Apotheke ohne Plastiktüte: Die Privatsphäre wird dennoch gewahrt

Von: Beatrix Oprée
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Nachhaltig: Birgit und Dietmar Heuchel, Inhaber der St.-Josef-Apotheke, setzen jetzt auf kompostierbares Papier. Foto: Beatrix Oprée

Herzogenrath. Es sind durchaus intime Dinge, die in einer Apotheke verkauft werden. Und die wirklich nicht jeder sehen muss, wenn man sie nach Hause trägt. Medikamente und Hygieneartikel in Tüten zu verpacken, ist daher ein Automatismus beim Personal. Der Kunde dankt für diese Diskretion.

Und dennoch, so haben sich Birgit und Dietmar Heuchel, Inhaber der St.-Josef-Apotheke im Schatten der Straßer Pfarrkirche, überlegt, müsse man doch etwas tun können, um dem Plastikboom Einhalt zu gebieten. „Das Bewusstsein wollten wir wecken“, erzählen sie. Und sind dazu mit gutem Beispiel vorangegangen. 1000 hübsche Baumwollbeutel haben sie rund um Weihnachten verschenkt.

„Eigentlich haben die Leute ja schon zig Beutel zu Hause“, sagt Dietmar Heuchel. Aber genau da würden sie dann auch meist vergessen. Quasi dem Gedächtnis auf die Sprünge helfen sollte deswegen eine ganz spezielle Aktion unter dem Motto „Wir packen’s ohne Plastik!“ Will heißen: Das Apotheken-Personal bot jedem Kunden, der auf eine Plastiktüte verzichtete, an, 10 Cent in ein Spendenglas zu geben.

Damit waren die Heuchels der freiwilligen Selbstverpflichtung, die der Handelsverband Deutschland (HDE) Ende April unterzeichnet hat, schon einen guten Schritt voraus. Denn diese tritt erst zum 1. Juli in Kraft. Die Vereinbarung sieht vor, dass 80 Prozent der Kunststofftüten im Einzelhandel binnen zwei Jahren kostenpflichtig sein sollen.

„Die Resonanz auf unsere Aktion war bestens“, freut sich Birgit Heuchel.

„Manche fragten schon von sich aus danach und steckten sogar selbst Geld ins Glas.“ Ein halbes Jahr lang sammelten sich so die Zehn-Cent-Stücke an. 1500 Euro waren es schließlich, gut 15 000 Plastiktüten wurden so eingespart. Und seit April ist die Plastiktüte aus der St.-Josef-Apotheke endgültig verbannt. Als Alternative zum Plastik hatten die Heuchels ungebleichte Papiertüten geordert.

„Die eignen sich nach der Nutzung als Einkaufstasche auch für die Biotonne, da sie kompostierbar sind. Und sie garantieren, dass pro 1000 produzierten Tüten ein neuer Baum gepflanzt wird.“

Nachhaltigkeit, wie sie auch im Sinne von Wilfried Hammers ist, dem Vorsitzenden des Vereins für Arbeit, Umwelt und Kultur in der Region Aachen, dem auch Birgit und Dietmar Heuchel schon seit vielen Jahren angehören. Die aus der Aktion gegen die Plastiktüte erzielten 1500 Euro sollen denn auch der vom Verein getragenen Recyclingbörse Herzogenrath zu Gute kommen.

Ein Zuschuss, der hilft, ein neues ambitioniertes Projekt aufzubauen: das Repair-Café am Standort der Recycling-Börse im Straßer Feld (siehe Bericht unten).

1990 ist das Arbeitslosen- und Umweltprojekt Recyclingbörse gegründet worden: Eine Demonstration gegen Plastiktüten war eine der ersten flankierenden Aktionen, vor dem Supermarkt auf dem August-Schmidt-Platz in Merkstein. Mitgründer Hammers erinnert sich: „Was wollen Sie eigentlich?“, hatte ihm damals eine ältere Dame entgegnet: „Nehmt doch lieber mal Eure eigene Generation ins Visier. Ich habe immer meine Einkaufstausche dabei!“ Eine ebenso einfach wie zukunftsweisende Strategie im Sinne der plastikverseuchten Weltmeere.

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