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Arbeitskreis „Wege gegen das Vergessen” erinnert an die Nazi-Opfer

Von: Hanna Sturm
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Erforschen Schicksale Herzogenrather Juden: Pfarrer Martin Dielmann, Sophie Sequeira (vorne), Günter Wirtz und Karin Busch vom Kohlscheider Heimatverein, Bernd Krott und Dr. Joachim Helbig vom Arbeitskreis „Wege gegen das Vergessen”. Foto: Hanna Sturm

Herzogenrath. Die deutsche Vergangenheit aufarbeiten und auch für kommende Generationen die Erinnerung an die Verbrechen des Dritten Reiches wach halten: Das sind Ziele des Arbeitskreises „Wege gegen das Vergessen”, der sich im Jahr 2002 auf Initiative des Stadtrats gründete.

„Die Dokumentation der Schicksale ehemaliger jüdischer Mitbürger war stets ein Hauptanliegen.” So beschreibt der Stadtplan „Wege gegen das Vergessen”, der 2004 veröffentlicht wurde, Orte von Widerstand und Verfolgung in der Zeit des Nationalsozialismus. „Wir haben in dieser Karte Orte aufgeführt, die für die Erinnerung an die Verbrechen des Nazi-Regimes wichtig sind”, erklärt Dr. Joachim Helbig.

In den „Gedenkblättern für die verfolgten jüdischen Mitbürger Herzogenraths” veröffentlichte der Arbeitskreis die Schicksale der insgesamt rund 30 Juden, die in Merkstein, Herzogenrath und Kohlscheid wohnten. Oft sei es schwierig, genaue Informationen über ihre Schicksale herauszufinden, sagt Helbig.

Aber häufig erinnern sich Zeitzeugen doch an Einzelheiten, manchmal melden sich Nachfahren aus entfernten Ländern oder es lassen sich Informationen und Fotos in der Datenbank von Yad Vashem, der zentralen Gedenkstätte für Holocaust-Opfer in Israel, finden: „Diese ganze Arbeit lohnt sich auf jeden Fall, weil man so den Menschen wieder ein Gesicht geben kann.”

Seit 2008 sorgt der Arbeitskreis auch durch Stolpersteine des Kölner Bildhauers Gunter Demnig für stete Erinnerung an die Nazi-Opfer. Die ersten beiden Steine wurden in Straß verlegt, die in Messing eingravierten Namen erinnern an Weihbischof Joseph Buchkremer, der sich gegen die verhasste NS-Diktatur stellte und von 1942 bis 1945 im Konzentrationslager Dachau interniert war, sowie an Leo Cytron, der in Straß eine Schneiderei betrieben hatte und in Auschwitz starb.

Einer von acht weiteren Steinen an der Weststraße nahe der Hausnummer 2 erinnert an das Schuhgeschäft von Josef Spiegel. Spiegel wurde 1901 in Polen geboren und 1935 in einem Melderegister mit der Adresse Weststraße 2 in Kohlscheid erwähnt. Wie so viele andere wurde auch dieses Geschäft in der Nacht des 9. November 1938 geplündert und verwüstet.

„Ein Zeitzeuge hat mir erzählt, dass Josef Spiegel sein Geschäft nicht wieder eröffnet hat. Wahrscheinlich ist er sofort nach Belgien geflohen”, sagt Joachim Helbig. In Brüssel wurde Spiegel im September 1942 verhaftet, zuerst ins Sammellager Mechelen und dann ins KZ Auschwitz-Birkenau deportiert. Am 14. September wurde er in der Gaskammer ermordet.
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