Würselen - Arbeitskreis „Kein Vergessen“ lädt zu Gedenkveranstaltung ein

Arbeitskreis „Kein Vergessen“ lädt zu Gedenkveranstaltung ein

Von: ehg
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Der Arbeitskreis „Kein Vergessen“ in der ehemaligen Synagoge am Lindenplatz: Ein paar Worte sprach Bürgermeister Arno Nelles (Mitte, r. dahinter mit Mappe in der Hand: Jürgen Hohlfeld) Foto: Dagmar Meyer-Roeger

Würselen. Zum Gedenken an die zahllosen Opfer des Holocaust, der mit der Reichspogromnacht am 9. November 1938 seinen Anfang nahm, hatte der Arbeitskreis „Kein Vergessen“ ins Foyer der ehemaligen Synagoge am Lindenplatz eingeladen.

Sprecher Jürgen Hohlfeld begrüßte dort die versammelten Mitstreiter, allen voran Bürgermeister Arno Nelles. „Wir sind aus Scham wegen des von Deutschen begangenen Völkermords an den Juden, aus Verantwortung gegenüber unserer Geschichte und unserer Zukunft, aber auch als Mahnung für kommende Generationen zusammengekommen“, sagte Hohlfeld. Denn schon wieder werde in Deutschland Fremdenhass geschürt, dieses Mal nicht gegen Juden, sondern gegen Flüchtlinge, gegen alles Fremde. „Dagegen müssen wir uns mit aller Macht wehren. Wenn heute Flüchtlingsunterkünfte und damals Synagogen brennen, dann brennen eines Tages auch wieder Menschen.“

Besonders gedacht wurde der Opfer des Holocaust aus Würselen, von denen 23 namentlich bekannt sind. Vor den Häusern, in denen sie in der Stadt zuletzt gelebt haben, sind Stolpersteine mit ihrem Namen verlegt, „damit sie auch in Zukunft nicht vergessen werden“. Vor der ehemaligen Synagoge liegen neun Stolpersteine mit den Namen derjenigen Opfer, deren letzte Anschrift vor der Deportation nicht bekannt ist. In ihrem ehemaligen Gebetshaus hätten sie sich zum Gottesdienst versammelt. Deshalb hielt der Arbeitskreis „Kein Vergessen“ die Gedenkstunde auch bewusst in der ehemaligen Synagoge ab.

Angesichts der Hilfsbereitschaft, die er gegenüber Flüchtlingen erlebt habe, stellte der Bürgermeister fest, „dass wir in Deutschland aus der Geschichte gelernt haben“. Mit Sorge erfüllte ihn dennoch, dass es vermehrt Angriffe auf Fremde gebe. Die Deutschen lebten in sieben Jahrzehnten in einem Land, um das 95 Prozent der Welt sie beneideten. Dennoch müsse das gesellschaftliche Leben weiterentwickelt werden. Dabei dürfe man das Feld nicht den Nationalisten und den Populisten überlassen.

„Wir sind in der Lage, den Tag der Scham auch angesichts des Falls der Mauer positiv weiter zu gestalten.“ Ausgestaltet wurde das Gedenken durch den Vortrag von Gedichten, verfasst von Rose Ausländer, Selma Meerbaum-Eisinger und Felicie Mertens sowie Robert Becher. Musikalisch umrahmt wurde es durch Iris Donner-Hermanns (Klarinette) und Werner Wienands (Piano) mit Klezmer-Musik. Niedergelegt wurden Rosen auf den neun vor der ehemaligen Synagoge verlegten Stolpersteinen. Auf dem Sims des Ostgiebels des einstigen Gebetshauses wurden nach altem jüdischen Ritus 23 Steine niedergelegt. Dabei wurden die Namen der Opfer genannt, an die sie erinnern sollen.

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