Anwohner am Sägewerk Eigelshoven beschweren sich über Gerüche

Von: mabie
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Zu feucht für die Verbrennung? Die Holzspäne, die Rolf Eigelshoven, Geschäftsführer des Sägewerks Eigelshoven, zeigt, entwickeln in der Biomasseheizung mitunter viel Rauch. Foto: Markus Bienwald
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Die Nachbarn wollen mit einer Unterschriftenaktion die Überprüfung der Biomasseheizung erwirken (v.l.): Rosemarie Knauf, Sabine Lappeßen, Mariola Rosa, Heinz Knauf und Edgar Willms.

Würselen. Autofahrer, die auf der K30 unterwegs sind, kennen die Schilder, die auf Höhe des Sägewerks Eigelshoven vor Dampfentwicklung warnen. Tatsächlich kann man vor allem an kühleren Tagen wabernden Dampf aus der Trocknungsanlage entlang des Sägewerks aufsteigen sehen. Und der ist nicht das einzige, worüber sich so mancher Anwohner ärgert.

„Wir haben die Schilder extra anbringen lassen, weil sonst laufend bei der Feuerwehr das Telefon klingelt“, sagt Geschäftsführer Rolf Eigelshoven. Seit 2011 wird noch mehr „Dampf gemacht“. Seinerzeit wurde eine Biomasseheizung, die mit Holzspänen aus der Produktion betrieben wird, gestartet. Seitdem stinkt es Heinz Knauf gewaltig. Er wohnt unweit der Heizanlage. Je nach Wind und Tageszeit sei weißer oder schwarzer Qualm zu beobachten. Im vergangenen Winter, der viel für die Ortslage ungewöhnlichen Ostwind mitbrachte, sei von der Anlage eine schier unzumutbare Belästigung für die Anwohner ausgegangen. „Das waren richtige Rauchschwaden“, so Knauf, „ich dachte zuerst, wir haben Nebel, aber alles kam aus dem Kamin.“

Dabei deutet er rüber zum Abgaskamin der Befeuerungsanlage. Die dient der Firma dazu, in fünf Trockenkammern das frisch gesägte Holz so weit zu trocknen, dass Abnehmer es sofort verbauen können. „Früher haben wir hier mit Öl geheizt“, sagt Rolf Eigelshoven, „500.000 Liter Öl pro Jahr – das war irgendwann ökologisch nicht mehr tragbar“. Mehr als 1300 Tonnen Kohlendioxid habe der Betrieb so pro Jahr ausgestoßen. Jetzt werden für die Trocknung ausschließlich die ohnehin anfallenden Sägespäne genutzt, die in einem derzeit noch offenen Bunker auf dem Betriebsgelände lagern.

Doch die klimaneutrale Verbrennung aus nachwachsenden Rohstoffen birgt eine Schwierigkeit. Eigelshoven: „Es gibt verschiedene Möglichkeiten, den Kessel zu fahren und zu steuern“, sagt er. Die von den Behörden mehrfach überprüfte Anlage erreicht bei Volllast Verbrennungstemperaturen von 500 bis 600 Grad. „Dann ist kein sichtbarer Rauch zu erkennen“, sagt Eigelshoven. Doch mitunter verbrennt die Anlage schlechter und das sei leider im Winter des öfteren der Fall gewesen, gibt der Mann vom Sägewerk unumwunden zu. Vor allem, weil der Brennstoff nass gewesen sei. „Wir hatten teilweise 50 Prozent Schnee in den Sägespänen.“ Das sorgte für Rauchentwicklung. „Dennoch lagen alle Werte im zulässigen Bereich und Gase aus der Anlage sind nachweislich gesundheitlich unbedenklich.“

Persönliches Empfinden

Das persönliche Empfinden der Anwohner ist eine ganz andere Sache. So hat sich unabhängig von Heinz Knauf auch Edgar Willms über die Emissionen während des Winters aufgeregt. Er empfindet die Rauchschwaden als „ekelhaft und atemberaubend“ und macht sich Sorgen über das neue Baugebiet Kapellenfeldchen, das bei Ostwind ebenso von den Abgasen betroffen sei wie das Gesundheitszentrum Marienhöhe. „An manchen Tagen konnten wir unsere Schnappatmung nur für Minuten einstellen und rauchfreie Luft genießen“, sagt Willms.

Er hat eine Unterschriftenaktion initiiert, die sich für eine Überprüfung der Anlage seitens der Stadt als Genehmigungsbehörde ausspricht. Andere Anwohner klagen über Husten und brennende Augen. Augenwischerei zu betreiben, ist hingegen nicht die Sache von Rolf Eigelshoven. Er geht das Thema offensiv an. So wurde das Anfahren der Heizung bei laufendem Betrieb zur Erhöhung der Verbrennungstemperatur von drei bis vier Vorgängen täglich auf einen bis zwei Vorgänge reduziert. Dadurch sei eine mögliche Belästigung der Anwohner auf ein „absolutes Minimum“ reduziert worden. „Ich bin Pfingsten extra zum Betrieb herausgefahren, weil ich ringsum Holzbrand roch“, erzählt er. Das habe aber nicht an der Trocknungsanlage gelegen, sondern vielmehr an denen, die ihre mit Holz betriebenen Heizungen und Öfen in Privathäusern angeworfen hatten.

„Wir könnten bei uns aus auch eine Wärmesenke in die Heizsteuerung einbauen, die dann konstant mit höherer Temperatur verbrennt und so keine sichtbaren Abgase mehr produziert“, sagt Rolf Eigelshoven. Das sei aber weder vom Umweltamt der Städteregion Aachen gefordert, noch mache es betriebswirtschaftlich Sinn. „Ich denke dennoch darüber nach, auch wenn ich dann pro Jahr ein Megawatt Wärmeleistung zusätzlich verpulvere.“ Doch über die Wärmesenke würde mehr Kohlendioxid ausgestoßen. Und genau das will der Unternehmer ja einsparen. „Wir verwenden Resthölzer aus der Produktion, kein Altholz oder belastetes Holz, und vermeiden so Abfall, den wir früher abfahren mussten.“

Bunker wird überdacht

Noch in diesem Jahr will er eine rund 300 Quadratmeter überspannende Überdachung für den Spänebunker bauen lassen. Acht Meter hoch wird sie sein, damit LKW den Bunker problemlos bedienen können. „Der Bauantrag wird derzeit bearbeitet“, sagt Eigelshoven zu. Dann werden die Späne, die noch offen lagern müssen, um nicht zu verrotten oder zu schimmeln, nicht mehr nass – und sollen sauberer verbrennen.

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