Anti-Gewalt-Tag: Aggressionen aushebeln

Von: Stefan Schaum
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Da zuckt auch der Theaterprofi zurück: Simon Steimel (r.) hat mit den Siebtklässlern geübt, wie sie in Konfliktsituationen energisch aber beherrscht auftreten. Körpersprache ist dabei eine wichtige Zutat. Foto: Stefan Schaum

Baesweiler. Die Schüler vor ihm will Simon Steimel piesacken, so gut es nur geht. Richtig blöd anmachen will er die Siebtklässler. Mit krassen Beleidigungen, mit aggressiven Gesten und fiesen Blicken. Und dann schaut er, wie sie darauf reagieren. Bleiben sie cool? Bieten sie ihm Paroli? Werden sie selbst aggressiv?

Um Provokation und die richtige Reaktion darauf geht es jüngst in Rollenspielen am Baesweiler Gymnasium. Bei einem „Anti-Gewalt-Tag“. Steimel gibt dabei gern den Bösen. Das kann er richtig gut.

Empfindungen rüberbringen

Schon klar, der Mann kommt von der Bühne, ist eigentlich Theaterregisseur. So einer kennt sich aus mit menschlichen Empfindungen und wie man sie rüberbringt. Im Jahr 2000 hatte er ein Stück über Gewalt an Schulen gemacht. Doch Bühne ist nicht Wirklichkeit, sagt er, und Wirklichkeit sollte es sein – also besucht er seitdem Schulen und übt mit Kindern und Jugendlichen, wie sie einen kühlen Kopf bewahren können, wenn es plötzlich heiß hergeht.

Mit Struwwelfrisur und Kapuzenpulli steht Steimel vor den Schülern. „Du bist ein Hurensohn!“, blafft er einen von ihnen an. Der gibt lässig zurück: „Gar nicht wahr, meine Mutter ist Zahnärztin!“ So haben sie es zuvor gemeinsam geübt: mit einem lockeren Konter das Gegenüber aus dem Konzept zu bringen. Sprüche für viele Situationen gibt Steimel den Schülern zur Hand. Sagt einer: „Ey, du bist ein Streber!“, kann man entgegnen: „Ach, soll ich dir etwa helfen?“

Ob nun immer die passende Antwort zur Hand ist, sei dahingestellt. „Aber ihr solltet immer versuchen, mit einem Satz die Beleidigung zu kontern und den anderen ins Leere laufen zu lassen.“ Und dann – ganz wichtig – weggehen. Nicht wegrennen, sondern mit erhobenem Kopf und als moralischer Sieger! Dazu gehört es, mit festem Blick und starker Stimme zu sprechen, was die Kinder ebenfalls in Kleingruppen mit den Besuchern der von Steimel betreuten Initiative „Sicher und stark im Konflikt“ üben.

Das läuft seit 15 Jahren

Seit 15 Jahren kommt die nach Baesweiler, Lehrerin Eva-Brigitte Bürgerhausen betreut das Projekt am Gymnasium seit Beginn. Nein, sagt sie, die Schule sei ganz sicher keine Brennpunktschule. Im Gegenteil: Hier gibt es noch Respekt voreinander, eine „Grüßkultur“, wie sie sagt.

Schüler begegnen Lehrern und einander mit Respekt, das sei allerorts spürbar. Doch damit das so bleibt – und Kinder möglichst früh ein Gefühl für den Wert eines friedlichen Zusammenlebens entwickeln – ist der Anti-Gewalt-Tag seit 15 Jahren Pflichtprogramm.

Zeit, sich zu positionieren

Jeder Siebtklässler nimmt teil. Das sei genau das richtige Alter. „Denn dann beginnen die Kinder, sich zu positionieren. Das kann vor allem bei den Jungs auch schon mal zu Aggressionen führen“, sagt Bürgerhausen.

Diese Aggressionen werden zunehmend digital abgebaut. Cyber-Mobbing ist daher ebenfalls ein Stichwort beim Aktionstag. Dabei stellen sich die Medienscouts der Schule vor. Ältere Schülern, die den anderen sagen, wie sie sich vor Anfeindungen in Chatrooms, auf Facebook und anderen Plattformen schützen können. Ein grundsätzlicher Rat: Aufpassen, was man von sich selbst in der virtuellen Welt preisgibt – und das sollte im Zweifel besser wenig als zu viel sein. . .

Der Stellenwert des Aktionstages ist längst erkannt an der Schule. So müssen Eltern dafür auch nicht tief in die Tasche greifen, den größten Teil der Finanzierung schultert der Förderverein. Auch zukünftig soll das der Fall sein, hofft Eva-Brigitte Bürgerhausen. „Prophylaxe ist beim Thema Gewalt ein ganz wichtiger Baustein.“

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