Würselen - „Antigone”: Vorzüglicher Inszenierung folgt Dialog

„Antigone”: Vorzüglicher Inszenierung folgt Dialog

Von: Elisa Zander
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Auf in die Schlacht: Polyneik
Auf in die Schlacht: Polyneikes (Jan Wiartalla) und Eteokles (Marc Wiartalla) kämpfen bis in den Tod. Foto: Elisa Zander

Würselen. Die Brüder Antigones sind im Streit um die Herrschaft über die Stadt Theben. Der inzwischen verbannte Polyneikes (Jan Wiartalla) schart eine Armee um sich und zieht gegen die Heimatstadt und seinen Bruder Eteokles (Marc Wiartalla) in die Schlacht. Dabei töten sich die Brüder gegenseitig.

Neuer Herrscher von Theben wird Kreon (Tim Azarvan), Antigones Onkel. Seine erste Anweisung ist das Verbot, Polyneikes zu beerdigen, wodurch dieser sich nicht in der Unterwelt mit der Familie wieder vereinen kann. Für Antigone (Shirin Azarvan) ist das der Anlass, sich den strengen Regeln zu widersetzen. Eine Entscheidung, die schwerwiegende Folgen - wie den Freitod ihres Verlobten Haimon (Jan Meyer) - nach sich zieht.

Es ist eines der meist präsentierten Dramen der Weltbühne: Antigone. Mit dem Klassiker, der ein Teil von Sophokles „Thebanischer Trilogie” ist, feierte der Literaturkurs der Stufe Q1 (ehemalige Klasse 11 und 12) des städtischen Gymnasiums nun Premiere. Über ein Jahr hatten Darsteller, Techniker und Kostümbildner gearbeitet, um eine Stunde lang den Stoff des griechischen Dichters zu präsentieren. Und die lange Vorbereitungsphase machte sich bemerkbar: Überzeugend spielten die Schüler ihre Rollen, legten jegliche Emotion in den Charakter, interpretierten das Schicksal ihrer Rolle individuell.

Besonderes Augenmerk hatte die Gruppe unter der Regie von Shervin Azarvan auf zentrale Merkmale des griechischen Theaters gelegt und unter anderem die Tradition des Einsatzes von Masken im antiken Theater übernommen. Mit Unterstützung der Masken- und Kostümbildnerin Anja Setzen hatten die Schüler Latex-Masken hergestellt und in das Spiel eingebaut: Zu Beginn sind alle Charaktere mit der Maske zu sehen. Wenn sie sich aus den starren Vorgaben und der Einengung des Staates befreien, entledigen sie sich der Gesichtsverdeckung - wie etwa Antigone, die bereit ist, den Preis des Widerstands zu zahlen. Die Masken werden so zum elementaren Interpretationswerkzeug in der Inszenierung.

Die Thematik und der Zwist um Glaube, Macht und Weltanschauung sind bis heute aktuell. Wer möchte, kann bei dem Stoff, der den Widerstand gegen eine ungerechte Herrschaft thematisiert, die eine blinde und absolute Gefolgschaft verlangt und rigide gegen andere Denkweisen vorgeht, Parallelen zu den Revolutionen in der arabischen Welt ziehen.

Es ist eine durchweg gelungene Inszenierung. Ein Teil der Zuschauer bleibt im Anschluss, um den Dialog mit den Schülern zu suchen. Die erzählen von den schönen und manchmal anstrengenden Vorbereitungsphasen. Allein die Kreon-Maske, die eine Nachbildung der berühmten goldenen Agamemnon-Maske ist, habe etwa 30 Stunden an Arbeit gekostet. Auch geben die Schüler Einblick in ihre Schauspiel-Vorbereitung: Durch Übungen, die vor den eigentlichen Proben stattfanden, „entdeckten” sie Gefühle und lernten diese darzustellen, um sich auf emotionaler Ebene ihren Rollen anzunähern.

Aufführung am 4. Juli im Ludwig Forum Aachen

Wer sich von der Qualität der Aufführung überzeugen möchte, hat dazu noch einmal Gelegenheit: Am Mittwoch, 4. Juli, zeigt das Ensemble um 19 Uhr im Space im Ludwig Forum, Jülicher Straße 97-109, Aachen, noch einmal „Antigone”.

Karten für diese Aufführung sind kostenlos unter 0241/27458 und per E-Mail bei daniel.dericum@schultheatertage.eu zu reservieren.

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