Anne Gesthuysen stellt Roman „Wir sind doch Schwestern“ vor

Von: Stefan Schaum
Letzte Aktualisierung:
6335543.jpg
Mit dem Bestseller nach Baesweiler: In der Burg stellt Anne Gesthuysen ihr erstes Buch „Wir sind doch Schwestern“ vor. Foto: Monika Sandel

Baesweiler. Am Telefon muss Anne Gesthuysen möglichst leise sprechen. Ihr zweijähriger Sohn hat eine Ohrenentzündung und schläft unruhig neben ihr. Im Vorfeld der Lesung in der Burg Baesweiler, bei der sie am Mittwoch, 16. Oktober, ihren Roman „Wir sind doch Schwestern“ vorstellt, erzählt sie von dessen Entstehung.

Aus einem Scheidungsprozess eines CDU-Landtagsabgeordneten und Ihren drei Großtanten, die im Prozess zum Teil eine wichtige Rolle spielten, haben Sie einen Bestseller gemacht. Hätte es auch ein Buch von Ihnen gegeben, wenn Sie den Scheidungsordner aus den 40er Jahren nicht entdeckt hätten?

Gesthuysen: Schwer zu sagen. Den Traum, mal ein Buch zu schreiben, hatte ich wohl schon mit 14 Jahren. Aber so ernsthaft habe ich das dann nie verfolgt. Als ich mich in die Prozessakte reingelesen habe, die ein Familien-Erbstück ist, war mir jedenfalls gleich klar, dass das eine gute Geschichte ist.

War es dennoch schwer, einen Verlag davon zu überzeugen?

Gesthuysen: Gar nicht. Es lief sogar anders herum: Auf einer Party hatte ich diese Familiengeschichte erzählt. Da hat auch eine Lektorin meines späteren Verlages zugehört und sofort gesagt: Da müssen Sie unbedingt ein Buch draus machen! Eine große Ehre.

Aber vermutlich auch viel Arbeit – und unterbeschäftigt sind Sie ja nicht gerade. Wie hat das Schreiben in den Tagesrhythmus einer Moderatorin eines Morgenmagazins hinein gepasst?

Gesthuysen: Ganz gut, aber ich habe mir auch Zeit gelassen. Die erste Zeile habe ich drei Jahre vor Erscheinen des Buches geschrieben, zwischendurch bin ich dann noch schwanger geworden. Ich musste mir Freiräume für das Schreiben schaffen, klar.

Gab es keinen Zeitdruck seitens des Verlags?

Gesthuysen: Nein. Ich habe zu Beginn auch ganz bewusst keinen Vertrag unterschrieben, sondern mich erstmal hingesetzt und einiges runtergeschrieben. Ich wollte ganz frei an das Buch herangehen. In Frage gestellt habe ich es nie: Wann hat man schon mal Gelegenheit, dass jemand einem anbietet, einen Traum zu verwirklichen?

Wie viel Wert haben Sie auf die historischen Details gelegt?

Gesthuysen: Schon einen großen. Aber mir war klar, dass ich diese ganzen Fakten nie so genau darlegen kann, wie ich das als Journalistin gerne möchte. Deshalb stand früh fest, dass ich erst gar nicht versuche, trocken etwas zu erzählen, sondern möglichst prall. Ich wollte eine lebendige Geschichte erzählen.

Wie sehr mussten Sie die Lebensgeschichten Ihrer Großtanten ausschmücken, damit es prall wird?

Gesthuysen: Gar nicht so sehr. Das meiste im Buch sind Tatsachen. Bei Kattys Geschichte haben wir vieles Schwarz auf Weiß, da musste man nichts hinzuerfinden. Bei den beiden anderen habe ich Famililiengerüchte umgesetzt. Da meine Tanten uralt geworden sind, habe ich sie auch noch gut kennengelernt. Sie sind ja erst gestorben, als ich schon um die 30 Jahre alt war.

Wie zufrieden sind Sie mit dem Buch? Haben Sie schon mal gedacht: Das und das hätte ich auch ganz anders schreiben können?

Gesthuysen: Ganz ehrlich? Seit das Buch erschienen ist, habe ich es nicht ein einziges Mal komplett gelesen! Immer ein paar Stücke bei Lesungen, aber nie in einem Rutsch. Ich bin ohnehin so ein Nörgler – und eh‘ ich was Schlechtes finde, lasse ich es lieber ganz sein. Ich freue mich stattdessen darüber, dass es anderen Menschen offenbar ganz gut gefällt.

Was für ein Typ Vorleser sind Sie? Stures Ablesen passt vermutlich nicht zu einer Moderatorin?

Gesthuysen: Nein, so mache ich das auch nicht. Es ist eine Mischung aus Plauderei und Lesung. Ich hab‘ auch eine Kopie der Prozessakten mit dabei – das Original ist mittlerweile in einem Museum. Ich wechsle zwischen Erzählen, meinem Buch und Passagen aus der Akte.

Sind Ihre Lesungen vor allem ein Fall für Frauen?

Gesthuysen: Hab‘ ich auch gedacht, ist aber nicht so. Ich bin immer wieder überrascht, dass richtig viele Männer kommen. Gut ein Drittel pro Abend, würde ich sagen.

Als Anhängsel ihrer Begleiterinnen?

Gesthuysen: Den Eindruck habe ich oft zu Beginn einer Lesung. Doch interessanterweise sind es dann die Männer, die anschließend beim Signieren stehen bleiben und noch quatschen wollen. Finde ich schön.

Wie sieht es mit einer Verfilmung aus? Bei einem Bestseller bleibt die doch nie lange aus.

Gesthuysen: Es sieht gut aus. Vier Produktionsfirmen haben Interesse bekundet, derzeit laufen ganz intensive Gespräche. Ich denke schon, dass was draus wird. Ob fürs Fernsehen oder fürs Kino wird man sehen. Ich bin jedenfalls neugierig auf die Dreharbeiten.

Und ein zweiter Roman? Hat Ihre Familie noch weitere Akten im Schrank?

Gesthuysen: Ich glaube nicht. Es wird schwer sein, ein weiteres Buch zu schreiben. Etwas ganz Fiktionales will ich nämlich nicht machen. Aber Lust hätte ich schon, die Arbeit am ersten hat großen Spaß gemacht. Und es hat ja auch ein paar Leute gegeben, die mir gesagt haben, dass ich einiges richtig gemacht habe.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert