Atomkraft bietet reichlich Gesprächsstoff

Von: tv
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Gegen Atomkraft über Länderg
Gegen Atomkraft über Ländergrenzen hinweg: der Niederländer Dirk Bannink von wise (l.) und Wilfried Hammers vom Bürgerbündnis gegen Atomkraft Herzogenrath. Foto: Thomas Vogel

Herzogenrath. Da staunte Dirk Bannink vom „World Information Service on Energy” (wise) nicht schlecht, als er seinen Vortrag zum Thema „Atomkraft in den Niederlanden” antrat. Im Soziokulturellen Zentrum Klösterchen schauten ihn 18 Zuschauer gespannt an.

„Bei der Veranstaltung in Köln waren nur sechs Leute da”, sagte der Aktivist aus Amsterdam, überrascht vom Zulauf. Eingeladen hatte ihn das Bürgerbündnis gegen Atomkraft, dessen Mitglieder sich weiterhin jeden Montag in der Roda-Stadt zur Fukushima-Mahnwache versammeln und die einen großen Teil des Auditoriums stellten.

Entwicklung aufgezeichnet

Auf dem Plan stand aber nicht alleine der Vortrag, den der Gast in Form einer Bildschirmpräsentation vorbereitet hatte, sondern auch die anschließende Diskussion des Themas Atomenergie im Nachbarland. Bannink, der auch Redakteur der wise-eigenen Zeitung „Nuclear Monitor” ist, zeichnete die Entwicklung der Atompolitik seines Heimatlandes und damit den Einzug der Atomenergie seit den 60er Jahren Schritt für Schritt nach. Im Zentrum der Betrachtung stets: der, von kleinen Versuchsreaktoren einmal abgesehen, einzige Kernreaktor des Landes in Borssele. Mit dem Überblick von den Anfängen über die großen Pläne in den 70er und 80er Jahren bis zum vermeintlichen Ende in den 90er Jahren, der Vorstellung der Rolle des kommunalen Energieversorgers Delta, der mit 70 Prozent Hauptanteilseigner am Borsseler Reaktor ist, und dem Engagement des deutschen Energieriesen RWE war für jede Menge weiteren Gesprächsstoff gesorgt.

Natürlich wurden die interessierten Zuhörer auch aufgeklärt, wie es um die Atomgegnerbewegung in den Niederlanden bestellt ist. Nach einer aktiven Phase in den 70er Jahren sei diese nach dem Gau in Tschernobyl ins Stocken und großteils sogar zum Erliegen gekommen. Erst seit 2005 habe es einen zögerlichen Neuanfang in Sachen Widerstand gegeben. Die Reaktion auf Fukushima ist demnach bei unseren Nachbarn ein wenig anders ausgefallen als hierzulande. Zwar sei der Neubau weiterer Reaktoren in weite Ferne gerückt, ein Komplettausstieg aus der Kernenergie aber stehe nicht zur Debatte.

Auch über Borssele II wurde gesprochen. Aktuell, so Bannink, gebe es noch zwei laufende Genehmigungsverfahren. Dennoch sehe es hinsichtlich einer Verwirklichung der Pläne gut für die Gegner aus. Mit den Energiekonzernen RWE und EDF haben sich beide potenziellen Mitfinanzierer zurückgezogen. Bei Delta laufe derzeit eine Machbarkeitsuntersuchung zu Borssele II sowie eine Prüfung, ob sich ein Gaskraftwerk als Alternative anbiete.

Druck ausüben

Hier sieht der niederländische Aktivist auch einen Ansatzpunkt für deutsche Atomgegner. Druck auf RWE ausüben, Petitionen unterzeichnen, Informationen auf Internetseiten und in Zeitungen veröffentlichen und Borssele II in Verbindung mit Ferien in Zeeland ins Gespräch bringen - alles Ideen, die helfen könnten den Block zu verhindern.
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