„Aquana“-Geschäftsführer Matthias Dovermann im Interview

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Der Spaßfaktor stimmt: Doch die Finanzierung des Aquana-Bades ist nach wie vor eine Herausforderung. Foto: Wolfgang Sevenich
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Will Verbesserungsmöglichkeiten früh erkennen: Aquana-Geschäftsführer Matthias Dovermann.

Würselen. In Zeiten kommunaler Finanzknappheit werden die Schwimmbäder mehr und mehr zum Luxusgut – und landauf, landab werden immer mehr von ihnen geschlossen. Im Wochenend-Interview betont Matthias Dovermann, Geschäftsführer des „Aquana“ in Würselen, den hohen Wert eines Bades für eine Stadt.

Wie haben sich die Besucherzahlen in diesem Jahr entwickelt?

Dovermann: Die Besucherzahlen stagnieren zwar, aber dass ist in einem stetig wachsenden Freizeitmarkt durchaus schon ein Erfolg! Wirtschaftlich werden wir auch 2015 wieder ein besseres Ergebnis vorlegen können, als kalkuliert war. Ich spreche dabei ausdrücklich von „wir“, weil dies tatsächlich eine gemeinsame Arbeit von Personal, Aufsichtsrat und mir ist.

Was heißt das konkret?

Dovermann: Ohne die tägliche Arbeit am Kunden ist ein vernünftiges Ergebnis nicht zu schaffen, genau so wenig, wie ohne die mutigen und richtungsweisenden Beschlüsse des Aufsichtsrates wie etwa die Attraktivierungen von Freizeitbad und Sauna, Preispolitik, Öffnungszeiten, Parkplatzbewirtschaftung. Dabei spielt keine Rolle, wer wo seine Arbeit verrichtet – wichtig ist alleine, dass dies im Rahmen der jeweiligen persönlichen Möglichkeiten geschieht.

Sie übernehmen dabei die Rolle eines Moderators?

Dovermann: Und die des Gestalters. Meine Aufgabe ist es, Verbesserungsmöglichkeiten rechtzeitig zu erkennen, auf den Weg zu bringen und umzusetzen. Letzteres natürlich mit der Belegschaft. Dass es den Beteiligten gelungen ist, das Aquana so aufzustellen, dass deutliche Verbesserungen in den wirtschaftlichen Ergebnissen erzielt wurden, bescheinigte zuletzt noch das Ergebnis einer vom Stadtrat geforderten Erfassung der Ist-Situation durch eine Unternehmensberatung.

In diesem Zusammenhang danke ich besonders dem Stadtverordneten Hans Carduck. Er hat gemeinsam mit mir für die in Frage kommenden Unternehmensberater den Fragenkatalog für die Berater erarbeitet hatte. So konnte von vornherein ausgeschlossen werden, dass es sich um ein Gefälligkeitsgutachten handeln könnte.

Konnten durch das Strategiekonzept, zu dem neben einer konzeptionellen Neuausrichtung die Senkung des Energieverbrauchs zählt, bereits Erfolge erzielt werden?

Dovermann: Das kann man so sagen. Sind wir mit rund 2,4 Millionen Euro Verlust gestartet, konnte dieser kontinuierlich auf unter eine Million gesenkt werden. Neben viel Lob für die Beteiligten zeigten die Berater einige Verbesserungsmöglichkeiten auf, besonders die Öffnungszeiten betreffend. Unabhängig von dem Gutachten hatten wir im Aquana nach Möglichkeiten gesucht, den enormen Energieverbrauch zu senken.

Hier hatte ich dem Aufsichtsrat 2014 eine Reihe von Maßnahmen vorgeschlagen, die auch umgesetzt wurden und dazu führen, dass trotz stagnierender Besucherzahlen, trotz Lohnerhöhung und trotz steigender Einkaufspreise unterm Strich der Verlust niedriger ausfällt als kalkuliert – und das auch im Vergleich mit den Vorjahren.

Vor wenigen Wochen wurde ein neues Kassensystem in Betrieb genommen. Was hat sich geändert? Funktioniert das System reibungslos?

Dovermann: Auch hier zeigt sich sehr schnell, dass es richtig war, das in die Jahre gekommene Kassensystem durch ein zeitgemäßes System, so wie es heute im Freizeitmarkt üblich ist, zu ersetzen. Derzeit wird noch an ein paar Stellschrauben gedreht, um die eine oder andere Schwachstelle auszumerzen. Besonders die Saunagäste profitieren vom neuen System, werden doch Getränke und Speisen deutlich schneller produziert werden können als bisher.

Dies liegt daran, dass einen Augenblick, nachdem die Bestellung aufgenommen wurde, diese per Funk an die Küche weitergeleitet wird. Hierdurch entfallen lange Wegzeiten. Dazu bedarf es – je nach gekauftem Wertcoin – vor dem Verlassen der Sauna nur noch eines Knopfdrucks, und die Rechnung ist fertig. In diesem Zusammenhang möchte ich gerne darauf hinweisen, dass die Gäste für unsere Garderobenschlösser ein Zwei-Euro-Stück benötigen – das selbstverständlich nur ein Pfand ist.

In der Würselener Politik gibt es Kritiker, denen diese Maßnahmen nicht ausreichen. Gefordert wird eine weitere Senkung des Defizits.

Dovermann: So viele Kritiker, wie es sie in Würselen in den Anfangsjahren gab, gibt es heute glücklicherweise nicht mehr. Heute sind fast alle Beiträge und Forderungen aus dem politischen Raum absolut sachorientiert. Und es ist doch wohl selbstverständlich, dass Würselener Politiker Anregungen und Hinweise geben, schließlich stehen sie als Ratsmitglieder ja selbst in großer Verantwortung, den städtischen Haushalt zu sanieren.

Damit ihnen das gelingen kann, müssen alle in Würselen einen Beitrag leisten, also in erster Linie die Bürger und die Vereine, um nur zwei Beispiele zu nennen. Und dazu gehört dann selbstverständlich auch das Aquana. Wenn ich aber einen Wunsch frei hätte, würde ich mir wünschen, dass das Ergebnis des Gutachtens endlich von allen, also auch und besonders von den Initiatoren akzeptiert wird.

Warum braucht eine Stadt wie Würselen überhaupt ein Freizeitbad?

Dovermann: Mittlerweile ist in Würselen anerkannt und 2014 durch das Gutachten bestätigt, dass das Aquana in der Stadt eine wichtige Rolle spielt. Im Gutachten heißt es, dass das Aquana schon in der Ist-Situation einen hohen Nutzen für Würselen und die Region bei vergleichsweise geringer Kostenbelastung bietet. Mithin ein ausgesprochen gutes Kosten-, Nutzenverhältnis.

Alleine 80.000 Besucher kommen aus Würselen, der Nutzen für die lokalen Zielgruppen ist unstrittig und erheblich. Das Aquana ist als „weicher Standortfaktor“ hochrelevant. Für Neuansiedlungen von Firmen ist der Freizeitfaktor ein mitentscheidender Aspekt. Das Aquana hat mit seiner breiten Zielgruppenansprache und dem Nutzen für Schulen und Vereine, sowie sportfreizeit- und wellnessorientierter Öffentlichkeit einen nicht zu unterschätzenden Signalcharakter.

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