Appell: Hängepartie um Aixtron jetzt schnell beenden

Von: Beatrix Oprée
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Aushängeschild für die ganze Stadt: Aixtron und Herzogenrath sind für viele untrennbar verbunden. Foto: Beatrix Oprée
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Freude im April 2010: (v.l.) Reimund Billmann, damals Landtagsabgeordneter, Bundestagsabgeordneter Helmut Brandt, die Aixtron-Vorstände Dr. Bernd Schulte, Wolfgang Breme und Paul Hyland sowie Bürgermeister Christoph von den Driesch beim ersten Spatenstich. Foto: Beatrix Oprée

Herzogenrath. Die Freude in der Rodastadt war groß gewesen, seinerzeit im April 2010: Als der offizielle erste Spatenstich für den 40 Millionen Euro teuren Erweiterungsbau der damaligen Aixtron AG im Gewerbegebiet Dornkaul erfolgte, hatten die Bagger im Hintergrund schon tonnenweise Erde bewegt. Der endlich vollzogene Ausbau durch ein neues Forschungszentrum sollte die Standorttreue des einstigen RWTH-Spin-Offs nachdrücklich unterstreichen.

Kurz zuvor hatte das Unternehmen mit Feststellung der Rekordumsatz-Bilanz von erstmals seit Gründung über 300 Millionen Euro auch die Umwandlung der Rechtsform von einer AG in eine Europäische Gesellschaft (SE) angekündigt.

Im Jahr 2009 noch hatte es in der Lokalpolitik Diskussionen gegeben, wie lange man die Gewerbeflächen an Dornkaul denn noch liegenlassen wolle, die zwar von zwei großen Firmen erworben, aber immer noch nicht bebaut worden waren. „Mit Blick auf die Chance, die sich für Herzogenrath bot, waren wir dafür, diese Flächen freizuhalten“, sieht sich FDP-Fraktionschef Björn Bock immer noch bestätigt. Seit Studentenzeiten, in denen er mehrere Jahre bei dem Global Player jobbte, und als „Kleinstaktionär“, wie er sagt, ist er dem Unternehmen immer noch besonders verbunden: „Aixtron, vom damaligen Bürgermeister Gerd Zimmermann einst nach Herzogenrath geholt, war generell ein Glücksgriff.“ Das sieht nicht nur er so, darüber ist man sich generell einig in Herzogenrath.

„Aixtron war vor seiner Krise ein außerordentliches Vorzeigeobjekt für ein weltweit erfolgreiches, aus einem Spin-Off erwachsenes Technologieunternehmen und damit ,Best Practice‘ zu unserer Ausrichtung sowohl in der allgemeinen Wirtschaftsförderung als auch im Technologiepark“, sagt Herzogenraths Bürgermeister Christoph von den Driesch (CDU).

Die Stadt brachte sich denn auch entsprechend ein: „Wir haben den Aufbau dieses Unternehmens intensiv begleitet, ihm zum Beispiel in starken Wachstumsphasen Räumlichkeiten auch im TPH zur Verfügung gestellt“, zählt von den Driesch auf. „Gemeinsam haben wir die großen Baumaßnahmen an Dornkaul 2010 in Rekordzeit bearbeitet und im Vorfeld auch die entsprechenden Flächen an Aixtron veräußert.“

Umso froher waren die städtischen Akteure, als im Mai für das kriselnde Leuchtturm-Unternehmen Licht am Ende des Tunnels aufzuglimmen schien und mit dem über 670 Millionen Euro schweren Übernahmeangebot des chinesischen Konsortiums Grand Chip Investment (GCI), hinter dem staatlich kontrollierte Fonds stecken, auch eine Standort-Garantie verbunden war.

Doch dann der Rückschlag, US-Präsident Barack Obama untersagte schließlich per Verfügung den Verkauf der amerikanischen Aixtron-Sparte an GCI – aufgrund von Sicherheitsbedenken. Da hatte der deutsche Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel die bereits erteilte Unbedenklichkeitsbescheinigung zwecks erneuter Prüfung zurückgezogen.

