Arbeitsgemeinschaft Wurmtal: Forstwirtschaft und Mountainbiker im Visier

Von: fs
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Grüne Lunge des Nordkreises: Viele Tierarten finden im Wurmtal, hier bei Herzogenrath, eine Heimat. Foto: Georg Pinzek

Herzogenrath. Hauptversammlung bei der AG Wurmtal: Der stellvertretende Vorsitzende der regionalen Naturschutzgruppe, Dr. Hans-Jürgen Weyer, begrüßte die Teilnehmer im Pfarrsaal St. Josef Straß, darunter der stellvertretende Bürgermeister von Würselen, Harald Gerling, sowie die beiden stellvertretenden Bürgermeister Herzogenraths, Dr. Manfred Fleckenstein und Anne Fink.

Auf der Tagesordnung standen drei Vorträge zu aktuellen Themen, die ausführlich diskutiert wurden. Zunächst blickte AG-Vorsitzender Günter Kalinka auf die Schwerpunkte des Jahres zurück. Insgesamt betreut die AG Flächen im Naturschutzgebiet Wurmtal von 13 Hektar Größe. 2012 kaufte die AG einige Flächen an, was nur durch private Spenden ermöglicht werden konnte.

„Ungezügelte Inanspruchnahme“

Neben Arbeitseinsätzen mehrmals im Jahr im Gelände beschäftigte die AG nach wie vor die „ungezügelte Inanspruchnahme“ des Naturraumes. So hätten beispielsweise das Mountainbiking und der in letzter Zeit geäußerte Wunsch nach einer eigenen Fläche zum Ausüben dieses Hobbys eine „besondere Gefahr“ für das Naturschutzgebiet dargestellt. Seit Ende 2012 war aber der Kahlschlag im Pleyer Wald beherrschendes Thema. Ein Eifeler Holzhändler hatte Waldflächen aufgekauft und über Nacht durch radikales Abholzen eine „regelrechte Verwüstung“ angerichtet. Die Holzverwertung auch innerhalb eines Naturschutzgebietes werde seit langem auch durch die Forstverwaltungen praktiziert – und seit langem angeprangert. Trotz Protesten aus der Öffentlichkeit und der Naturschutzverbände sähen Politik und Behörden keine Möglichkeit, derartige Maßnahmen zu vermeiden. Die AG Wurmtal wurde aufgefordert, die Öffentlichkeit noch stärker zu mobilisieren, etwa durch Unterschriftenaktionen. Eine Änderung der gesetzlichen Situation sollte durch die Einbindung etwa von Landtags- und Bundestagsabgeordneten erfolgen. Die Naturschutzverbände wünschten sich eine deutlich stärkere Unterstützung durch die Umweltbehörden. Deren Aufgaben könnten nicht auf den ehrenamtlichen Naturschutz abgewälzt werden, sagte Kalinka.

Heftig wurde kritisiert, dass in der Öffentlichkeit der Eindruck entstehe, alles was Forstbehörden im Wald täten, entspreche voll und ganz den Vorstellungen des Naturschutzes. Nach wie vor betrachte die Forstbehörde einen Wald – auch in FFH- und Naturschutzgebieten – als wirtschaftliche Nutzfläche. Man wolle schlichtweg Holz verkaufen und Einnahmen erzielen.

Zehn Prozent Waldwildnis

Die AG Wurmtal wiederholte ihre Forderung, zehn Prozent der kommunalen Waldfläche im Wurmtal ganz aus der forstlichen Nutzung herauszunehmen und als Waldwildnisgebiet sich selbst zu überlassen. Dies betreffe besonders ökologisch wertvolle Laubwaldbereiche mit alten Eichen- und Buchenbeständen. Vor einiger Zeit seien den Bürgermeistern von Würselen und Herzogenrath auf deren Wunsch Waldgebiete aufgezeigt und entsprechende Unterlagen an die Hand gegeben worden. „Erfahrungen bei der Umsetzung des Waldnaturschutzes im Propsteier Wald“ war das Thema eines Vortrages, den Franz-Josef Emundts aus Alsdorf, Beiratsmitglied des Fördervereins Propsteier Wald, hielt. Kenntnisreich schilderte er Geschichte und aktuelle Situation dieses rund 370 Hektar großen Gebiets. Die über Jahrzehnte hinweg militärisch genutzte Fläche liegt zum größeren Teil auf Eschweiler und zum kleineren Teil auf Stolberger Gebiet. Seit der Aufgabe der militärischen Nutzung 1995 gehört die Fläche dem Bund, der sie möglichst gewinnbringend veräußern möchte. Mehrere Naturschutzverbände haben den Antrag gestellt, die wertvollsten Teile unter Naturschutz zu stellen und damit einen Konflikt in den unterschiedlichen Nutzungswünschen entfacht. Ein naturschützerisches Nutzungskonzept liegt vor. Eine Entscheidung wird demnächst erwartet.

Den Abschluss der Versammlung bildete ein interessanter Beitrag von Dr. Renate Knauf, Fraktionsvorsitzende der Grünen in Würselen. Sie ist im Tier- und Artenschutz engagiert. Ihre „Erfahrungen mit der Anlage von Blühflächen in der Stadt Würselen“ wurden von allen Seiten gelobt. Auf kleinen wie größeren Flächen, insgesamt etwa 2200 Quadratmeter, wurden 2012 Wildblumen eingesät. Diese verschönern nicht nur das Stadtbild mit ihrer Blütenpracht, sondern dienen auch dem Artenschutz und Bienen als Nahrungsquelle. Darüber hinaus habe sich die Pflege als preiswerter als etwa die einer Rasenfläche erwiesen, so dass die Stadt Würselen sogar eine Einsparung verzeichnen könne. Hier erging die Bitte an die Stadt, darauf zu achten, lokale, heimische Pflanzenarten auszusäen.

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