Andere Städte beneiden Alsdorf um die Akifa

Von: Stefan Schaum
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Professionelle Strukturen, auch mit eigenem Internetauftritt: Dafür sorgt seit der Gründung des „Akifa“-Vereins vor zehn Jahren Vorsitzender Heinz-Günther Dohm. Pädagogische Leiterin ist Sabine Crampen. Foto: Stefan Schaum/Wolfgang Sevenich
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Bürgermeister Alfred Sonders (li) überreichte den Silbertaler der Stadt Alsdorf an Hans-Günter Dohm. Foto: W.Sevenich

Alsdorf. Eine gute Betreuung, eine warme Mahlzeit – seit zehn Jahren koordiniert der Verein „Alsdorfer Förderkreis für Kinder und Familien“ („Akifa“) in Alsdorf die Angebote der Offenen Ganztagsgrundschulen. Leicht ist das nicht. Darüber sprechen Akifa-Vorsitzender Heinz-Günther Dohm und die Pädagogische Leiterin Sabine Crampen im Interview.

 

Die ersten Offenen Ganztagsgrundschulen in Alsdorf gab es schon 2003. Warum hat der Verein zwei Jahre später deren Trägerschaft übernommen?

Dohm: Weil rasch klar war, dass die jeweiligen schulischen Fördervereine mit dieser Aufgabe überfordert waren. Die haben die Startphase der außerschulischen Betreuung zwar gut begleitet, aber lange konnten sie das nicht durchhalten. So war es auch an meiner Schule in Begau. Da kam der Vorstand des Fördervereins zu mir und sagte: ,Wir schaffen das jetzt nicht mehr!‘ Ist ja auch klar, das sind schließlich Ehrenamtler – die können zeitlich nicht all das leisten, was die Koordination solch eines Betreuungsangebotes braucht.

Also war der Verein der Versuch, das zu professionalisieren?

Dohm: Im Grunde ja. Gemeinsam mit dem damaligen Beigeordneten Klaus Spille habe ich überlegt, dass es eine Einrichtung braucht, die den Offenen Ganztagsschulen den ganzen Verwaltungskram abnimmt. Und so haben wir den Verein bei einer Schulleiterkonferenz im Rathaus einfach gegründet.

Seitdem ist Ihr Baby ordentlich gewachsen.

Dohm: Oh ja. Schon nach kurzer Zeit hatten wir 25 Mitarbeiter. Und jetzt sind es 84. Plus etwa noch einmal so viele Honorarkräfte.

Ein großer Apparat, der da verwaltet werden muss.

Crampen: Das ist nicht ohne. Der Verein finanziert den offenen Ganztag und seine anderen Aufgaben aus Landesmittel, Elternbeiträgen, städtischen Eigenmitteln und Geldern, die uns aus Spenden zu kommen. Unsere Aufgabe ist es, mit den insgesamt knappen Mittel so zu wirtschaften, dass ein gutes pädagogisches Angebot dabei herauskommt.

Ohne Spenden geht es nicht?

Dohm: Bei manchen Kindern und Familien ist das leider der Fall. Denn wir legen großen Wert auch auf die Verpflegung der Kinder. Wir wollen ihnen mittags eine gute Mahlzeit geben. Dafür muss man etwa 2,80 Euro pro Kind kalkulieren. Das macht im Monat rund 50 Euro. Das ist für viele Eltern verdammt viel Geld. Es gibt einige, die es in Raten zu fünf Euro abstottern. Dann gibt es Eltern, die sich aus Scham darüber, nicht zahlen zu können gar nicht mehr in der Schule blicken lassen. Crampen: Oder sie melden ihr Kind erst gar nicht in der OGS an, weil die für sie unerreichbarer Luxus ist – obwohl sie die Betreuung eigentlich benötigen.

Warum stellen Sie es den Kindern und Eltern nicht einfach frei, ob sie in der Schule essen oder nicht?

Dohm: Weil eine vernünftige Mahlzeit einfach sehr wichtig ist. Und es gibt sicher einige Kinder, für die diese Mahlzeit die einzige richtige des Tages ist. Hinzu kommt auch die soziale Komponente, das gemeinsame Essen. Ich habe schon so oft erlebt, dass die Kinder das richtig genießen, beim Essen zusammenzusitzen. Und ich habe auch Kinder sagen hören: Bei uns zu Hause gibt es das nicht, dass mal die ganze Familie am Tisch sitzt.

Also dienen die Spenden dazu, bei Bedarf einzuspringen, wenn es am Geld für die Mahlzeit fehlt?

Crampen: Ja. Bislang klappt das auch. Aber es ist jedes Mal ein großes Rechenspiel. Es läuft – aber wir brauchen weiterhin Spenden, damit es funktioniert.

Auch, weil die Nachfrage nach Betreuung wächst?

Crampen: Die ist stetig gestiegen. Aktuell sind 662 Kinder in der OGS – das sind gut 43 Prozent aller Grundschüler in Alsdorf. Und der Bedarf steigt weiter. Darauf müssen wir uns einstellen.

Wie sieht es in anderen Kommunen aus? So etwas wie „Akifa“ hat doch nicht jede.

Dohm: In mancher Stadt ist die Situation dramatisch, die kranken unter der Vielfalt verschiedener Träger. Da kann man nichts so schnell und in einheitlicher Form machen wie bei uns. Wir können schnell Beschlüsse fassen, die den Kindern helfen. In anderen Kommunen müssen sich viele Vereine und Einrichtungen verständigen – und das kann dauern. Klaus Spille hat mal gesagt, dass andere Kommunen uns um „Akifa“ beneiden. Kann ich gut nachvollziehen.

Sie haben die ganzen zehn Jahre begleitet, auch über die Pensionierung hinaus. Ihr Gefühl dabei?

Dohm: Ist sehr gut. Ich bin stolz, dass alles gut läuft – obwohl es immer Ecken gibt, die uns Sorgen machen. Ich achte nach wie vor gern darauf, dass es gut weitergeht. Und es macht immer noch richtig viel Spaß.

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