„Woran wir Interesse haben, ist Stabilität“, sagt Björn Bock. „Die derzeitige Hängepartie durch Obamas Veto kommt da gar nicht gut.“ Und auch das „Geeiere“ von Sigmar Gabriel finde er deswegen enttäuschend.

„Exporte nie kritisch gesehen“

Und Bürgermeister von den Driesch wundert sich, „dass nach Jahren der Exporte der Automationen von Aixtron in den asiatischen Raum, insbesondere auch nach China, nun festgestellt wird, dass eben diese Technik auch im militärischen Bereich angewandt werden kann“. Denn bisher seien diese Exporte wohl nie kritisch gesehen worden. Mit großer Spannung würden deswegen sowohl das Verfahren in den USA als auch das in Deutschland verfolgt, sagt von den Driesch: „Ich bin froh, dass sich Obamas Verbot ausschließlich auf den US-Standort bezieht und hoffe, dass unser Bundeswirtschaftsminister sein Verfahren nun zügig abschließt.“ Inhaltlich, so sagt von den Driesch, stimme er mit NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin überein, der das Vorgehen seines Bundes-Kollegen Gabriel deutlich kritisiert hat, unter anderem, weil Aixtron schon seit vielen Jahren Anlagen sowohl nach China als auch in die USA verkauft.

Wie sehr Wohl und Wehe des führenden Spezialmaschinenherstellers für die Chip-Produktion mit der Stadt verbunden ist, zeigte die Entwicklung nach dem Gewinneinbruch bei Aixtron Ende 2011: Für Herzogenrath hatte dies für das Jahr 2012 den doppelt negativen Effekt, dass aufgrund der bis dato verzeichneten hohen Gewinne die Schlüsselzuweisungen des Landes entsprechend geschrumpft waren, gleichzeitig aber auch keine Steuereinnahmen mehr verbucht werden konnten. Roda rutschte haushalterisch endgültig ab und arbeitet seither daran, wieder aus dem Haushaltssicherungskonzept herauszukommen. Von den Driesch: „Unsere Hoffnung war und ist, dass Aixtron nach der jahrelangen Krise mit einem neuen Investor das nötige Kapital erlangt, um am Standort erfolgreich Forschung zur Fortentwicklung bestehender und Entwicklung neuer Produkte für den Weltmarkt zu betreiben. Bekanntlich sind zurzeit noch 400 Arbeitsplätze vor Ort. Über die Steuerkraft darf ich wegen des Steuergeheimnisses keine Auskünfte erteilen.“

Das Unternehmen stehe nun ja keinesfalls vor dem „Bankrott“, betont Bock. Bei der jüngsten Hauptversammlung, so berichtet der Kleinaktionär, sei vielmehr deutlich geworden, dass man darauf warte, in neue Technologien investieren zu können, wofür auch entsprechendes Kapital vorgehalten werde: „Aixtron ist jetzt vor der Herausforderung, das Beste aus der neuen Situation zu machen. Die Produkte sind gut, Aixtron ist ja immer noch Weltmarktführer.“

Und ein Aushängeschild für Herzogenrath, das unter anderem auch Neubürger anziehe, „Bürger, die Geld in der Stadt lassen. Und die brauchen wir“, sagt Bock.

Diese Auswirkungen hat auch Walter Breuer im Blick, Vorsitzender des Stadtmarketings: „Aixtron ist für ganz Herzogenrath sehr wichtig, sowohl in Bezug auf Arbeitsplätze als auch auf die Kaufkraft.“ Das momentan schnell zulaufende Neubaugebiet Dornkaul-/Kämpchenstraße zeige, wie beliebt die Rodastadt auch als Wohnstandort geworden ist, Aixtron habe entscheidenden Anteil daran. Breuer: „Ich hoffe auf einen positiven Ausgang der Verhandlungen.“

Was sich natürlich auch auf eine möglichst schnelle Bearbeitung der erneuten Prüfangelegenheit im Bundeswirtschaftsministerium bezieht. Bürgermeister von den Driesch dazu: „Entsprechende Anfragen über unser Mitglied im Bundestag, Helmut Brandt, laufen zur Zeit.“ Womit sich die Einflussmöglichkeiten einer Kommune offensichtlich erschöpfen, sobald globale Interessen im Spiel sind.

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