Alsdorf - Anonyme Bestattung verhindert: Der letzte Wunsch von Jürgen Hampel

Anonyme Bestattung verhindert: Der letzte Wunsch von Jürgen Hampel

Von: Verena Müller
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Hier wollte Jürgen Hampel immer bestattet werden: auf dem Kellersberger Friedhof. Aufgrund seiner Lebensverhältnisse wäre ihm dieser letzte Wunsch aber fast verwehrt gewesen. Dank seiner Freunde erhält er am Samstag eine, wie sie finden, Beerdigung in Würde. Foto: Verena Müller
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Weggefährten seit Kindertagen: Sebastian Böhm (l.) und Pascal Lawitzky mit einem Bild des bekennenden Alemannia-Fans Jürgen Hampel. Foto: Verena Müller

Alsdorf. Jeden Mittwochabend kam Jürgen Hampel ins Schützenheim der St.-Barbara-Schützen Kellersberg. Alle dort wussten: Auf ihn war Verlass, und wenn mal Not am Mann war, sprang Jürgen Hampel ein. Mit 32 Jahren ist der Kellersberger nun vor kurzem gestorben. An einem Herzinfarkt.

Ob überraschend oder nicht, darüber lässt sich streiten. Manche sagen, die Grenze dessen, was ein Mensch in seinem Leben ertragen kann, sei bei ihm einfach überschritten gewesen: mit sieben Jahren Halbwaise, mit 14 Waise, vom Bruder getrennt, danach weitere Schicksalsschläge. Jürgen Hampel wurde schon als Kind, nach dem Tod der Mutter, psychisch krank und lebte zuletzt in einer betreuten Wohngruppe. „Er hat im Leben viel mitgemacht“, sagt Margit Dreschers, Mitglied der St.-Barbara-Schützen.

Sein Fehlen am Mittwoch, 16. November, sei sofort aufgefallen, erzählt Margit Dreschers. „Und am Donnerstag kam dann der Anruf“, erzählt sie und schluckt. Durch einen Zufall erfuhr sie dann, dass Jürgen Hampel ein Armenbegräbnis bekommen sollte. Also eine anonyme Bestattung, die vom Ordnungsamt organisiert wird, wenn es keine Rücklagen oder Angehörige gibt, die eine normale Beerdigung ermöglichen würden.

Den Gedanken fand Margit Dreschers unerträglich. Und brachte den Stein ins Rollen, der letztlich dazu führte, dass der 32-Jährige am Samstag ein normales Begräbnis erhält.

Eine Geldfrage

Margit Dreschers ist Sparkästchenverwalterin in ihrem Schützenverein. Die St.-Barbara-Schützen sind einer der wenigen noch verbliebenen Sparclubs. Jeder zahlt regelmäßig in sein Kästchen ein, so ähnlich wie man das aus manch alteingesessenen Wirtschaften noch kennt. Einmal im Jahr wird ausgezahlt, um zum Beispiel gemeinsam Essen zu gehen. Auch Jürgen Hampel, seit anderthalb Jahren inaktives Mitglied, hatte ein solches Kästchen. Er sei ein so lieber, hilfsbereiter Mensch gewesen, sagt Dreschers. Im Januar wäre er aktives Mitglied geworden. Das war der Plan.

„Was passiert nun mit Jürgens Geld aus dem Sparkästchen?“, fragte sich Margit Dreschers. Die 65-Jährige begann zu telefonieren. Aber der gesetzliche Vormund fühlte sich nicht zuständig und schließlich landete Margit Dreschers beim Ordnungsamt. Dort hieß es: Das Geld könne in die Bestattungskosten fließen, für die anonyme Verstreuung der Asche auf dem Waldfriedhof.

Die 65-Jährige war erschrocken ob dieser Nachricht, auch, weil sie wusste, dass Jürgen in Kellersberg bestattet werden wollte. Sie bat das Ordnungsamt um Aufschub, beriet sich mit ihrem Verein, Freunden und Familie. Gemeinsam mit ihrem Neffen Pascal Lawitzky startete sie eine Spendensammelaktion. Den Verwaltungsteil übernahm ihr Neffe, während der Dritte im Bunde, Sebastian Böhm, eine Facebook-Seite einrichtete.

Beide, Böhm und Lawitzky, sind gemeinsam mit Jürgen Hampel in Kindergarten und Grundschule gegangen, zwischendurch riss der Kontakt einmal ab, als Hampel vorübergehend in einer anderen Stadt lebte. Der Liebe wegen. Als damit Schluss war, kehrte er in die Heimat zurück. Und traf auf seine alten Weggefährten.

„Jürgen war immer gut gelaunt, freundlich, ehrlich und selbstlos“, sagt Pascal Lawitzky. „Nichts hat er im Gegenzug für seine Hilfe erwartet, und selten hat er selbst davon profitiert“, pflichtet ihm Sebastian Böhm bei. Beide finden das in Anbetracht des persönlichen Hintergrunds bewundernswert. Deshalb wollten sie etwas zurückgeben, stellvertretend für alle, für die Jürgen einmal in Zeiten der Not da war, egal, wie schlecht es ihm selbst ging.

Der Spendenaufruf

Als sie über Freunde vom plötzlichen Tod erfuhren, seien sie geschockt gewesen. „Jürgen ist nur acht Tage älter als ich“, sagt Sebastian Böhm. „Man denkt dann an die gemeinsame Kindheit zurück und auch daran, dass man sich ja eigentlich noch mal treffen wollte“, erzählt Pascal Lawitzky. „Und jetzt geht es nicht mehr.“

Als Margit Dreschers dann von der geplanten anonymen Bestattung berichtete, hätten sie sofort beschlossen, dass das verhindert werden müsse. „Wir hatten aber nur eine Woche Zeit, 1500 Euro für eine normale Bestattung zu sammeln“, erzählt Sebastian Böhm. Und das gelang. Wider Erwarten. Freunde, Eltern von Freunden, aber auch gänzlich Unbeteiligte hätten gespendet. „Das war schon toll“, sagt Pascal Lawitzky.

Und auch Margit Dreschers weiß nur Positives zu berichten: „Egal, mit wem ich auch zu tun hatte, ob mit der Verwaltung oder mit der Kirche, alles lief Hand in Hand“, erzählt die 65-Jährige. Am Ende sind es sogar über 1500 Euro geworden. Eine Grabplatte wird auch gespendet. „Ich finde, das ist doch mal ein positives Beispiel“, sagt Dreschers, angesichts vieler anderer Schlagzeilen, die man dieser Tage in der Zeitung lese.

Der Überschuss geht an den Sozialdienst katholischer Frauen (SKF), Träger der Einrichtung, in der Jürgen Hampel zuletzt gewohnt hatte.

Die Bestattung findet am Samstag statt. In Kellersberg. Wie es sich Jürgen Hampel gewünscht hat. Seine Freunde haben ihm diesen letzten Wunsch erfüllt.

Treffpunkt ist um 11 Uhr die Trauerhalle, von dort aus geht es zu dem neu angelegten Feld für die sogenannten amerikanischen Begräbnisse. Hier wird die Urne beigesetzt.

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