Arbeiten an Silvester: Von Hochandrang und kuriosen Begegnungen

Von: Conny Stenzel-Zenner
Letzte Aktualisierung:
11498139.jpg
Die Feuerwehrmänner Stephan Dickmeis, Dirk Prodromidis, Jörg Steiner und Horst Steiner (von links) warten während ihrer Dienstzeiten auf ihre Einsätze. Foto: Conny Stenzel-Zenner
11498136.jpg
Brigitte und Herbert Bloch koordinieren die Einsätze ihrer Taxen in der Silvesternacht. Foto: Conny Stenzel-Zenner
11498137.jpg
Mark de Block ist Pfleger im MZ und Teamleiter des Pflegepersonals der Notfallaufnahme. Foto: Conny Stenzel-Zenner

Nordkreis. Sie müssen arbeiten. Wenn um 0 Uhr die Korken knallen, warten sie auf ihren Einsatz. Ärzte, Schwestern und Pfleger des Medizinischen Zentrums der Städteregion (MZ), die Feuerwehrmänner der Feuerwache in Alsdorf, Taxifahrer und Mitarbeiter der Tankstellen.

Während im Krankenhaus erfahrungsgemäß bis 3 Uhr kaum Patienten aufgenommen werden, sieht es bei den Taxifahrern anders aus. Da herrscht bis morgens Hochbetrieb und sicher einen Wagen bekommt nur der, der vorher einen bestellt hat. „Um 0.15 Uhr geht bei uns der Betrieb los“, erzählt Brigitte Bloch, die seit 42 Jahren mit ihrem Mann Herbert Funk-Mietwagen koordiniert. „Gemeinsam mit unseren zwölf festangestellten Fahrern bringen wir unsere Mitfahrer sicher dorthin, wo sie wollen“, sagt die Baesweilerin, die noch nie Schwierigkeiten hatte, die Silvesternacht mit Mitarbeitern zu besetzen. „Einige Fahrer sind um Mitternacht bei ihren Familie, andere bei uns in der Zentrale“, erzählt die Inhaberin.

Zwischen 22 und 23 Uhr kommen die Fahrer vor dem Jahreswechsel sowieso alle in die Petronellastraße. „Dann gibt es ein Süppchen und Brot“, sagt Brigitte Bloch, die weiß, dass die Fahrer eine schnelle Mahlzeit vor dem großen Ansturm schätzen. „Und um Mitternacht gibt es einen Schluck Sekt.“ Allerdings ist dann bis gegen 8 Uhr nicht mehr an eine Pause zu denken. „Wir haben schon vorher einen Plan ausgearbeitet, damit alle Leute pünktlich abgeholt werden. Wer in der Silvesternacht noch anruft, den schieben wir so in den Plan, dass alles passt“, verrät Brigitte Bloch, die Silvester an der Zentrale sitzt und Fahrten aufnimmt.

Dienst hat auch Ralf Becker. Der Pächter der Aral-Tankstelle in Kohlscheid wird bis gegen 22 Uhr gut zu tun haben. „Danach wird es ruhiger“, weiß Becker, der mit seinem Shop ein Lichtblick für Kurzentschlossene Feierer ist. „Wir haben kalten Sekt im Angebot, Chips, Feuerwerk und Blumen.“ Ruhig ist es um den Jahreswechsel und danach immer. Nur vor drei Jahren gab es etwas Besonderes. „Da kam um Punkt 0 Uhr ein Mann an die Tankstelle und tankte. Während die Raketen und Knaller von anderen in der Umgebung gezündet wurden, kam er und bezahlte kommentarlos“, erinnert sich Ralf Becker.

Bei der Alsdorfer Feuerwehr gingen letztes Jahr ab 21 Uhr fünf Notrufe ein. „Das waren kleine Brände“, erinnert sich Peter Adenau, der Leiter der Feuerwehr, der schon etliche Dienste während seiner 36 Dienstjahre schieben musste. „Bei uns sind rund um die Uhr sechs Leute im Einsatz“, erzählt er. Sollte es zu großen Einsätzen kommen, werden die Kollegen der Freiwilligen Feuerwehr aus ihrer Bereitschaft geholt.

„Bei uns ist die Zeit bis Mitternacht relativ ruhig“, weiß Christoph Simons, Pressesprecher der Feuerwehr. Da herrscht in der Feuerwache Am Feuerwehrhaus 1 eine lockere Atmosphäre. „Weil jeder der diensthabenden Feuerwehrleute was zu essen mitbringt, gibt es immer ein tolles kaltes Buffet“, sagt der Pressesprecher. Kalt ist das Essen, weil niemand weiß, wann ein Notruf reinkommt. Nach Mitternacht seien die Einsätze unberechenbar. Da brennen Papierkörbe, die an Spielplätzen stehen, weil Knaller reingeworfen wurden.

Die Feuerwehr in Alsdorf stellt auch einen Rettungsdienst. „Dabei sind wir der Zubringer zum Krankenhaus“, sagt Simons. Mal sind es Leute, die zu viel getrunken haben, mal sind es Verletzungen, die der Grund sind, dass der Rettungsdienst gerufen wurde.

Manche kommen alleine

Die Rettungswagen kommen in der Notaufnahme des MZ in Marienhöhe an. „Aber es kommen auch Patienten alleine“, weiß Mark de Block, Pfleger und Teamleiter der Notaufnahme. „Es ist jedes Jahr das Gleiche. Die Leute passen mit den Böllern leider nicht auf“, spricht de Block aus Erfahrung. Es sind Verbrennungen vom Gesicht bis zu den Füßen, die Schmerzen bereiten. „Glücklicherweise ist es in diesem Jahr nicht kalt. Da bleiben hoffentlich viele Daunenjacken im Schrank“, hofft der Pfleger, denn gerade Daunenjacken seien gefährlich, weil der synthetische Stoff leicht entflammbar ist.

An Knochenbrüche in den vergangenen Jahren erinnert sich Ghazi Ashqar, Oberarzt im Zentrum für Orthopädie und Unfallchirurgie: „Viele Patienten kommen erst ab 3 Uhr zu uns, weil sie vorher noch feiern wollen.“ Deshalb sei am 1. Januar morgens früh deutlich mehr in der Notaufnahme los als sonst in den frühen Morgenstunden.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert