„Antigone”: Zwist um Weltanschauung, Macht und Glaube

Von: Elisa Zander
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Letzte Vorbereitungen: Kostüm
Letzte Vorbereitungen: Kostüme, Maske und Bühnenbild machen die Schüler selbst. Foto: E. Zander

Würselen. Die Scheren klappern, Schüler wuseln um die Tische im Foyer, eine Puderdose fällt zu Boden. Zwei Pennäler hantieren mit einem Stück Stoff im Army-Style, aus dem ein Cape werden soll. Shervin Azarvan zeigt, wie es geht: Ein Kreuz markiert die Mitte, um das ein Loch geschnitten wird.

Shervin Azarvan ist Lehrer am städtischen Gymnasium und leitet dort unter anderem den Literaturkurs der Stufe Q 1 (einst 11 und 12). Es sind die letzten Tage vor der Premiere: Die Schüler bringen nach einem Jahr Vorbereitung Sophokles „Antigone”, einen Teil seiner „Thebanischen Trilogie”, auf die Bühne.

Blinde Gefolgschaft

Der Stoff des griechischen Dichters um Ismene und ihre Schwester Antigone, die ihren Bruder Polyneikes würdevoll bestatten will, ist ein Klassiker. Antigone (Shirin Azarvan), die für diesen Versuch von König Kreon (Tim Azarvan) zum Tode verurteilt wird, Ismene (Emelie Kucharzik), die mit ihrer Schwester in den Tod gehen will, Antigones Verlobter und Kreons Sohn Haimon (Jan Meyer), der durch die Trennung seiner Liebsten am Ende selbst den Freitod wählt.

Der Zwist zwischen den Generationen um Weltanschauung, Macht und Glaube ist bis heute aktuell. Die Thematik des Widerstandes gegen eine ungerechte Herrschaft, die eine blinde und absolute Gefolgschaft verlangt und rigide gegen andere Denkweisen vorgeht, wird auch in der Inszenierung des Literaturkurses aufgegriffen.

Dabei wurden einige wichtige Merkmale des griechischen Theaters übernommen und verändert, beispielsweise die Tradition des Einsatzes von Masken im antiken Theater. Mit Unterstützung von der Masken- und Kostümbildnerin Anja Setzen haben die Schüler Latex-Masken hergestellt und in das Spiel eingebaut:

Zu Beginn sind alle Charaktere mit der Maske zu sehen, wenn sie sich aus den starren Vorgaben und der Einengung des Staates befreien, entledigen sie sich der Gesichtsverdeckung wie etwa Antigone, die bereit ist, den Preis des Widerstandes zu zahlen. Die Masken werden so zum elementaren Interpretationswerkzeug in der Inszenierung.

Weitere Aufführung

„Das Stück ist spannend und es lassen sich Parallelen zur grünen Revolution in der arabischen Welt ziehen”, erläutert Shervin Azarvan. Anfangs überlegte der Kurs das äquivalente Bild einzubauen, entschied sich aber doch dagegen und überlässt nun dem Publikum die Interpretation. Den Schluss auf aktuelles Zeitgeschehen können Zuschauer bei der Premiere am Freitag, 1. Juni, in der Aula des städtischen Gymnasiums, Klosterstraße, ziehen.

Eine weitere Aufführung findet am Samstag, 2. Juni, statt. Die Vorstellungen beginnen um 19 Uhr. Weiterhin wird Antigone am Mittwoch, 4. Juli, um 19 Uhr im Space im Ludwig Forum in Aachen, Jülicher Straße 97-109, gezeigt.

Karten für diese Aufführung sind kostenlos unter ? 0241/27458 und per E-Mail bei daniel.dericum@schultheatertage.eu zu reservieren.
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