Auch 2014 herrscht eine Azubi-Flaute

Von: Holger Bubel
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Erfolg durch Liebe zum Beruf: Wenn Esra Türk die Brötchen über die Theke reicht, freut man sich gleich doppelt aufs Frühstück. Foto: Holger Bubel

Nordkreis. Das Ausbildungsjahr 2014 beginnt am Freitag. Und damit starten viele junge Azubis und Lehrlinge nach dem Schulabschluss in den „wahren Ernst des Lebens“.

Viele – aber eben nicht alle. Denn einerseits hat nicht jeder Jugendliche eine geeignete Ausbildungsstelle gefunden, andererseits bleiben offene Angebote von Betrieben unbesetzt. In NRW sind insgesamt rund 30.000 offene Lehrstellen verzeichnet. 350 Ausbildungsplätze sind es nach Auskunft der Handwerkskammer Aachen alleine in den Gewerken im Kammerbezirk, zu dem die Städteregion, die Kreise Heinsberg, Düren und Euskirchen gehören.

„Vornehmlich die Nahrungsmittelhandwerke haben Probleme, Nachwuchs zu bekommen“, sagt Kammer-Sprecher Christoph Classen, aber auch die SHK-Gewerke, das Dachdecker-, Elektroniker-, Maler- und Lackierer-Handwerk sowie die Metallbauer hätten Schwierigkeiten ihre Ausbildungsstellen zu besetzen. So seien mit 36 weniger als im Vorjahr abgeschlossenen Lehrverträgen zum 30. Juni 3,4 Prozent weniger Ausbildungsverhältnisse abgeschlossen worden.

Wie kann die Handwerkskammer ihren Betrieben bei der Nachwuchsgewinnung helfen? „Für Studienabbrecher – auch hier ist mit Einführung der Bachelorstudiengänge ein Trend zu verzeichnen – haben wir das Programm ‚Reset‘ ins Leben gerufen. Abbrecher werden sozusagen von uns an die Hand genommen und passgenau vermittelt“, erklärt Christoph Classen. Zudem sei man auch in den weiterführenden Schulen aktiver geworden, zeige bei Berufsvorbereitungsprojekten Präsenz, kläre die Jugendlichen über die Karrierechancen im Handwerk auf.

Das scheint aber noch nicht so richtig bei den Schulen angekommen zu sein, musste Helmut Schlaak, Ausbildungsbeauftragter der Bäckerei Oebel mit Sitz in Würselen, feststellen: „Anfang des Jahres haben wir 120 Schulen angeschrieben und unser Ausbildungsangebot Bäckereifachverkäuferin unterbreitet. Gerade einmal eine Schule hat darauf reagiert“, sagt Helmut Schlaak. Und zwar die Europahauptschule Blumenrath, die sich ohnehin in Sachen Berufsvorbereitung häufiger positiv hervorgetan hat. 13 Azubis wollte Oebel ab Freitag im Kammerbezirk einstellen, acht sind es dann letztendlich geworden. Liegt das alleine an einem wenig attraktiven Berufsprofil – schlechte Arbeitszeiten und geringe Bezahlung? Nein, sagt Schlaak, viele seien über den Beruf der Bäckereifachverkäuferin nicht informiert. Und wie in jedem Handwerk seien auch in diesem Beruf die Karrierechancen gut: „Wer seinen Job mit Freude und Interesse ausübt, der kann es weit bringen.“

Harte Konkurrenz bei Bewerbung

Probleme, ihre sechs freien Lehrstellen ab Freitag zu besetzen, hatte die Frings Elektro GmbH aus Alsdorf nicht. Im Gegenteil: „Schon für 2015 haben wir sogar schon Bewerbungen vorliegen“, berichtet Ralf Fliescher, der für die Lehrlinge im Alsdorfer Unternehmen zuständig ist. Der Beruf des Elektronikers scheint bei den jungen Schulabgängern hoch im Kurs zu stehen. Wer sich bei Frings bewirbt, der hat es bei den Einstellungstests und Bewerbungsgesprächen mit einer harten Konkurrenz zu tun: Von 30 Bewerbern, die in die engere Wahl gekommen waren, war es nur ein halbes Dutzend, das sich nun freuen darf. „Wir bemühen uns aber auch um den Fachkräftenachwuchs. Wir inserieren in der Zeitung, schreiben auf der Homepage aus und sind im Kontakt mit den Handwerksorganisationen“, sagt Fliescher. Und: „Wir legen hohen Wert auf die Ausbildung, schließlich wollen wir alle angehenden Gesellen übernehmen“, zeichnet Fliescher eine Perspektive auf, die einen zusätzlichen Anreiz für die Lehrlinge darstellt. Ralf Fliescher kritisiert aber auch Unternehmen, die sich nicht um Auszubildende bemühen: „Auf der einen Seite wird der Fachkräftemangel beklagt, und auf der anderen Seite wollen sich – auch in unserem Gewerk – Betriebe ‚Ausbildung nicht antun‘.“

Ein Trost bleibt Lehrstellensuchenden und Anbietern: Die Erfahrung aus den vergangenen Jahren hat gezeigt, dass bis Oktober noch viel Bewegung auf dem Ausbildungsmarkt herrscht. Ein Blick in die Lehrstellenbörsen der Kammern kann da doch noch zum unverhofften Traumjob oder Wunsch-Azubi führen.

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