Arsenal an Behandlungsmöglichkeiten

Von: Karl Stüber
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Leistet einen permanenten Überzeugungskampf in Sachen Vorsorge: der Urologe Dr. Thomas Pulte. Foto: Karl Stüber

Würselen. Kinder wuseln durch den Warteraum, aufmerksam betreut durch ihre Mütter. Das Urologische Zentrum Euregio am Wasserturm in Bardenberg gehört zu den Arztpraxen, die auch am Mittwochnachmittag Patienten behandeln –und zwar Kinder.

Auch diese junge Patientenschaft kann bereits unter urologischen Erkrankungen leiden, wie Dr. Thomas Pulte sagt, neben Reiner Agthe und Stephan Wolter einer der drei Doctores der Praxis in Nähe des Standortes des Medizinischen Zentrums Würselen (MZ). Pulte ist einer der Referenten, die beim Forum Medizin des MZ und unserer Zeitung mit Unterstützung der Stadt Würselen zum Thema „Urologie – moderne Medizin“ mitmachen. Das Forum findet am Mittwoch, 22. Juni, statt (siehe Info). Harnweginfekte, ungewöhnlich lang anhaltendes Einnässen, angeborene Vorhautverengungen, Leistenhoden, Wasserbrüche und Fehlbildungen der Nieren und des Harnleiters gehören zu den „Kinderkrankheiten“.

Lieber Autowaschen als Vorsorge

Prostatakrebs ist das Thema, das viele andere urologische Erkrankungen in der öffentlichen Wahrnehmung in den Hintergrund treten lässt. Die Möglichkeiten, Prostatakrebs gerade im Frühstadium zu erkennen, werden laut Pulte immer präziser. Bedauerlicherweise ist die Bereitschaft von Patienten in Deutschland, sich rechtzeitig Vorsorgeuntersuchungen zu unterziehen, nicht so ausgeprägt wie in Nachbarländern, bedauert er. „Dass ist leider ein permanenter Überzeugungskampf, den wir führen müssen. Es gibt Patienten, die sich rumdrehen und rausgehen, wenn wir zu einer Vorsorgeuntersuchung raten.“ Pultes Eindruck: „Der Deutsche neigt dazu, eher mit dem Wagen in die Waschanlage zu fahren und dann zur technischen Hauptuntersuchung, als 25 Euro für die Bestimmung der PSA-Wertes auszugeben.“ Zudem weist Pulte die Kritik an der Aussagekraft des PSA-Wertes zurück: „Diese Vorsorgeuntersuchung darf nicht verteufelt werden. Aber man muss ehrlich mit dieser Methode umgehen und sie genau erklären.“

Die ultraschallgesteuerte Prostatabiopsie wird zukünftig zunehmend unterstützt und ergänzt durch die MRT-Fusionsbiopsie. Hier wird bei spezieller Fragestellung eingezeichnete Herde durch einen Radiologen nicht mehr blind sondern gezielt biopsiert.

Bildgebende Verfahren, das Ansteuern von Beprobungspunkten in der Prostata, aber auch die Bewertung von „Auffälligkeiten“ erleichtern, werden immer genauer. Bald wird die Urologische Praxis am Wasserturm die MRT-gesteuert Fusionsbiopsie einsetzen.

„Das MRT hat aber auch seine Tücken“, warnt der Urologe vor zu großen Erwartungen in der Sicherheit der Diagnose: „Die Problematik bei der Prostata besteht darin, dass das Organ extrem klein ist, überwiegend klein ist, mit ungünstiger Lage, im Alter eigentlich nicht mehr gebraucht wird, aber überproportional viel Ärger macht oder machen kann“, bringt Pulte das Ganze pragmatisch auf den Punkt.

Die Nähe zum MZ in Bardenberg ist bewusst gewählt. Ambulante Eingriffe können in der Regel in speziell ausgestatteten Behandlungsräumen der Praxis unter Lokalanästhesie vorgenommen werden, komplexere Eingriffe unter Vollnarkose in den OP-Sälen des Krankenhauses Bardenberg.

Sicherlich nimmt die Behandlung von urologischen Problemen bei Männern einen breiten Raum ein, sagt Pulte. Dazu gehören Andrologie („Männermedizin“) in Form von Vorsorgeuntersuchungen aber auch Fragen wie Steigerung der Leistungsfähigkeit, Ausgleich von Hormonmangelzuständen oder Behandlung von Erektionsstörungen, allgemein „Aging Male“, also die Probleme des alternden Mannes. Aber, so Pulte, die „Frauenmedizin“ macht mittlerweile rund 40 Prozent der Patientenklientel aus. „Dabei ist die Behandlung von Inkontinenz eine der wesentlichen Säulen der Arbeit in der Praxis.“

Mit den Betroffenen reden

Die rein „technische“ Behandlung von urologischen Problemen reicht bei weitem nicht aus, betont er. Die „psychosomatische Grundversorgung“ gewinnt immer mehr an Bedeutung. „Der Patient erwartet mit Recht, dass sich der Arzt auch Zeit nimmt, mit ihm zu sprechen“, betont Pulte. „Das ist aber in unserem Krankenkassensystem nicht hinreichend berücksichtigt“, lautet seine Kritik.

Wichtiges Betätigungsfeld des Urologen ist die Nachsorge. „Etwa die erweiterte onkologische Betreuung nach Eingriffen“, sagt er. Dabei steht ein umfassendes „Arsenal“ an Möglichkeiten zur Verfügung. Pulte spricht von „komplexer Therapieeskalation“. Das bedeutet, dass abgestuft weitere Behandlungsmethoden bzw. Medikamente zum Einsatz kommen – je nach Entwicklungsstand der Erkrankung. „Auf diese Weise können wir gerade die spät entdeckten und fortgeschritten erkrankten Patienten über die Jahre bringen.“

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