Arbeitskreis „Kein Vergessen” sammelt Spenden für neue Gedenkplatten

Von: Nina Krüsmann
Letzte Aktualisierung:

Würselen. Traurig, aber wahr: Im Kreis Aachen gab es während des Zweiten Weltkriegs etliche Fälle von Judenverfolgung und rund 17.000 Zwangsarbeiter, die besonders im Bergbau und in der Landwirtschaft eingesetzt wurden.

In Bardenberg waren in den Lagern „Hühnernest” und „Pley” insgesamt 600 „Ostarbeiter” für die Grube Gouley zuständig. Im Lager „Kloster Broich” in Broich befanden sich rund 350 Arbeiter für die Grube Maria in Hoengen.

An diese menschenunwürdigen Taten zu erinnern, dafür setzt sich jetzt der Würselener Arbeitskreis „Kein Vergessen” ein. Bereits seit 2006 hat sich das Team rund um Rolf Rüland, der Pfarrer von St. Sebastian Rainer Gattys, Ursula Best und Ulrike Strüder vom Frauenplenum und Geschichtslehrer Jürgen Hohlfeld dem Gedenken an die Opfer nicht nur der NS-Zeit verschrieben.

27 vom Kölner Künstler Günther Demnig gestaltete und von der Bevölkerung finanzierte Stolpersteine in Würselen, Broichweiden und Bardenberg erinnern bereits an Opfer, die durch Menschenrechtsverletzungen und Nationalsozialismus ihr Leben ließen.

„Wir wollen aber auch gerne an all die vertriebenen Menschen erinnern”, betonen die Mitglieder des Arbeitskreises. Da der Künstler aber nur Gedenksteine für Tote herstellt, wurde die Idee der Gedenktafeln geboren.

42 mal 29 Zentimeter groß sollen die Platten sein, die 450 Euro pro Stück kosten. Falls genug Geld gesammelt werden kann, sollen die Lager „Hühnernest” und „Pley” sowie die jüdischen Familien Voss und Rosenthal jeweils eine bekommen.

„Diese beiden Familien waren stadtbekannt, deshalb haben sie diese Erinnerung und gleichzeitige Mahnung verdient”, sagt Hohlfeld. Das Tabak- und Süßwarengeschäft der Familie Voss an der Ecke Kaiserstraße/Klosterstraße sei noch heute als das „söße Eck” bekannt.

Die Metzgerei der Rosenthals befand sich in der Kaiserstraße 73. „Wir wünschen uns, dass sich die Bürger für diese Sache engagieren und dahinter stehen”, sagt der Arbeitskreis.

Nur so könne man die Geschichte sinnvoll auf- und verarbeiten. Auf dem ehemaligen Gelände des Lagers Pley zwischen Gut Kuckum und dem Pleyer Wald erkenne man noch heute Spuren.

„Normalerweise geht man hier beim Spaziergang schlichtweg vorbei. Schaut man aber genau hin, erkennt man die Erhöhungen, auf denen einst das Fundament des Lagers stand”, erklärt Geschichtslehrer Hohlfeld.

Mit vielen Aktionen und Projekten geht der Arbeitskreis auf Kinder und Jugendliche zu. „Es ist wichtig, diese Generation zu informieren”, betont Gattys.

Deshalb will die Pfarre St. Sebastian nun auch Firmlinge motivieren, eine Patenschaft für einen der 27 bisherigen Stolpersteine zu übernehmen und die Bronzegussplatten zu pflegen.

Wer etwas zur Realisierung der Gedenkplatten beitragen möchte, kann gegen eine Spendenquittung auf das Konto der Pfarramtskasse St. Sebastian, Stichwort Stolpersteine und Gedenkplatten, Kontonummer 102 759 036 bei der VR-Bank Würselen, BLZ 391 629 80, spenden. Informationen gibt es bei Jürgen Hohlfeld unter 02405/92664.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert