Herzogenrath - Arbeit unter Hochdruck zum Niedriglohn

Arbeit unter Hochdruck zum Niedriglohn

Von: Nina Krüsmann
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Arbeit muss sich lohnen: In vielen Branchen setzen Unternehmer aber immer mehr auf Lohndumping durch Leiharbeit. Foto: ddp

Herzogenrath. Es ist ein Thema, was momentan vielen gesellschaftspolitisch am meisten auf den Nägeln brennt und angepackt werden muss: Die zunehmende Kluft zwischen Arm und Reich verschärft sich durch die prekäre Lage auf dem Arbeitsmarkt und auch durch das gerade beschlossene Sparpaket der Bundesregierung immer mehr.

„Was das Sparpaket wirklich darstellt, ist eine Fortschreibung der herrschenden Umverteilung von unten nach oben, des Sozialabbaus und der zunehmenden gesellschaftlichen Spaltung auf den Schultern der Schwachen”, formuliert die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) der Diözese Aachen ihre Meinung zum Thema.

Bei einer vom Bildungswerk der KAB organisierten Diskussionsveranstaltung im Herzogenrather Nell-Breuning-Haus referierte Ralf Welter zum Thema. Der Diplom-Kaufmann und KAB-Diözesanvorsitzende schätzt die aktuelle Lage äußerst kritisch ein: „Da kommt ein Sturm auf, denn die Vorgehensweise ist zu kurzsichtig.”

Mit vielen Zahlen und Fakten zeigte der Ökonom unter dem Titel „Moderne Sklaverei: atypische Beschäftigungsverhältnisse” die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt und ihre Folgen auf.

Während immer weniger Deutsche ein normales Arbeitsverhältnis eingehen, sind Teilzeit- und Leiharbeit, Befristungen und Niedriglohnjobs auf dem Vormarsch. „Die Hoffnung, dass Leiharbeiter oder Teilzeitbeschäftigte auf diese Weise ihre Fähigkeiten austesten und einen normalen Job finden, bewahrheitet sich leider nur äußerst selten”, betonte Welter.

Davon können Vera Breier und ihr Mann Robert nur zu gut berichten. Die beiden Herzogenrather befinden sich seit mehreren Jahren im Teufelskreis der Leiharbeit. „Seit ich meine Festanstellung bei der Firma Vetrotex verloren habe, schlage ich mich als Leiharbeiter ohne Perspektive durch. Die Arbeitsbelastung ist immens, da wir unter Hochdruck arbeiten. Lohn und Fahrtkostenzuschläge reichen oft nicht mal annähernd”, berichtet Robert Breier.

Ein Mindestlohn von zehn Euro sei ein absolutes Minimum zur Existenzsicherung. „Da muss die Politik handeln.” „Ich war jetzt in einer Produktionsabteilung, wo die eigenen Mitarbeiter in Kurzarbeit waren und die Firma die Tätigkeiten auf Leiharbeiter umschichtete”, sagt Vera Breier.

„Diese Form der modernen Sklaverei führt dazu, dass die Altersarmut steigt und sich Beschäftigte aufgrund mangelnder sozialer Sicherung gegen eine Familie entscheiden”, urteilt Welter, der das Sparpaket als weitere Verschlechterung ansieht.

Eine solche Ungerechtigkeit sei einmalig in der Geschichte der Bundesrepublik. „Alle Ökonomen sind sich einig, dass es so nicht geht.” „Uns ist es wichtig, Geringqualifizierte zu schulen, um dem enormen Zuwachs an atypischen Beschäftigungen entgegenzuwirken”, erklärte Peter Brendel vom Arbeitslosenprojekt „Pro Arbeit” .

Durch das Sparpaket befürchte er einen weiteren Anstieg der prekären Arbeitsverhältnisse. „Wer qualifiziert ist, wird schnell vermittelt. Wer nur schwer vermittelbar ist, hat jetzt noch weniger Chancen.”

„Ich kann nur allen den Rat geben, sich nicht mit diesen Verhältnissen abzufinden, sondern aufzustehen und sich energisch zu wehren - ob mit der KAB oder woanders”, ermunterte Welter die Teilnehmer.
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