auch etliche Testmodule zur Verfügung, die für Automobilindustrie und Zulieferer interessant sind. Trotz höherer Kosten ist das vom Aachener Büro Tilke - das plant sonst auch Formel-1-Strecken rund um den Globus - entworfene Testzentrum auch für die Benutzung durch Lkw ausgelegt.
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