Annagelände: Gefahr erkannt, Gefahr gebannt

Von: Karl Stüber
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Schweres Gerät im Einsatz: Au
Schweres Gerät im Einsatz: Auch gegenüber der Wohnbebauung im Bereich Alleestraße und Wilhelmschacht bereitet eine Spezialfirma den Boden für das Kultur- und Bildungszentrum auf. Foto: Stüber

Alsdorf. Keine Gefahr für die Gesundheit der Menschen geht von dem für das geplante Kultur- und Bildungszentrum vorgesehenen Areal rund um die alte Kraftzentrale auf dem Annagelände aus. Was an Altlasten vorgefunden wurde, wird ausgetauscht. Dies ist die zentrale Botschaft des Vortrags von Hartmut Möller im Stadtentwicklungsausschuss.

Möller ist Mitarbeiter der Landesgesellschaft NRW.Urban, die das seit 1995 - damals noch als Landesentwicklungsgesellschaft LEG - nach dem Kauf vom EBV aufbereitet, entwickelt und vermarktet.

Mathias Feilen (SPD) sagte, dass „diese Feststellung Gold wert ist”. Feilen konnte sich nicht eines Seitenhiebs gegen die Grünen verkneifen, die zuletzt gar von Gefahren für Schüler gesprochen hätten, die einmal das neue Schulzentrum besuchen sollen. Das wollte Hartmut Malecha nicht auf sich und seinen Grünen sitzen lassen. Die Grünen hätten ja nur immer nach möglichen Altlasten gefragt. Man sei „froh, dass es so glimpflich ausgegangen ist”.

Bei der Aufbereitung des Bodens, die noch zwei Wochen länger als geplant bis Mitte Mai dauern würde, seien insgesamt 26 000 Kubikmeter Boden zu bewegen, wovon rund 2000 Kubikmeter nicht mehr neu” einbaubar” seien und ausgetauscht werden müssten, sagte NRW.Urban-Mitarbeiter Möller. Hier sei so genanntes PAK-belastetes Erdreich gefunden worden. PAK steht für polycyclische Kohlenwasserstoffe.

Diese Funde seien aber nicht verantwortlich für den längeren Einsatz einer aus dem Raum Cuxhaven stammenden Spezialfirma, die den Boden für das Kultur- und Bildungszentrum bereitet. Ursache sei vielmehr, dass in einem Baufeld alte Keller m Untergrund gefunden worden seien, die es nun zu beseitigen gilt. Horst-Dieter Heidenreich (Grüne) sagte, er sei froh, dass die PAK-Altlast beseitigt werde. Seiner Fraktion habe erwartet, dass der Boden „beileibe nicht Altlasten-Frei ist”.

„Verdachtsfläche”

Und so geht die Firma „Bodo Freimuth - Abbruch und Recycling GmbH” seit einigen Wochen auf den nach dem Ende des Bergbaus (Zeche Anna) als „Altlastenverdachtsfläche” geführten Baufeldern vor, um den Boden tragfähig für die Baukörper der Schulzentrums für Realschule und Gymnasium zu machen: Der Boden wird tief ausgekoffert. Dabei wird eine obere Schicht von rund 80 Zentimeter Boden, die im Zuge der Beseitigung der Bergbauanlagen zuletzt aufgefüllt worden war, abgetragen.

Darunter befindet sich eine bis zu zehn Metern tiefe zweite Schicht, die aus der baulichen Hinterlassenschaft des Steinkohlenbergbaus stammt. Es geht um Ziegel, Beton, Ton, Schiefer, aber auch um Metallschrott und anderes. „Das ist sehr inhomogen”, sagte NRW.Urban-Mann Möller.

Zuweilen seien noch Hohlräume vorhanden. Diese müssten beseitigt werden. Zudem befinde sich darunter natürlicher Boden, der stabilisiert werden müsse: Löslehm. Die Spezialfirma nimmt den Boden heraus und bereitet ihn auf. Dazu gehört, zum Beispiel die Ziegel zu zerkleinern und Metallrückstände auszusondern.

Gerade das zerkleinerte Ziegelwerk eignet sich als erstes wieder in die ausgehobenen Gruben einzubringendes Material, um für Festigkeit zu sorgen. Darauf wird dann wieder der Löslehm gepackt, der allerdings mit Kalk vermischt, was stabilisierend wirkt.

Laut NRW.Urban-Mitarbeiter Möller wird die Aufbereitung des Bodens rund 450000 Euro kosten. Zum Jahreswechsel sei zwar die vertragliche Verpflichtung des Vorbesitzers EBV ausgelaufen, die Beseitigung von Altlasten zu bezahlen, da aber der Auftrag noch im Jahre 2010 erteilt worden sei, trage diese Vereinbarung in diesem Falle noch. Möller rechnet mit einer Beteiligung des EBV in Höhe von rund 50000 Euro.

Ausschussvorsitzender Gustl Rinkens (SPD) stellte klar, dass die Kosten für die Aufbereitung des Bodens nicht zu Lasten des Projekts Bildungszentrum gehen.

„Mischgebiet” ausgewiesen

Und was wird, wenn das geplante Kultur- und Bildungszentrum doch nicht, wie beantragt und erhofft, bezuschusst wird? War dann der ganze Aufwand für die Katz? Technische Beigeordnete Susanne Lo Cicero-Marenberg gab Entwarnung: „Wir haben Baurecht auf den Flächen.” Es handle sich um die Klassifikation „Mischgebiet”. Das bedeute, dass dort Wohngebäude und auch zum Beispiel Handwerkerbetriebe angesiedelt werden könnten.

Übrigens: Die Flächen in unmittelbarem Umfeld der alten Kraftzentrale, die im Zuge des Neubaus des Kultur- und Bildungszentrum natürlich erhalten bleibt und mitgenutzt wird, bleiben von der aktuellen Aktion unberührt. Der Boden dort ist bereits recycelt worden, wie seitens NRW.Urban zu hören war. Hinterlassenschaft des Bergbaubetriebs

Bei im Prinzip jedem Verbrennungsvorgang hat man es mit sogenannten polycyclischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) zu tun. Das gilt gerade bei Kokereien, aber auch Gaswerken.

Außerdemsind bei Bergbaubetrieben in der Vergangenheit beim Hantieren mit Teer, Pech oder Asphalt belastete Schlämme entstanden.

Als PAKwerden chemische Verbindungen bezeichnet, deren Grundgerüst aus zwei oder mehr miteinander verbundenen Benzolringen besteht, Dazu gehört zum Beispiel Naphtalin bzw. Benzpyren.

Das Gefährdungspotenzial: Viele PAK-Verbindungen haben sich als carcinogen (krebserregend) erwiesen, wie es im „Spektrum der Wissenschaft” heißt.

Laut Holländischer Liste gilt ein Boden als sanierungsbedürftig, wenn ein Kilogramm Trockensubstanz mehr als 200 Milligramm PAK enthält.
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