Asylbewerberunterkünfte werden auch in Roda rar

Von: bea
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Auch Flüchtlingskinder sollen Spaß haben: Ein Zehntel des erlaufenen Geldes hat jeder Teilnehmer am Sponsorenlauf der Gesamtschule Kohlscheid für die neue Nestschaukel in der Bierstraße gestiftet. Foto: Beatrix Oprée

Herzogenrath. „Die Kinder brauchen ein bisschen Spaß!“ Louis Ritzerfeld und Chanel Baer, Klassensprecher an der Gesamtschule in Kohlscheid und gerade einmal elf Jahre alt, wissen bereits, worauf es ankommt.

Flüchtlingskinder sollen in ihrer neuen Heimat unbeschwert spielen können, auch um schlimme Erlebnisse vergessen zu können. Genauso sehen das ihre Schulkameraden – und so war schnell klar, dass der Erlös aus dem jüngsten Sponsorenlauf nicht nur der Gestaltung des eigenen Schulhofs dienen, sondern auch den Flüchtlingskindern zugutekommen soll.

Erlöse aus Sponsorenlauf

Einen Scheck über 900 Euro übergaben Louis und Chanel deshalb an Anne Fink vom Arbeitskreis „Hand in Hand“, der sich mit großem Einsatz um die Asylbewerber in der Stadt kümmert. Längst hatte der AK auch schon die Schaffung eines Spielplatzes an der Unterkunft Bierstraße im Visier, wie Fink berichtet. In bester Kooperation mit der Stadtverwaltung wurden die Pläne schnell in die Tat umgesetzt. Dank der lauffreudigen Schüler gibt es neben einem Sandkasten und Wipptieren nun auch eine schmucke Nestschaukel.

„Das alles ist für uns eine große Erleichterung“, sagt Emina P. aus dem Kosovo, Mutter von fünf Kindern. Endlich haben die Kleinen auch eine Beschäftigungsmöglichkeit im Freien. Eine gute Gemeinschaft herrscht in dem Haus, regelmäßig kommen Familien, die bereits in andere Unterkünfte oder private Wohnungen umgezogen sind, mit ihren Kindern zu Besuch, so dass die Spenden der Schüler doppelt gut angelegt sind.

Das freut neben den engagierten Mitgliedern von „Hand in Hand“ natürlich auch Gesamtschuldirektorin Barbara Onkels, die schon weitere Pläne schmiedet – im Sinne von Patenschaften der Schüler. Die Kontakte sind gut geknüpft.

Nur ein Drittel brauchbar

Die Unterbringung neuer Asylbegehrender in der Stadt gestaltet sich indes nicht so einfach. So hat sich der Ausschuss für Arbeit und Soziales jetzt mit dem Lagebericht der Verwaltung auseinandergesetzt und unter anderem analog zur Stadt Alsdorf die Anschaffung von „mobilen Wohneinheiten“ ins Auge gefasst.

„Wir brauchen diesen Beschluss“, hatten die zuständige Beigeordnete Birgit Froese-Kindermann und Fachbereichsleiter Jürgen Venohr appelliert. Wie in der Nachbarstadt sollen in den Containern – ein Begriff, der Rodas Politikern nur schwer über die Lippen kommen will – Neuankömmlinge nur kurzzeitig untergebracht werden, um sie schnell in geeignete Quartiere zu vermitteln.

Mit rund 265 Zuweisungen rechnet Herzogenrath in diesem Jahr. Die Unterkünfte sind voll, weitere städtische Immobilien stehen so gut wie keine mehr zur Verfügung; geprüft wird etwa noch der Umbau des vor nicht allzu langer Zeit erworbenen Hauses Roermonder Straße 23, wo bis zu 18 Männer untergebracht werden könnten.

Für bis zu 40 Personen würde der Container-Wohnraum benötigt, führte die Beigeordnete aus. „Dann müssen wir immer noch für 20 bis 40 Menschen privaten Wohnraum finden.“ Eigene „Reserven“ gebe es noch für 10 bis 15 Personen – die aber noch nicht realisiert seien.

Vom angebotenen privaten Wohnraum, so führte Venohr aus, sei nur ein Drittel brauchbar. Der Rest sei abzulehnen, unter anderem, wie es in der Vorlage heißt, da er so schlecht unterhalten sei, „dass selbst bei Anlegung einfachster Maßstäbe eine Unterbringung von Flüchtlingen ... nicht guten Gewissens empfohlen werden kann“.

Zudem hätten manche Hausbesitzer unannehmbare Vertragsvorstellungen. Venohr: „Ich lasse mich nicht über den Tisch ziehen.“ Und: „Wir wollen uns in Herzogenrath die Mietpreise nicht kaputt machen lassen.“ Überdies zahlt das Jobcenter, dem Flüchtlinge nach ihrer Anerkennung obliegen, nur Mieten bis zu einer bestimmten Höhe.

Noch einmal betonten die Politiker parteiübergreifend, Asylbewerbern menschenwürdig und auf Augenhöhe begegnen zu wollen.

Bruno Barth, sozialpolitischer Sprecher der SPD, hatte denn auch ergänzend einen Beschlussvorschlag formuliert: Er umfasst die Priorität der Flüchtlingsunterbringung in privatem Wohnraum ebenso wie die nur vorübergehende Nutzung von Sammelunterkünften. Erst danach sollen „mobile Wohneinheiten“ zum Tragen kommen (die man sich unverzüglich in Alsdorf anschauen möchte). Vor der Umsetzung sollen die Anwohner informiert werden.

An den Stadtrat erging die Empfehlung, die dauerhafte Übernahme der Kosten für Unterbringung und Betreuung von Asylbewerbern durch den Bund ebenso per Resolution zu fordern wie eine gesetzliche Regelung im Sinne schneller Arbeitserlaubnisse für die Betroffenen.

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